Aktualisiert 21.03.2019 19:09

Bedingte Geldstrafe

Zürcher Polizist liess sich bestechen

Ein Zürcher Stadtpolizist steht vor Gericht. Er hat sich bestechen lassen und das Amtsgeheimnis verletzt, so das Urteil des Obergerichts.

von
tam
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Ins Visier der Justiz geriet der Zürcher Sittenpolizist im Rahmen der sogenannten «Chilli's-Affäre». Im November 2013 kam es zur Razzia im gleichnamigen Zürcher Sex-Club.

Ins Visier der Justiz geriet der Zürcher Sittenpolizist im Rahmen der sogenannten «Chilli's-Affäre». Im November 2013 kam es zur Razzia im gleichnamigen Zürcher Sex-Club.

Keystone
In diesem Zusammenhang wurden fünf Stadtpolizisten der Fachgruppe Milieu und Sexualdelikte verhaftet – darunter der Beschuldigte.

In diesem Zusammenhang wurden fünf Stadtpolizisten der Fachgruppe Milieu und Sexualdelikte verhaftet – darunter der Beschuldigte.

Keystone
Das Bezirksgericht Zürich verurteilte den Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe von 19'200 Franken wegen mehrfacher Verletzung des Amtsgeheimnisses und passiver Bestechung.

Das Bezirksgericht Zürich verurteilte den Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe von 19'200 Franken wegen mehrfacher Verletzung des Amtsgeheimnisses und passiver Bestechung.

Keystone

Das Schlusswort des beschuldigten Stadtpolizisten vor Obergericht war stark: «Ich bin kein korrupter Polizist und war es auch nie gewesen. Unter keinen Umständen hätte ich meinen Job für Sex aufs Spiel gesetzt.» Die Richter hatten rund zwei Wochen Zeit, um das Urteil im Prozess gegen den ehemaligen leitenden Angestellten der Abteilung Milieu- und Sexualdelikte der Stadtpolizei Zürich zu fällen. Wie aus dem am Donnerstag eröffneten Urteil hervorgeht, glauben ihm die Richter nur zum Teil.

Der Polizist wird wegen des sich bestechen Lassens und mehrfacher Verletzung des Amtsgeheimnisses zu einer bedingten Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu 120 Franken verurteilt. Damit wurde das Urteil des Bezirksgerichts Zürich von 2017 bestätigt. Dass Urteil des Obergerichts ist noch nicht rechtskräftig. Unklar ist deshalb auch, ob der Polizist, der heute in einer anderen Abteilung Dienst tut, nun seine Stelle verlieren wird. Bei der Stadtpolizei heisst es, dass man zuerst die Begründung abwarte und das Urteil dann vertieft prüfen werde.

«Sie sind kein korrupter Polizist»

Aufgeflogen ist der Polizist im Rahmen der Ermittlungen gegen das Milieulokal Chilli's 2013. Einer Frau hatte er eine Handynummer aus der Polizeidatenbank herausgegeben und im Gegenzug eine sexuelle Zuwendung eingefordert. Von anderen Vorwürfen wurde der Polizist freigesprochen – unter anderem Amtsmissbrauch und Pornografie.

Der vorsitzende Richter wandte sich am Schluss an den Polizisten: Er sei sicher kein korrupter Polizist, wie das zu Beginn der Chilli's-Affäre angenommen worden sei. Hoffentlich könne er weiterhin Dienst bei der Polizei tun, so der Richter. Der Polizist fürchtet um seinen Job, wenn das Urteil rechtskräftig wird. Zudem kritisierte das Gericht das über 120-seitige Plädoyer der Verteidigerin als unstrukturiert und weitschweifend.

Gar nicht einverstanden mit dem Urteil war die Verteidigerin. Sie forderte einen Freispruch und will nun das Bundesgricht anrufen. Ihre Widerworte nach der Urteilseröffnung gingen dem Richter zu weit. Er fragte sie: «Soll ich Ihnen eine Ordnungsbusse androhen?»

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