10.07.2015 13:48

Neue Massnahmen

Zürcher Fahrschüler brauchen mehr Lektionen

Wer im Kanton Zürich den Führerschein macht, greift tief in die Tasche: Wegen Massnahmen des Strassenverkehrsamts verlangen Lehrer mehr Stunden.

von
ann
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In Zürich sind in den vergangenen Jahren zu viele Fahrschüler durch die Prüfung gefallen.

In Zürich sind in den vergangenen Jahren zu viele Fahrschüler durch die Prüfung gefallen.

Gaetan Bally
Darum hat das Strassenverkehrsamt im März 2012 reagiert: Wenn der Schüler die Prüfung zum zweiten Mal nicht besteht, muss er mit seinem Fahrlehrer bim Strassenverkehrsamt zum Gespräch kommen.

Darum hat das Strassenverkehrsamt im März 2012 reagiert: Wenn der Schüler die Prüfung zum zweiten Mal nicht besteht, muss er mit seinem Fahrlehrer bim Strassenverkehrsamt zum Gespräch kommen.

Gaetan Bally
«Bei dem Gespräch wird der Ausbildungsverlauf und die ersten beiden praktischen Führerprüfungen besprochen und analysiert. Dabei wird zusammen mit dem Fahrlehrer und dem Fahrschüler nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht. Die Prüfungsanforderungen werden erklärt, damit die dritte praktische Führerprüfung erfolgreich absolviert werden kann», sagt Roger Volgger, Chefexperte Führerprüfungen am Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich.

«Bei dem Gespräch wird der Ausbildungsverlauf und die ersten beiden praktischen Führerprüfungen besprochen und analysiert. Dabei wird zusammen mit dem Fahrlehrer und dem Fahrschüler nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht. Die Prüfungsanforderungen werden erklärt, damit die dritte praktische Führerprüfung erfolgreich absolviert werden kann», sagt Roger Volgger, Chefexperte Führerprüfungen am Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich.

Gaetan Bally

Seit das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich wegen zu vielen negativ bewerteten Führerprüfungen im März 2012 neue Massnahmen vor der dritten Autoprüfung eingeführt hat, ist laut Strassenverkehrsamt die Erfolgsquote bei den Autoprüfungen wieder deutlich angestiegen: Von 64 im Jahr 2012 auf 70 Prozent im Jahr 2014. Damit sind die Prüflinge in Zürich endlich wieder erfolgreicher als der nationale Durchschnitt, der 2014 bei 67,5 Prozent lag. Noch 2012 erreichten die Zürcher mit 64 Prozent eine tiefere Quote als der Schweizer Durchschnitt von über 65 Prozent.

Der Erfolg hat jedoch einen hohen Preis: Laut einer Befragung unter mehreren Fahrlehrern im Kanton Zürich besuchen deren Fahrschüler im Schnitt 30 bis 40 Fahrstunden, bevor sie zur Prüfung angemeldet werden. In der restlichen Deutschschweiz sind es hingegen 27 bis 29, wie eine Erhebung des Schweizerischen Fahrlehrerverbands zeigt.

Nicht immer dieselben Fahrlehrer

Auch Roger Volgger, Chefexperte Führerprüfungen beim Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, nimmt an, dass seit der Änderung mehr Lektionen erteilt werden «und zwar nicht nur für die erste, sondern auch für die zweite Führerprüfung». Seit März 2012 müssen Fahrlehrer und Schüler bei Nichtbestehen der ersten zwei Prüfungen zu einem Gespräch aufs Strassenverkehrsamt.

Dabei würden der Ausbildungsverlauf und die ersten beiden praktischen Führerprüfungen besprochen und analysiert. «Es wird nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht.» Die Tendenz, dass es oft dieselben Fahrlehrer seien, deren Schüler nicht bestehen, ist laut Volgger «nicht eindeutig feststellbar».

In Zürich kostet eine Fahrausbildung etwa 4500 Franken

Das sieht Willi Wismer, Präsident des Zürcher Fahrlehrerverbandes anders. «Es gab ein paar schwarze Schafe, die sich von ihren Schülern unter Druck setzen liessen und diese zu schnell zur Prüfung anmeldeten.» Mit der neuen Massnahme seien aber auch Fahrlehrer, die kaum Probleme hätten, vorsichtiger geworden. «Sie warten lieber noch ein paar zusätzliche Fahrstunden ab, bevor sie ihre Schüler zur Prüfung anmelden», sagt Wismer.

In nackten Zahlen bedeutet das, dass bis zum Bestehen der praktischen Führerprüfung im Kanton Zürich rund 4500 Franken ausgegeben werden. «Die Ausbildung ist heute sicher teurer als früher», sagt Wismer. Dies hänge aber auch mit den Bedingungen zusammen. Der Verkehr sei heute viel dichter und darum komplexer und anstrengender geworden.

Fahrschüler können weniger mit Eltern üben

«Es ist zum Beispiel viel schwieriger, auf der Autobahn einen Spurwechsel zu machen, es braucht viel mehr Aufmerksamkeit.» Die Führerscheinprüfung sei entsprechend anspruchsvoller geworden.

«Man muss heute mehr können, um zu bestehen.» Ausserdem würden die Jungen weniger mit den Eltern fahren gehen, weil diese oft keine geschalteten Autos mehr hätten, «sie müssen dann mit dem Mobility-Auto üben oder nur mit dem Fahrlehrer».

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