02.11.2016 04:54

Medellín, Kolumbien

Zürcher eröffnet Hostel in Ex-Drogenhochburg

Alexander Jarrin bricht seine Zelte in der Schweiz für ein Hostel in Medellín ab. Die Stadt galt lange als Drogenhochburg Kolumbiens.

von
som

Zwei Tage dauert es noch bis zu seiner Abreise. Alexander Jarrin ist nervös. Schliesslich reist er nach Kolumbien, um zu bleiben. Mit seinen Freunden Philip Angst (31) – bekannt als Mitinhaber des Restaurants Stubä im Kreis 4 – und Luca Ristagno (31) will der 25-jährige Zürcher in Medellín im Dezember das Boutique-Hostel Rango mit rund 50 Betten eröffnen.

Die zweitgrösste Stadt des Landes galt lange Zeit als die Drogenhochburg (Pablo Escobar, Medellín-Kartell), es war also höchstens für sehr Abenteuerlustige eine Reise wert. «Mittlerweile ist Kolumbien aber viel sicherer geworden, sagt Jarrin. Natürlich müsse man wie überall in Südamerika gewisse Regeln einhalten – zum Beispiel keinen teuren Schmuck tragen oder gewisse Quartiere am Abend meiden: «Generell floriert aber das Land und hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Reiseziel gemausert.»

Zurück zu den Wurzeln

Auch Jarrins Freunde haben sich auf einer Reise in das Land verliebt und beschlossen, etwas Eigenes zu machen. 2013 kauften sie sich mitten in Medellín ein Grundstück. Das Gebäude darauf liessen sie abreissen und bauten ein neues Haus. Der gelernte Verkäufer Jarrin, der in Zürich zuletzt in der Gastronomie arbeitete, stieg erst dieses Jahr in das Projekt ein – damit geht er zurück zu seinen Wurzeln, sagt er: «Ich bin halb Kolumbianer und lebte während meiner ersten drei Lebensjahre dort.»

Wie viel Geld er investiert hat, will er nicht sagen. Ebenfalls steht noch nicht fest, wie viel die Übernachtung kosten wird. Er ist überzeugt, dass die Herberge florieren wird – zumal es viel mehr als ein Hostel ist, in dem die drei «Schweizer Qualität» anbieten wollen: «Wir haben nicht nur 4er- und 6er-Schläge, sondern auch wie in einem Hotel Zweierzimmer mit Bad, TV und Frühstückservice.»

Gerichte aus der Heimat

Zum Hostel gehören auch eine Küche, ein Gemeinschaftsraum, eine Bar und ein Restaurant. Dafür stellten die drei extra einen Schweizer Koch an, der auch Gerichte aus der Heimat zubereiten will.

Bis aber die ersten Gäste ins Rango einkehren, müssen noch die letzten Bauarbeiten beendet und Personal eingestellt werden – eine stressige Zeit gleich nach Jarrins Ankunft: «Macht nichts, wir verwirklichen unseren Traum.» Mit der Eröffnung ist dieser aber noch nicht ausgeträumt.

So möchten sie, wenn sie etwas Geld verdient haben, das Rango vergrössern: «Und wer weiss», sagt Jarrin zögernd: «Vielleicht gibt es ja irgendwann noch weitere Rangos in Kolumbien – wir würden gern Teil der positiven Entwicklung dieses Landes sein.»

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