Tierversuche reduzieren - Zürcher Forschende züchten Mini-Organe auf der ISS
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Tierversuche reduzierenZürcher Forschende züchten Mini-Organe auf der ISS

Lässt sich im All menschliches Gewebe züchten? Das wollen Zürcher Forschende mit einem Experiment auf der Internationalen Raumstation ISS herausfinden. Falls es gelingt, könnte das helfen, ein irdisches Problem zu lösen.

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Nach ersten erfolgreichen Tests im Jahr 2020 startet nun erneut ein Experiment von Forschenden des UZH Space Hubs zur Internationalen Raumstation ISS. (Im Bild: Das erste UZH-Airbus-Experiment «Organoids in Space» wird zur ISS transportiert, März 2020)

Nach ersten erfolgreichen Tests im Jahr 2020 startet nun erneut ein Experiment von Forschenden des UZH Space Hubs zur Internationalen Raumstation ISS. (Im Bild: Das erste UZH-Airbus-Experiment «Organoids in Space» wird zur ISS transportiert, März 2020)

NASA/Tony Gray and Tim Terry
Mit an Bord: der Bioreaktor CubeLab mit Gewebestammzellen von zwei Frauen und zwei Männern unterschiedlichen Alters. 

Mit an Bord: der Bioreaktor CubeLab mit Gewebestammzellen von zwei Frauen und zwei Männern unterschiedlichen Alters.

Julian Raatschen, Airbus Defence and Space
Erste Ergebnisse erwarten die Verantwortlichen im November. Sie sind zuversichtlich: Bei ersten vorbereitenden Tests auf der ISS im Jahr 2020 hatten sich aus menschlichen Stammzellen binnen eines Monats organähnliche Leber-, Knochen- und Knorpel-Strukturen entwickelt. (Im Bild: die Proben werden für den Einsatz im All vorbereitet)

Erste Ergebnisse erwarten die Verantwortlichen im November. Sie sind zuversichtlich: Bei ersten vorbereitenden Tests auf der ISS im Jahr 2020 hatten sich aus menschlichen Stammzellen binnen eines Monats organähnliche Leber-, Knochen- und Knorpel-Strukturen entwickelt. (Im Bild: die Proben werden für den Einsatz im All vorbereitet)

Julian Raatschen, Airbus Defence and Space

Darum gehts

  • Hoch hinaus geht es für ein Experiment der Universität Zürich und dem Unternehmen Airbus.

  • Mit dem für Samstag geplanten Versorgungsflug sollen auch menschliche Gewebeproben ins All fliegen.

  • Das Ganze hat einen seriösen Hintergrund.

  • Mit der Zucht von organähnlichen Geweben in der Schwerelosigkeit soll die Entwicklung von Medikamenten verbessert und Tierversuche reduziert werden.

  • Auch bei Organschäden könne das Gewebe helfen.

Die Universität Zürich und das Unternehmen Airbus wollen auf der Internationalen Raumstation ISS die Produktion von menschlichem Gewebe verbessern. Das Experiment zur Herstellung von organähnlichem Gewebe in der Schwerelosigkeit solle mit dem für Samstag geplanten nächsten Versorgungsflug ins All gebracht werden, teilten Airbus Defence and Space in Friedrichshafen und die Universität Zürich mit.

Erste Tests zur Vorbereitung waren demnach im März 2020 erfolgreich verlaufen. Mit der Zucht von organähnlichen Geweben in der Schwerelosigkeit, sogenannten Organoiden (siehe Box), wollen die Forscher der Universität Zürich die Entwicklung von Medikamenten verbessern und Tierversuche reduzieren. Auch bei Organschäden könne das Gewebe helfen.

Projekt «3D Organoids in Space»

Das Projekt «3D Organoids in Space» (zu deutsch: 3D-Organoide im Weltraum) startete im Jahr 2018. Die Teams des UZH Space Hubs und der Airbus Defence and Space GmbH reichten ihren Vorschlag in einem Airbus internen Innovations- und Ideenwettbewerb ein, um eine Grundfinanzierung zu bekommen und erste Forschungsarbeiten zu starten. Dort konnte sich das Projekt erfolgreich gegen rund 500 andere Ideen durchsetzen. Im Rahmen des Projekts starteten auch schon Parabelflüge vom Flugplatz Dübendorf. Dabei handelt es sich um Flugmanöver mit speziellen Flugzeugen, bei denen während Sturzflügen für wenige Sekunden Schwerelosigkeit herrscht.

Warum ins All?

Auf der Erde sei die Zucht von Organoiden wegen der Schwerkraft ohne Stützskelette nicht möglich. «Wir zeigen als erste, dass der Weg zur Produktion im All machbar ist, nicht in der Theorie, sondern in der Praxis», sagte Oliver Ullrich, Professor für Anatomie an der Universität Zürich. Bei ersten vorbereitenden Tests auf der ISS hatten sich den Angaben zufolge aus menschlichen Stammzellen binnen eines Monats organähnliche Leber-, Knochen- und Knorpel-Strukturen entwickelt. Für das nächste Experiment würden Gewebestammzellen von zwei Frauen und zwei Männern unterschiedlichen Alters ins All geschickt, die Proben sollen Anfang Oktober zurückkommen.

«Wir zeigen als erste, dass der Weg zur Produktion im All machbar ist, nicht in der Theorie, sondern in der Praxis.»

Oliver Ullrich, Professor für Anatomie an der Universität Zürich und Leiter des Projekts «3D Organoids in Space»

Erste Ergebnisse seien ab November zu erwarten. «Aktuell liegt der Fokus auf produktionstechnischen Fragen und der Qualitätskontrolle», sagte Ullrich. Im Hinblick auf die anvisierte Kommerzialisierung sei noch herauszufinden, «wie lange und in welcher Qualität wir die im All gezüchteten Organoide nach der Rückkehr zur Erde in Kultur halten können».

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(DPA/fee)

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