Schweizer Sozialwerke: Zürcher bezahlen die AHV für Tessiner
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Schweizer SozialwerkeZürcher bezahlen die AHV für Tessiner

Schweizer Kantone benötigen unterschiedlich viele Sozialgelder. Während Zürcher mehr bezahlen als sie brauchen, beziehen Tessiner mehr, als sie an Beiträgen entrichten.

von
blu

Wer in Zürich arbeitet, hat im Jahr 2011 250 Franken mehr in die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) einbezahlt als bezogen. Die Tessiner hingegen haben 450 Franken mehr ausbezahlt bekommen, als sie an Beiträgen entrichtet haben. Dass es kantonale Unterschiede gibt in Bezug auf die Finanzierung der Sozialwerke zeigt eine Berechnung des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse.

Acht grosse Kantone wurden darin betrachtet, von denen genug Daten vorhanden waren. Die Mehrwertsteuer, mit der die AHV teilweise finanziert wird, wurde nicht berücksichtigt. Nebst kantonalen Unterschieden bei den Beiträgen an die AHV lassen sich auch bei der Invalidenversicherung (IV) deutliche Unterschiede feststellen: Während Zürich am meisten an IV-Beiträgen bezahlt, wird im Tessin am meisten davon beansprucht. Bei der Arbeitslosenversicherung (ALV) ist es der Kanton Luzern, in dem mehr ein- als ausbezahlt wird. Genf bezieht am meisten aus dem ALV-Topf.

Umverteilung in allen Sozialversicherungen

Über alle drei Sozialwerke gerechnet, bezahlen Zürcher 328 Franken mehr ein, als sie beziehen und Tessiner beziehen 658 Franken mehr, als sie einbezahlen. Trotzdem führen die Zahlen der Economiesuisse bei den Zürcher Behörden zu keinen politischen Konsequenzen. Die hohen Beiträge seien eine Folge von Zürichs Wirtschaftskraft, der Kanton habe darauf keinen Einfluss, wie ein Sprecher der Kantonsverwaltung zur «NZZ am Sonntag» sagte.

Das Bundesamt für Sozialversicherungen hielt dazu fest: Nicht die Kantone finanzieren die Sozialversicherungen, sondern Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Bund. Aber: «Fakt ist: Es gibt in allen drei Sozialversicherungen beträchtliche Umverteilungen zwischen den Kantonen.» Aber niemandem komme es in den Sinn, diese auszugleichen, wie Fridolin Marty, der die Unterschiede berechnet hat, zur «NZZ am Sonntag» sagte. Aber genau deshalb seien die Sozialversicherungen auf Bundesebene gehoben, damit Umverteilungen zwischen den Kantonen möglich sind.

Immer wieder neue Ungleichheiten

Auch bei der obligatorischen Krankenvesicherung wird umverteilt. Kantone müssen jahrelang zu viel bezahlte Krankenkassenprämien zurückerstatten, wie es das Parlament beschlossen hat. Zürich und das Waadtland profitieren davon, bezahlen muss Bern. 800 Millionen werden umverteilt, ein Drittel der Kosten tragen die Versicherten, ein Drittel die Kassen und ein Drittel der Bund. Laut Marty sollte man die Umverteilungen zwischen den Kantonen jedoch nicht ausgleichen, es würden «immer wieder neue Ungleichheiten auftauchen».

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