Extreme Trockenheit: Zürcher Gemeinden geht das Trinkwasser aus
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Extreme TrockenheitZürcher Gemeinden geht das Trinkwasser aus

Zürcher Gemeinden rufen ihre Bürger zum Wassersparen auf. So wurde in Schlatt ZH bereits der Notstand ausgerufen, bald müssen Tanklaster Trinkwasser bringen.

von
som
In einem Grossteil der Gemeinde Schlatt ist derzeit das Trinkwasser knapp.

In einem Grossteil der Gemeinde Schlatt ist derzeit das Trinkwasser knapp.

Ein Vollbad nehmen, ausgiebig duschen oder das Auto waschen: Das sollte man in Schlatt bei Winterthur derzeit nicht tun. Der Gemeinderat ruft zum Wassersparen auf. «Notstand beim Trinkwasser», heisst es auf einem Flugblatt, das letzte Woche in alle Haushalte verteilt wurde. Denn wegen der extremen Trockenheit seit dem Sommer versiegen die Quellen, die ein Grossteil des Dorfes versorgen.

«Zurzeit können wir den Tagesbedarf an Trinkwasser nur noch ganz knapp decken», sagt Sicherheit- und Landwirtschaftsvorsteher Karl Müller zu 20 Minuten. Weil auch für die nächsten Tage kein Regen in Sicht ist, wird aber auch das bald nicht mehr möglich sein: «Wir haben bereits Tanklaster bestellt, die uns Wasser liefern.» Eine weitere Möglichkeit sei, die Versorgung stundenweise oder nachts einzuschränken. Dann könne es sein, dass zeitweise gar kein Wasser aus dem Hahn komme. «Wir setzen aber alles daran, dass dies nicht passiert», so Gemeinderat Müller.

Sogar im Hitzesommer 2003 hat es gereicht

Trotzdem bereitet Müller die Situation grosse Sorgen: «Zwar war das Wasser im Hitzesommer bereits knapp, doch es hat immer gereicht.» Auch weil damals fast 130 Einwohner weniger in der 754-Seelen-Gemeine lebten. Ein weiteres Problem ist, dass das Dorf lediglich über die sieben Quellen Wasser bezieht, wie Müller sagt: «Wir können nicht woanders Grundwasser anzapfen, weil wir zu abgelegen und zu hoch oben sind.» Man werde aber in Zukunft mit der Wasser-Genossenschaft Waltenstein zusammenarbeiten, die gleich neben Schlatt liegt: «Sie kann uns in Zukunft bei Engpässen aushelfen.»

Schlatt gehört laut dem Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) zu den wenigen Gemeinden im Kanton, die noch kein zweites Standbein bei der Wasserversorgung haben. Ein solches wäre eigentlich vorgeschrieben, doch der Kanton macht nicht überall gleich viel Druck, wie Awel-Mitarbeiterin Nicole Guntli zum «Landboten» sagt: «Wir priorisieren die Fälle.» Je mehr Menschen betroffen seien, desto schneller müssten die Schwachstellen behoben werden. Gerade für kleinere Gemeinden könnten die Investitionskosten sehr hoch ausfallen.

Auch in Wildberg versiegen die Quellen

Für Guntli ist die gegenwärtige Trockenheit in Schlatt sehr aussergewöhnlich. Wann zuletzt Tanklaster eine Trinkwasser-Notversorgung sicherstellen mussten, ist nicht bekannt. Allerdings versiegen derzeit nicht nur in Schlatt sondern auch in Wildberg die Quellen. Immerhin konnte die Gemeinde Wasser aus dem Tösstal zukaufen, aber einige Häuser sind nicht an die Wasserversorgung angeschlossen. Laut der Zeitung wurde deshalb ein Haushalt provisorisch an einen Hydranten angeschlossen.

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