Ex-Frau beinahe erwürgt: Zürcher Gericht glaubt nicht an den Teufel
Aktualisiert

Ex-Frau beinahe erwürgtZürcher Gericht glaubt nicht an den Teufel

Ein westafrikanischer Bauarbeiter aus Effretikon hat nicht nur zwei Mal seine Frau vergewaltigt, sondern hat sie auch beinahe erwürgt. Der Mann machte Schwarze Magie geltend - ohne Erfolg.

von
Attila Szenogrady

Der heute 37-jährige Angeklagte sitzt seit der Nacht auf den 29. Januar 2009 im Gefängnis. Der Hilfsarbeiter aus Guinea ging damals in einer Wohnung in Effretikon plötzlich auf seine Schweizer Ex-Frau los. Der Angreifer setzte dabei ein Rüstmesser ein und rammte dieses der körperlich unterlegenen Geschädigten in den rechten Oberschenkel. Ein zweiter Stich in Richtung Bauch misslang, da die Klinge aus dem Schaft fiel.

Ex-Frau beinahe erwürgt

Dann packte der Angeklagte seine frühere Lebenspartnerin am Hals und würgte sie so massiv, dass sie das Bewusstsein verlor. Kaum war sie wieder erwacht, richtete er erneut das Messer gegen sie und schlug ihren Hinterkopf sechs Mal gegen den Boden. Alles unter den Augen des gemeinsamen siebenjährigen Sohnes, der um das Leben seiner Mutter fürchten musste. Glücklicherweise konnte die Mittdreissigerin trotz ihren erheblichen Verletzungen nach draussen fliehen und die Polizei alarmieren.

Vom Teufel geritten

«Ich wurde damals vom Teufel geritten», gab der Angeklagte am Montag vor Obergericht zum unerklärlichen Tatmotiv an. Bereits am ersten Prozess vor dem Bezirksgericht Pfäffikon hatte der Afrikaner Schwarze Magie als Tatmotiv angegeben. So sei er zwei Wochen vor dem Vorfall am Hauptbahnhof Zürich von einer ihm unbekannten Person verzaubert worden. Seither sei er nicht mehr normal gewesen, sagte er aus.

Die Geschädigte benannte bei der Polizei andere Gründe für den Ausraster: Sie und ihr Ex-Mann hätten sich wegen ausstehenden Geldbeträgen für das gemeinsame Kind gestritten, sagte sie aus. Zudem lastete sie ihm zwei Vergewaltigungen während der Ehe an. So habe er sie bei beiden Übergriffen gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gezwungen.

Vergewaltigungen vergeblich bestritten

Das Bezirksgericht Pfäffikon verurteilte den Angeklagten wegen Gefährdung des Lebens sowie Körperverletzung und mehrfacher Vergewaltigung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren.

Wonach der teilgeständige Angeschuldigte in die Berufung ging und die Sexualdelikte auch vor Obergericht in Abrede stellte. Er sprach von einer Racheaktion seiner Ex-Partnerin. Auch die Verteidigung, die infolge eines Teilfreispruchs eine deutliche Strafsenkung auf noch zwei Jahre bedingt verlangte. Im Gegensatz zur Staatsanwältin, die eine Straferhöhung auf fünf Jahre forderte.

Das Obergericht folgte umfassend dem Urteil von Pfäffikon und stufte die Belastungen der Geschädigten als glaubhaft sowie nicht übertrieben ein. Für eine Racheaktion gebe es keine Anhaltspunkte, erklärte der Vorsitzende Franz Bollinger und fügte hinzu, dass dem Angeklagten aus der Sicht der Geschädigten wegen der zugegegeben Haupttat vom Januar 2009 ohnehin eine hohe Strafe gedroht habe. Eine affektive Belastung vor der Tat liessen die Oberrichter nur minim strafmindernd gelten. Damit blieb es bei den viereinhalb Jahren Freiheitsentzug. 809 Tage der Strafe hat der Mann bereits verbüsst.

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