Fall Bösch: Zürcher hatten vor SVP-Blaufahrerin gewarnt
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Fall BöschZürcher hatten vor SVP-Blaufahrerin gewarnt

Mit dem Facebook-Post über eine Polizeikontrolle stösst Blaufahrerin Sarah Bösch unter SVP-Kollegen auf Kritik. Doch: Die Zürcher Sektion hatte bereits vor der Lokalpolitikerin gewarnt.

von
vro
Die Zürcher SVP warnte die Kollegen in Wil «ausdrücklich» vor Sarah Bösch.

Die Zürcher SVP warnte die Kollegen in Wil «ausdrücklich» vor Sarah Bösch.

«Ein Eigentor» und «nicht sonderlich intelligent» sei Sarah Böschs Aktion auf Facebook gewesen, sagt Bruno Dudli, Präsident der SVP-Kreispartei Wil. Die 33-Jährige scheint sich in der Politik nicht viele Freunde gemacht zu haben. Mit ihrem Internetpost, in dem sie sich über eine Polizeikontrolle ärgerte, bei der sie angetrunken am Steuer erwischt wurde, löste sie in der SVP Wil eine rege Diskussion aus.

Bösch war zuvor bereits in der SVP Kilchberg vertreten. Doch die Zürcher warfen sie bald wieder raus. Über die Gründe wollte bisher niemand sprechen. Mit ihrer Ungeduld habe sie angeeckt, schreibt der «Tages-Anzeiger». Bei der Kandidatur für die Schulkommission zog sie 2011 den Kürzeren.

Vertrauen verloren

Auch wurde sie weder in den Gemeinde- noch in den Kantonsrat gewählt. In letzterem Fall lehnte die Parteileitung der Zürcher SVP 2013 ihren Mitgliedschaftsantrag ab. «Dieser kam wegen gewisser Unregelmässigkeiten nicht infrage», sagt Parteisekretär Reinhard Wegelin zur Zeitung. «Wir hatten das Vertrauen in sie verloren.» Auch hier wird über die genauen Gründe geschwiegen.

Doch Bösch gab nicht auf. Da sie aus privaten Gründen nach St. Gallen gezogen war, bewarb sie sich auch in Wil um eine Aufnahme. Die Zürcher SVP habe die Verantwortlichen dort «ausdrücklich vor einer Aufnahme von Sarah Bösch in die Partei gewarnt», sagt Wegelin.

«Thema ist noch nicht gegessen»

Doch diese Warnungen wurden offenkundig ignoriert. Nachdem sie sich erfolglos für eine Nationalratskandidatur beworben hatte, zog sie nach Wil und wurde Mitglied im Stadtparlament. Nach ihrer Trunkenfahrt sicherte ihr der Wiler SVP-Fraktionschef Mario Schmitt seine Unterstützung zu. Ganz vom Tisch ist die Sache jedoch nicht. Am Montag wolle man den Fall noch einmal kurz besprechen, sagte Schmitt zu 20 Minuten. Und auch die Wiler Kreispartei, in der nach dem Facebook-Eintrag kritische Stimmen laut wurden, will den Vorfall demnächst in einer Sitzung besprechen, wie Präsident Bruno Dudle sagte. Für ihn ist klar: «Das Thema ist für uns noch nicht gegessen.» Im Vorstand der Wiler Kreispartei habe Bösch keinen Rückhalt.

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