Street-Art: Zürcher Graffiti-Künstler verschönern Tschernobyl
Aktualisiert

Street-ArtZürcher Graffiti-Künstler verschönern Tschernobyl

Drei Graffiti des Street-Art-Kollektivs Bane und Pest prangen seit kurzem an Wänden der kontaminierten Stadt Prypiat. Sie entstanden während einer abenteuerlichen Reise.

von
ced
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Künstler Pest in Aktion.

Künstler Pest in Aktion.

Die Graffiti sind den zurückkehrenden Wildtieren gewidmet.

Die Graffiti sind den zurückkehrenden Wildtieren gewidmet.

zvg
Die Inspiration dazu liess nicht lange auf sich warten.

Die Inspiration dazu liess nicht lange auf sich warten.

zvg

Die Geisterstadt Prypiat ist alles andere als eine übliche Reisedestination: Rund drei Kilometer neben dem AKW gelegen wurde sie beim Gau von Tschernobyl im Jahr 1986 radioaktiv verseucht und musste vollständig evakuiert werden.

Dem Street-Art-Kollektiv Bane und Pest liegen jedoch Orte fernab von Touristenmassen: Rund um die Welt haben die beiden Künstler aus Thalwil ZH laut «Zürichsee-Zeitung» bereits sozialkritische Graffiti hinterlassen – da darf natürlich eine Gegend wie Tschernobyl nicht fehlen. Deshalb machten sich Fabian Florin alias Bane und Yiannis Hadjipanayis alias Pest auf in die Ukraine.

Mit 50 Kilo Dosen über die Grenze

«Crazy» bezeichne die Reise wohl am besten, sagt Florin zu 20 Minuten. Das Wort treffe nur schon auf die Planung zu: Über ein halbes Jahr habe es gedauert, bis alle Bewilligungen da waren – fast alle. Denn auf jene für den Import von Spraydosen warteten Bane und Pest vergeblich. Die Lösung: Sie flogen nach Budapest im Nachbarstaat Ungarn, organisierten ein Auto und schmuggelten die Dosen mit einem Gesamtgewicht von rund 50 Kilogramm über die ukrainische Grenze.

In der Sperrzone angekommen, habe sich ihnen eine völlig neue Welt offenbart. «Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich zuletzt eine solche Stille erlebt hatte – und das mitten in einer Stadt», so Florin. Auch fürs Auge habe der Ort einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Florin: «In der Turnhalle wuchsen Bäume, der Fussballplatz war ein Wald.»

Künstler aus Zürich sprayen in Tschernobyl

Drei Graffitis des Street-Art-Kollektivs Bane und Pest prangen seit Kurzem an Wänden der kontaminierten Stadt Prypiat. Sie entstanden während einer abenteuerlichen Reise.

Der Trailer zur Reise-Doku. (Produktion: Pixel Love)

Chillen mit Fuchs

Die Kraft der Natur war es dann auch, die Bane und Pest inspirierte. Sie widmeten ihre Graffiti den Wildtieren, die sich die Stadt nach und nach zurückerobern. Florin: «Wir chillten beispielsweise mit einem Fuchs, der eine Zeit lang bei uns sass und uns beobachtete. Das war ein magischer Moment.»

Sieben Tage lang verbrachten die Künstler in der Sperrzone und mussten stets auf ihren Geigerzähler achten, um stark verseuchte Gebiete zu erkennen. «Mir wurde schon etwas mulmig, als das Gerät in der Nähe des Reaktors Knackgeräusche von sich gab», so Florin. Beachte man jedoch die Sicherheitsregeln, habe man nichts zu befürchten.

Die Dokumentation «Recover – Streetart in Chernobyl» wird am 18. März im Laden Dosendealer in Zürich-Seebach vorgestellt.

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