Zürcher Kirche zeigt Sado-Maso-Film
Aktualisiert

Zürcher Kirche zeigt Sado-Maso-Film

Die Kirche St. Jakob am Zürcher Stauffacher-Platz zeigt am Sonntag einen Skandalfilm mit Vergewaltigungs-, Folter- und Mordszenen – ohne Altersbeschränkung. Im Laden gibts den Film erst ab 18 Jahren.

In «Salò oder Die 120 Tage von Sodom» werden Menschen in perversen Orgien zu Tode gequält, aufgehängt und gleichzeitig vergewaltigt, nackt an Hundeleinen geführt und dazu gezwungen, Kot zu essen. Der Skandalfilm des bekennenden Atheisten Pier Paolo Pasolini wurde in vielen Ländern verboten – aber ausgerechnet in der Zürcher Kirche St.Jakob beim Stauffacher, in der das Kino Xenix seit sieben Wochen ein Gastspiel hat, wird das umstrittene Werk am kommenden Sonntag um 17.15 Uhr gezeigt.

Eine Altersbeschränkung gibt es nicht: «Das haben wir beim Kino Xenix nie», sagt Programmleiter René Moser. «Dies wäre sowieso ein Witz, da im Zeitalter der DVDs jeder den Film im Laden holen kann.» Ganz so einfach ist das nicht – der Schocker ist in den Videotheken erst ab 18 Jahren erhältlich: «Wir verlangen immer einen Ausweis. Da kommen Szenen vor, die wirklich nicht für Jugendliche geeignet sind», sagt Antje Kahn vom Filmverleih Les Videos. Pfarrer Anselm Burr hat da keine Skrupel. «Wir haben mehrere Filme von Pasolini gezeigt, da gehört dieser eben auch dazu.» Und schliesslich finde nach der Vorführung noch eine Diskussion statt.

Alexandra Roder

Von Dante über de Sade zum Faschismus

Pasolinis «Die 120 Tage von Sodom», eines der umstrittensten Werke der Filmgeschichte, beruht auf Motiven, die aus dem gleichnamigen Roman des Marquis de Sade herrühren. Die Filmhandlung spielt allerdings in der so genannten «Republik von Salò», dem letzten Rückzugsgebiet des faschistischen Italien gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Dramaturgie lehnt sich mit den drei Höllenkreisen («der Leidenschaften, der Scheisse und des Blutes») an die «Divina Commedia» des italienischen Dichters Dante Alighieri an, in welcher der Dichter neun Höllenkreise durchwandert.

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