Aktualisiert 12.07.2015 17:23

Zu hohe Miete?Zürcher Milieu-Lokal Sonne macht dicht

Die Sonne ist eines der bekanntesten Lokale im Zürcher Rotlichtmilieu. Seit Freitag stehen Gäste und Prostituierte vor verschlossenen Türen.

von
lüs/ann
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Das Restaurant Sonne im Zürcher Rotlichtmilieu ist seit dem 10. Juli 2015 geschlossen.

Das Restaurant Sonne im Zürcher Rotlichtmilieu ist seit dem 10. Juli 2015 geschlossen.

20 Minuten/Marco Lüssi
Wer das Lokal  betreten wollte, stand vor verschlossenen Türen.

Wer das Lokal betreten wollte, stand vor verschlossenen Türen.

20 Minuten/Marco Lüssi
Über die Gründe wird auch an der Eingangstür nicht informiert - der weisse Zettel am linken Türflügel war schon vorher da: «Tür freilassen», steht dort.  Das Plakat rechts zeigt, dass bis am 15. Juli die Live-Band «Starbeats» im Lokal hätte auftreten sollen.

Über die Gründe wird auch an der Eingangstür nicht informiert - der weisse Zettel am linken Türflügel war schon vorher da: «Tür freilassen», steht dort. Das Plakat rechts zeigt, dass bis am 15. Juli die Live-Band «Starbeats» im Lokal hätte auftreten sollen.

20 Minuten/Marco Lüssi

Die Sonne an der Hohlstrasse ist ein fester Bestandteil des «Bermuda-Dreiecks», wie das Herz des Rotlichtmilieus im Zürcher Kreis 4 bezeichnet wird. Das Lokal ist für seine leckeren Thai-Gerichte bekannt, zudem ist es ein Ort, an dem Männer und Prostituierte anbandeln und etwas trinken, bevor sie gemeinsam in ein Zimmer in der Umgebung verschwinden. Gleich neben der Sonne befindet sich das Chilli's, das 2013 im Zentrum der Affäre um angeblich korrupte Zürcher Sittenpolizisten stand.

Jeden Tag öffnet die Sonne um 11 Uhr und schliesst erst in den frühen Morgenstunden. Doch am Freitag war das Lokal geschlossen. Über die Gründe werden die Gäste, die nun vor verriegelter Tür stehen, im Dunkeln gelassen. Noch hängt an der Tür ein Plakat, das darauf aufmerksam macht, dass die Starbeats, eine asiatische Frauen-Live-Band, bis zum 15. Juli im Lokal gastiere. Prostituierte aus Lateinamerika und Afrika, die das Lokal betreten wollten, stehen ratlos und verloren im Freien herum. Fragt man sie, ob sie etwas über die Gründe für die Schliessung wüssten, winken sie ab. Bei der Stadtpolizei heisst es, dass das Konkursamt in Begleitung einer Polizeipatrouille das Lokal geschlossen hat.

«Die ‹Sonne› ist ein Stück Zürich»

Der Zürcher Milieu-Anwalt Valentin Landmann sagt zu 20 Minuten, er vermute, dass der hohe Mietzins für das Lokal dem Pächter das Genick gebrochen habe. Über 50'000 Franken soll der Vermieter, eine Immobilienfirma, dem Vernehmen nach vom Wirt der Sonne verlangt haben. «Insofern wäre es nicht überraschend, wenn das Lokal, das seinen Gästen anständige Essens- und Getränkepreise bot, schwere Probleme bekommen hätte», sagt Landmann.

Die Schliessung bedauert Landmann sehr: «Die Sonne ist ein Stück Zürich, das ist ein grosser Verlust.» Er hoffe, dass das Lokal bald wieder eröffnet und wieder in einem ähnlichen Stil betrieben werde. «Das schlimmste wäre, wenn irgendeine Restaurantkette das Lokal übernehmen würde. Hier sollte es weiter ein typisches Kreis-4-Lokal geben.» Bis 2013 hatten in den rund 80 Wohnungen im Gebäude gleich neben der Sonne Prostituierte gewohnt. Dann bekamen sie die Kündigung – und «normale» Mieter zogen ins renovierte Haus.

Einst das Lokal des Milieu-Königs

Betreiber der Sonne ist Alain Pasche. Er hatte das Lokal gemeinsam mit seinem Halbbruder Albert Mosberger geführt, bis dieser im November 2005 auf offener Strasse erstochen worden war. Pasche und Mosberger übernahmen das Lokal von Hans Peter Brunner. Brunner galt als der Zürcher Milieu-König. Er beging im Mai 2005 Suizid – am gleichen Tag, an dem er sich wegen Vermögensdelikten hätte vor Gericht verantworten müssen. Pasche war für 20 Minuten nicht zu erreichen.

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