«Impfstatus wird mitberücksichtigt» – Zürcher Firma zahlt ungeimpften Angestellten weniger Bonus
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«Impfstatus wird mitberücksichtigt»Zürcher Firma zahlt ungeimpften Angestellten weniger Bonus

In einer Zürcher Sicherheitsfirma gilt eine Zertifikatspflicht für Angestellte – und sie bekommen mehr Bonus, wenn sie geimpft sind. Angestellte finden das diskriminierend.

von
Noah Knüsel
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Schweizer Firmen führen eine Zertifikatspflicht am Arbeitsplatz ein. In einer Zürcher Sicherheitsfirma gilt etwa: Ohne gültiges Zertifikat gibts keinen Lohn – und Ungeimpften wird weniger Bonus ausbezahlt.

Schweizer Firmen führen eine Zertifikatspflicht am Arbeitsplatz ein. In einer Zürcher Sicherheitsfirma gilt etwa: Ohne gültiges Zertifikat gibts keinen Lohn – und Ungeimpften wird weniger Bonus ausbezahlt.

20min
«Ich finde das diskriminierend», sagt ein Angestellter der Firma. Er sei nicht der einzige, der sich aufrege: «Viele trauen sich aber nicht, etwas zu sagen.» Der Geschäftsführer der Firma wehrt sich gegen die Kritik: «Unser Unternehmen verfügt über ein Schutzkonzept, das auch von der Arbeitnehmervertretung abgesegnet wurde.» Ungeimpften Mitarbeitenden stünden wöchentliche Pooltests und Gratis-Antigentests zur Verfügung. (Symbolbild)

«Ich finde das diskriminierend», sagt ein Angestellter der Firma. Er sei nicht der einzige, der sich aufrege: «Viele trauen sich aber nicht, etwas zu sagen.» Der Geschäftsführer der Firma wehrt sich gegen die Kritik: «Unser Unternehmen verfügt über ein Schutzkonzept, das auch von der Arbeitnehmervertretung abgesegnet wurde.» Ungeimpften Mitarbeitenden stünden wöchentliche Pooltests und Gratis-Antigentests zur Verfügung. (Symbolbild)

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Laut Arbeitsrechtler Nicolas Facincani gilt grundsätzlich: «Bei einer Covid-Zertifikatspflicht muss die Firma ein regelmässiges Testsystem am Arbeitsplatz anbieten oder die Testkosten der Mitarbeitenden übernehmen.»

Laut Arbeitsrechtler Nicolas Facincani gilt grundsätzlich: «Bei einer Covid-Zertifikatspflicht muss die Firma ein regelmässiges Testsystem am Arbeitsplatz anbieten oder die Testkosten der Mitarbeitenden übernehmen.»

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Darum gehts

  • Auch KMU führen in der Schweiz eine Zertifikatspflicht am Arbeitsplatz ein.

  • In einer Sicherheitsfirma aus dem Kanton Zürich gilt: Ohne gültiges Zertifikat, gibts keinen Lohn – und Ungeimpften wird weniger Bonus ausbezahlt.

  • «Ich finde das diskriminierend», sagt ein Angestellter.

  • Der Geschäftsführer der Firma wehrt sich gegen die Kritik: Ungeimpften Mitarbeitenden stünden etwa wöchentliche Pooltests und Gratis-Antigentests zur Verfügung.

  • Während die Rechtslage laut einem Juristen bei der Lohnfortzahlung unklar ist, dürfte der Bonus fürs Impfen vor Gericht standhalten.

Der Einsatz des Covid-Zertifikates am Arbeitsplatz sorgt für Diskussionen. Während in Österreich bald in allen Firmen eine Zertifikatspflicht gilt und sie in Italien schon Realität ist, ist deren Einführung in der Schweiz den einzelnen Unternehmen überlassen.

Neben Grosskonzernen aus der Pharmabranche führen auch kleinere Firmen eine 3G-Pflicht am Arbeitsplatz ein. So etwa eine Sicherheitsfirma aus dem Kanton Zürich. Dort gilt: Ohne gültiges Zertifikat gibts keinen Lohn – und Ungeimpften wird weniger Bonus ausbezahlt. «Ich finde das diskriminierend», sagt ein Angestellter der Firma. Er sei nicht der einzige, der sich aufrege: «Viele trauen sich aber nicht, etwas zu sagen.»

Zu wenig Testmöglichkeiten?

20 Minuten liegen mehrere interne Mails vor. «Mitarbeitende, die bei Dienstantritt kein gültiges Zertifikat vorweisen können, bekommen keine Lohnfortzahlung», heisst es da etwa. Und: Bei der Auszahlung eines Bonus am Ende des Jahres werde der Impfstatus mitberücksichtigt.

Wie aus den Mails weiter hervorgeht, gilt die Zertifikatspflicht nur für Angestellte, die bei einem bestimmten Kunden arbeiten. Dieser habe selbst eine 3G-Pflicht eingeführt. Allerdings gebe es dort auch Möglichkeiten für Gratis-Tests: dies von Montag bis Freitag jeweils am Vormittag.

«Das hilft uns wenig, wenn wir im Sicherheitsdienst im Schichtbetrieb arbeiten», kritisiert der Angestellte. Beginne eine Schicht etwa erst am Nachmittag oder in der Nacht, könne man nicht auf das Angebot zurückgreifen: «Die Kosten für die Antigen-Tests sind für viele Mitarbeitende nur schwer aus der eigenen Tasche bezahlbar.»

«Schutzkonzept wurde abgesegnet»

Der Geschäftsführer der Firma wehrt sich gegen die Kritik: «Unser Unternehmen verfügt über ein Schutzkonzept, das auch von der Arbeitnehmervertretung abgesegnet wurde.» Ungeimpften Mitarbeitenden stünden wöchentliche Pooltests und Gratis-Antigentests zur Verfügung.

Man sei verpflichtet, mögliche Zertifikatspflichten der Kunden und Kundinnen umzusetzen, so der Geschäftsführer weiter: «Das stellt uns insbesondere bei der Dienstplanung vor grosse Herausforderungen.» Die Nachfrage nach Sicherheitsmitarbeitenden mit einem Covid-Zertifikat habe massiv zugenommen.

Beim Bonus handle es sich um eine «rein freiwillige Gratifikation» der Firma, mit der Mitarbeitende zusätzlich belohnt würden, heisst es weiter. Es sei korrekt, dass dabei der Impfstatus mitberücksichtigt werde – neben dem Verhalten und der Arbeitsleistung der Angestellten.

«Besserstellung ist keine Diskriminierung»

Laut Arbeitsrechtler Nicolas Facincani gilt grundsätzlich: «Bei einer Covid-Zertifikatspflicht muss die Firma ein regelmässiges Testsystem am Arbeitsplatz anbieten oder die Testkosten der Mitarbeitenden übernehmen.» Zahle das Unternehmen die Testkosten nicht, gelte: «Wenn die eigenen Angebote im Einzelfall nicht genutzt werden können, muss der Lohn trotzdem bezahlt werden.»

Impfprämien dagegen dürften vor Gericht standhalten, so der Experte. Zwar hätten Unternehmen eine Gleichbehandlungspflicht der Angestellten. Eine Diskriminierung könne aber juristisch nur dann gegeben sein, wenn einzelne Arbeitnehmende schlechter gestellt würden: «Eine Besserstellung von Arbeitnehmenden stellt keine Diskriminierung dar.»

3G am Arbeitsplatz sorgt für Verunsicherung

Bei der Axa-Rechtsschutzversicherung habe man viele Anfragen zur Zertifikatspflicht am Arbeitsplatz, wie es auf Anfrage heisst: «Nach dem Bundesratsentscheid haben sich die Anfragen im Arbeitsrecht kurzfristig gar verdoppelt.» Mittlerweile verzeichne man wieder einen leichten Rückgang. Bei den Anfragen von Unternehmen gehe es oft um Impfanreize oder Testzwang, während sich Arbeitnehmende etwa für die Übernahme der Testkosten interessierten.

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