Aktualisiert 18.05.2005 19:32

Zürcher Elefantenbaby ist Werbeattraktion

Elefantenmädchen Farha ist derzeit die Attraktion im Zürcher Zoo. Seine Geburt vor zwei Wochen war für den Zoo Anlass, am Mittwoch auf die prekären Lebensbedingungen der asiatischen Elefanten in der Wildnis hinzuweisen.

Zuerst zeigt sich Farha ihren Fans an diesem kalten Tag nur von hinten. Flankiert von ihrer Mutter Ceyla-Himali und Tante Chukha rüsselt sie gelangweilt an der Mauer herum. Plötzlich Bewegung im Elefantengehege: Die dreijährige Chandra stürmt zu ihrer Halbschwester, wird aber von den Kühen behutsam wegspediert.

Farha wird dies alles zu bunt; festen Schrittes marschiert sie Richtung Tor zum Elefantenhaus - der Sesam öffnet sich nicht. Lustlos stapft die Kleine den Anderen hinterher, die dem Lockruf von Rüebli und Äpfeln nicht widerstehen können. Farha zieht die mütterlichen Zitzen vor. Immer wieder drängt sie zum Haus.

Geschickter Rüssel

Dann endlich geht das Tor auf. Drinnen wetzt Farha - Freude, Glück - im Stroh auf und ab, dreht sich übermütig um die eigene Achse und klaut aus der Nachbarbox einen riesigen Zweig. Hier zeigt sich, dass Farha auffallend geschickt mit ihrem Rüssel umzugehen weiss.

Bei anderen Jungen war der Rüssel eher im Weg als ein Hilfsmittel, wie Zoo-Kurator Robert Zingg vor den Medien sagte. «Aber es kann nicht schaden, frühzeitig zu lernen, anständig zu essen.»

Jede Bewegung des munteren Mädchens wird von unzähligen Jööhs begleitet. Die Geburt löste gemäss Zoo-Direktor Alex Rübel grossen Enthusiasmus aus, «von mir bis zur Bevölkerung». Dementsprechend riesig ist der Andrang vor und im Elefantenhaus.

Bedrohte Artgenossen

Der jüngste Spross der siebenköpfigen Zürcher Elefantenfamilie soll mithelfen, auf die Gefährdung ihrer wild lebenden Artgenossen aufmerksam zu machen.

Mit der Umwandlung von Wald in Landwirtschaftsland schrumpften Lebensraum und Populationen massiv. Der Mensch drängte die Tiere auf kleine, voneinander getrennte Gebiete zurück. 2003 lebten in Asien nach Schätzungen rund 30 000 Elefanten in 13 Gebieten. Vor 100 Jahren waren es noch 100 000.

Nun haben auch einige Länder die Zeichen der Zeit erkannt: In Thailand, wo Elefanten hohen kulturellen Stellenwert haben, erzielte laut Rübel das Programm, ehemalige Arbeitstiere in die Wildnis zu entlassen, erste Erfolge. Geplant sind weitere Wiederansiedelungen und neue Schutzzonen.

Hier sieht Rübel die Arbeit der Zoos. Helfen können sie bei der Planung, Überwachung und Umsiedelung der Populationen. Als weitere Aufgabe sieht der Zoo-Direktor das Lobbying für besseren Elefantenschutz und zur Einschränkung des Elfenbeinhandels.

Zurzeit erarbeiten Wildtierbiologen und Elefantenspezialisten einen Aktionsplan, erklärte Rübel. Erstweilen ist Farha in Zürich ideale Werbeträgerin. Schon im Herbst erhält sie Verstärkung, wenn Tante Indi ihr zweites Junges bekommt.

(sda)

Farha zieht die Besucher an

Seit das Elefanten-Baby Farha vor zwei Wochen auf die Welt gekommen ist, strömen Tierfreunde scharenweise in den Zürcher Zoo: «Wir hatten am Pfingstsonntag mit 10 000 Eintritten einen Besucherrekord», so Zoodirektor Alex Rübel.

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