Aktualisiert 03.02.2020 14:18

Hohe Durchfallquote

Zürcher Polizeibewerber haben Mühe mit Deutsch

In Zürich scheitert jeder zweite Polizeibewerber am Deutschtest. Mit speziellen Sprachkursen will man dem entgegenwirken.

von
mon
1 / 8
Laut dem «Tages-Anzeiger» versagt jeder zweite Bewerber für die Polizistenausbildung beim Deutschtest.

Laut dem «Tages-Anzeiger» versagt jeder zweite Bewerber für die Polizistenausbildung beim Deutschtest.

Stapo Winterthur
So wählt die Stadtpolizei Zürich nur etwa einen von acht Bewerbern aus.

So wählt die Stadtpolizei Zürich nur etwa einen von acht Bewerbern aus.

Keystone/Walter Bieri
Bei der Kantonspolizei schafft es lediglich jeder zehnte Bewerber.

Bei der Kantonspolizei schafft es lediglich jeder zehnte Bewerber.

Keystone/Walter Bieri

Wer Polizist werden will, muss nicht nur körperlich fit, sondern auch schlau sein. Das zeigt ein Auswahlverfahren bei den Zürcher Polizeien. Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, wählt die Stadtpolizei Zürich nur etwa einen von acht Bewerbern aus, bei der Kantonspolizei schafft es lediglich jeder zehnte Bewerber und in Winterthur sogar bloss jeder zwölfte. Der Grund dafür ist nicht der Sporttest, sondern das Fach Deutsch. So scheiterte bei der Kantonspolizei mehr als die Hälfte der Bewerber an der Sprache, in Winterthur sogar zwei Drittel.

Dabei muss ein Polizist nicht unbedingt ein Deutschprofi sein, jedoch muss er trotzdem einigermassen fehlerfrei schreiben können. Der Grund: Alles polizeiliche Handeln muss notiert werden. So werden die Rapporte, Berichte und Einvernahmen an die Staatsanwaltschaft und ans Gericht geschickt. «Eine präzise und fehlerfreie Ausdrucksweise ist deshalb unabdingbar», sagt Kapo-Sprecherin Rebecca Tilen zum «Tages-Anzeiger».

«Gefühl für die Sprache»

Laut Marco Cortesi, Medienchef bei der Stadtpolizei Zürich, hinterlässt ein fünfseitiger Bericht, der mehr als zehn Fehler hat, einen schlechten Eindruck. «Ausdrucksfähigkeit ist eine grundlegende Kompetenz für Polizisten», so Cortesi. Das findet auch Adrian Feubli von der Stadtpolizei Winterthur. Vor allem bei anspruchsvollen Schreibarbeiten, etwa der Protokollierung einer Einvernahme, brauche es ein «Gefühl für die Sprache». Dazu sagt er: «Rapporte müssen unmissverständlich formuliert sein. Was sagt der Polizist in eigenen Worten und stellt das so als Fakt dar? Was sagt eine Auskunftsperson? ­Dafür muss man den Konjunktiv beherrschen», so Feubli.

Sprachschulen bieten in der Zwischenzeit Deutschkurse speziell für Polizeibewerber an. Dabei eignet sich der Nachwuchs in kleinen Gruppen, Video-Tutorials oder im Einzelunterricht Grammatikregeln sowie Gross- und Kleinschreibung an. Zudem üben die Bewerber den Konjunktiv und Passiv. Auch der ehemalige Beamte der Stadtpolizei Zürich, Markus Senn, bietet seit ein paar Jahren einen Onlinekurs an. Auch er bestätigt, dass seine Schüler es nicht so mit der Rechtschreibung hätten. So werde unter anderem «war »mit «wahr»­ verwechselt oder anstelle von «Kommissar» wird «Komisar»geschrieben.

Auf der Website der Zürcher Polizeischule besteht die Möglichkeit, anhand eines kurzen Deutschtests herauszufinden, ob man es überhaupt mit der Bewerbung versuchen soll und wie viele Stunden pro Woche man brauchen würde, um sein Deutsch zu verbessern.

Fehler gefunden?Jetzt melden.