Exklusives Interview aus Pristina: Zürcher Rapper Besko wurde ausgeschafft
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Exklusives Interview aus PristinaZürcher Rapper Besko wurde ausgeschafft

Rapper Besko wurde am Freitag in den Kosovo abgeschoben. Wie es ihm geht und warum er kurz zuvor noch untergetaucht ist, erzählt Besko exklusiv im Interview.

von
Jennifer Furer

Besko erzählt im Skype-Interview von seiner Ausschaffung und wie es ihm nun im Kosovo geht. (Video: jen)

Mit gesenktem Kopf und leerem Blick schaut der 31-jährige Rapper Besko in die Kamera beim Skypen mit 20 Minuten. Er sitzt in einem Café in Pristina. Am Freitag hat er die Schweiz verlassen müssen. Grund: Diverse Delikte wie Nötigung, Diebstahl und bewaffneter Raubüberfall brockten ihm nicht nur fünf Jahre Freiheitsstrafe ein, sondern auch den Verlust der Aufenthaltsbewilligung. Es ist das erste Mal, dass der Zürcher Rapper über seine Ausschaffung in den Kosovo spricht.

«Ich muss es akzeptieren, aber verstehen werde ich es nie», sagt Besko. Vor allem könne er nicht nachvollziehen, wie seine Abschiebung verlaufen ist: Er habe gewusst, dass er nach dem Bundesgerichtsentscheid wenig Chancen habe, doch noch in der Schweiz bleiben zu dürfen. «Aber mir wurde gesagt, dass ich ein Schreiben erhalten werde, in dem sie mir sagen, wann ich ausreisen muss», sagt Besko. So hätte er noch Zeit gehabt, seine Sachen zu packen, die Wohnung abzugeben, seine Möbel zu verkaufen und sich von seinen Liebsten zu verabschieden.

Kein Schreiben erhalten

Jedoch kam alles anders: Besko erfuhr gemäss eigenen Angaben erst einen Tag vorher per Mail vom Anwalt, dass er das Land nun verlassen muss. Der Rapper entschloss sich, für eine kurze Zeit unterzutauchen, um sich wenigstens noch von seinem Sohn verabschieden zu können. Danach habe er sich bei der Polizei gemeldet. Wenig später sass er im Flieger Richtung Pristina.

Der Anwalt von Besko bestätigt, dass der Rapper kein Schreiben erhalten habe, wann er die Schweiz verlassen müsse. Dennoch sei im Entscheid des Verwaltungsgerichts festgehalten worden, dass er innerhalb von 30 Tagen nach dem Bundesgerichtsurteil aus der Schweiz ausreisen müsse. «Ich finde es aber fragwürdig, dass ihm das Migrationsamt kein Schreiben geschickt hat», sagt der Anwalt. Das sei nicht sauber und mache die ganze Situation für den Betroffenen noch unklarer.

«Entscheid ist zu hart»

Dies insbesondere, weil Besko erst einen Tag vor der Ausschaffung aus der Schweiz erfahren habe, dass er zusätzlich zur Ausschaffung auch ein Einreiseverbot in die Schweiz und in den gesamten Schengenraum auferlegt erhalte. «Ich finde es nicht in Ordnung, dass einem Vater, der so einen intensiven Kontakt zu seinem Sohn pflegt, ein generelles Einreiseverbot in die Schweiz auferlegt wird, das zudem auch noch auf den ganzen Schengenraum ausgeweitet wird», sagt der Anwalt.

Der Entscheid des Migrationsamts sei formal richtig, aber in den Augen des Anwalts zu hart. «Besko hat alles gemacht, was man von einem Straftäter erwartet, insbesondere im Hinblick auf die Resozialisierung. Und er erhielt auch eine günstige Legalprognose», sagt er.

«Ich kenne niemanden hier»

Gegen die Einreisesperre in den Schengenraum werden Besko und sein Anwalt nun vorgehen. Dennoch muss sich der Rapper vorerst mit dem Entscheid abfinden. «Ich fühle mich wie in einem schlechten Traum», sagt er. Der Kosovo sei ihm völlig fremd. «Ich kenne niemanden hier. Ich muss erst einmal schauen, wo ich schlafen kann und wie ich finanziell über die Runden komme», sagt Besko.

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