«Travis the Creator» - Zürcher Fashion-Influencer soll Frauen vergewaltigt haben

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«Travis the Creator» Zürcher Fashion-Influencer soll Frauen vergewaltigt haben

Mehrere junge Frauen erheben schwere Vorwürfe gegen Influencer «Travis the Creator». Zwei von ihnen haben nun Anzeige erstattet; der Influencer bestreitet alle Vorwürfe.

von
Toni Rajic
Daniel Krähenbühl
Noah Knüsel

Auch Alysha Huber aus Romanshorn TG erhebt schwere Vorwürfe gegen den Influencer.

privat

Darum gehts

  • Mehrere Frauen erheben schwere Vorwürfe gegen einen Zürcher Fashion-Influencer – unter anderem geht es um mutmassliche Vergewaltigungen.

  • Dieser bestreitet die Vorwürfe: «Ich habe nie mit einer Frau gegen deren Willen Sex gehabt.»

  • Zwei Frauen haben ihn mittlerweile angezeigt. Für den Mann gilt die Unschuldsvermutung.

Er posiert mit teuren Autos, ausgefallenen Uhren und mit auffällig gefärbten Haaren: Der Zürcher Fashion-Influencer «Travis the Creator» liebt es extravagant und glamourös. Die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden, sind es weniger: Auf Instagram wird er unter anderem beschuldigt, junge Frauen sexuell missbraucht und vergewaltigt zu haben (siehe Box).

Mittlerweile haben zwei mutmassliche Opfer den Influencer angezeigt. Eine davon ist die 24-jährige Mona Walker aus Luzern. «Ich war sehr unsicher, er hat mich manipuliert», sagt sie zu 20 Minuten.

Insta-Page teilt Vorwürfe an Influencer

Begonnen hat es am Wochenende mit einem Instagram-Account, auf welchem Geschädigte aus der Schweiz wie aus dem Ausland ihren Unmut über Travis' Lebensstil äusserten. Sie werfen ihm vor, sich Geld geliehen und damit ein Luxusleben in Zürich und Marbella finanziert zu haben – ohne die Absicht, das Geld jemals wieder zurückzuzahlen. Innert kürzester Zeit generierte der Account mehrere Tausend Follower. Mittlerweile wurden aber alle Posts gelöscht. Der Betreiber der Seite betont, dass für den Influencer die Unschuldsvermutung gelte.

Sexuelle Handlungen ohne Zustimmung?

Walker hat Travis 2018 bei einem Videodreh kennengelernt, wie sie sagt. Dort sei es mit dem Influencer und einem anderen Mann zu sexuellen Handlungen ohne ihr Einverständnis gekommen: «Ich fühle mich meiner Seele beraubt», sagt sie. Dass sie nun bei der Polizei Anzeige erstattet hat, gebe ihr ein gutes Gefühl: «Es war schön, dass mir jemand zugehört hat.»

Auch eine 18-Jährige aus Zürich hat den Influencer angezeigt: «Ich lernte ihn in einem Zürcher Club kennen, als ich 15 war», sagt sie. Travis habe sie und einen Kollegen nach der Party in sein Apartment eingeladen. Dort sei es zu sexuellen Handlungen gegen ihren Willen gekommen, sagt sie: «Ich war so geschockt, dass ich mich nicht gewehrt habe und alles über mich ergehen liess.»

Er sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert.

Er sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert.

Privat

Anzeige bringt Erleichterung

Auch später habe der Influencer sie ausgenutzt: «Er nutzte meine Schwäche und psychische Labilität aus.» Sie habe sich die letzten Jahre schwere Vorwürfe gemacht, so die junge Frau: «Ich fragte mich: Wie kann es sein, dass solche Leute gewinnen?» Die Anzeige sei für sie eine grosse Erleichterung gewesen: «Ich habe lange auf diesen Moment gewartet.» Die Stadtpolizei Zürich bestätigt auf Anfrage, dass die junge Frau am Montag Anzeige erstattet habe.

Selbstvorwürfe und Schuldgefühle kennt auch Alysha Huser: «Nach meiner Vergewaltigung im Jahr 2017 redete ich mir ein, dass ich selbst schuld sei, weil ich mich nicht gewehrt hatte», sagt die 23-Jährige. Bei einem Fotoshooting habe der Influencer sie auf eine Toilette gerufen, wo er ohne ihr Einverständnis in sie eingedrungen sei: «Ich konnte nicht reagieren und war wie versteinert.» Sie sei froh, dass sie die Instagram-Page entdeckt habe: «Die vielen anderen Frauen, die sich gemeldet haben, gaben mir Kraft. Wir wollen ihn endlich zur Rechenschaft ziehen.»

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

«Bin froh, wenn es vor Gericht geklärt wird»

Für den Influencer selbst ist die Insta-Page eine gezielte Kampagne gegen ihn: «Die Betreiber wollen mir eins reinwürgen», sagt er zu 20 Minuten. Mittlerweile habe er sogar Morddrohungen erhalten. Er habe nie mit einer Frau gegen deren Willen Sex gehabt, so Travis: «Manchmal bereut man im Nachhinein, Sex mit einer Person gehabt zu haben. Das ist aber kein Grund, jemandem Vergewaltigung vorzuwerfen.»

Auch auf Onlyfans habe er nie ohne Zustimmung gepostet. Er filme zwar manchmal, wenn er Sex mit Frauen habe: «Ich habe das aber nie versteckt gemacht.» Es habe ihn nie jemand aufgefordert, das Handy wieder wegzulegen.

Er könne sich nicht erklären, warum sich so viele Frauen bei der Insta-Seite gemeldet hätten, sagt der Influencer: «Ich war baff, als ich davon erfahren habe.» Er sei aber froh, wenn die Angelegenheit vor Gericht geklärt werde. So könne die Wahrheit ans Licht kommen: «Ich habe den Betreiber der Insta-Seite und die Frauen ebenfalls angezeigt.» Für den Influencer gilt die Unschuldsvermutung.

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