Offener Rücken: Zürcher Hilfe für Babys mit schwerer Fehlbildung

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Offener RückenZürcher Hilfe für Babys mit schwerer Fehlbildung

Chirurgen operieren in Zürich Babys mit offenem Rücken schon im Mutterleib. Mit Erfolg, wie langjährige Beobachtungen der Kinder zeigen.

von
Santina Russo

Kinder, die mit einem offenen Rücken – einer angeborenen Fehlbildung von Wirbelsäule und Rückenmark – zur Welt kommen, sind stark beeinträchtigt. Sie haben gelähmte Beine und sind deshalb meist auf den Rollstuhl angewiesen. Häufig leiden sie zudem unter weiteren körperlichen und manchmal auch geistigen Behinderungen. Diese entstehen dadurch, dass während der Schwangerschaft Rückenmark freiliegt und dadurch geschädigt wird (siehe Grafik). «Betroffen ist in der Schweiz etwa eines von zweitausend Neugeborenen», sagt Ueli Möhrlen, leitender Arzt am Kinderspital Zürich.

Um den Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen, operiert ein Zürcher Team die Fehlbildung bereits im Mutterleib. Die Eingriffe führen Spezialisten des Kinderspitals und des Unispitals Zürich seit 2010 durch. Dafür reisen mittlerweile werdende Eltern aus ganz Europa nach Zürich. Denn die Behandlung verbessert das spätere Leben der Kinder entscheidend, wie die neuste Bilanz der Zürcher Spezialisten zeigt. Sie begleiten die Kinder nach der Geburt noch jahrelang, um auch langfristige Effekte zu beobachten.

Und diese sind positiv: Die bisher 30 vorgeburtlich operierten Kinder hatten nur halb so oft einen sogenannten Wasserkopf, waren weniger stark gelähmt und entwickelten sich geistig besser als andere betroffene Kinder. «In einigen Fällen können sie später sogar normal laufen», sagt Kinderchirurg Möhrlen. Eine vollständige Heilung bringt die vorgeburtliche Operation aber nicht, sagt Möhrlen. «Schäden, die vor dem Eingriff entstanden sind, konnten wir bisher nicht rückgängig machen.»

«Wissen»

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