«Sinnvoll und hilfreich» - Zürcher Schule führt neutrale Geschlechtskategorie ein
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«Sinnvoll und hilfreich»Zürcher Schule führt neutrale Geschlechtskategorie ein

In einem Formular einer Zürcher Schule kann man bei der Geschlechtsangabe neu die Option «X» ankreuzen. Die LGBTQ-Community begrüsst das Weglassen der gegenderten Anrede.

von
Monira Djurdjevic
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Auf dem Einstiegsfragebogen der Schule Feld ist neu bei der Geschlechtsangabe die Option «X» aufgeführt. 

Auf dem Einstiegsfragebogen der Schule Feld ist neu bei der Geschlechtsangabe die Option «X» aufgeführt.

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Im Rahmen des Unterrichts habe man das Thema LGBTIQ besprochen, sagt Schulleiterin Nina Bucher. «Da erschien es sinnvoll, das Thema auch auf der administrativen Ebene anzuschauen.» 

Im Rahmen des Unterrichts habe man das Thema LGBTIQ besprochen, sagt Schulleiterin Nina Bucher. «Da erschien es sinnvoll, das Thema auch auf der administrativen Ebene anzuschauen.»

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Laut Janna Kraus von der Organisation Transgender Network Switzerland (TGNS) bieten immer mehr Institutionen und Firmen das Weglassen der gegenderten Anrede an.

Laut Janna Kraus von der Organisation Transgender Network Switzerland (TGNS) bieten immer mehr Institutionen und Firmen das Weglassen der gegenderten Anrede an.

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Darum gehts

  • In der Schweiz existieren nur zwei offizielle Geschlechtseinträge.

  • Laut der Organisation Transgender Network Switzerland (TGNS) bieten aber immer mehr Institutionen und Firmen das Weglassen der gegenderten Anrede an.

Wer die Sekundarschule besucht, ist noch minderjährig und darf deshalb noch nicht in allen Belangen selbst über sich entscheiden. Das übernehmen die Erziehungsberechtigten. Damit die Schule weiss, wer für eine Jugendliche oder einen Jugendlichen verantwortlich ist, gibt es ein entsprechendes Meldeformular – auch in der Schule Feld in Zürich.

Ein einzelner Buchstabe auf diesem sogenannten Einstiegsfragebogen sorgt für Gesprächsstoff. Neben den Feldern «Frau» und «Herr» gibt es auch die Option «X». Im Rahmen des Unterrichts habe man das Thema LGBTIQ besprochen, sagt Schulleiterin Nina Bucher. «Da erschien es sinnvoll, das Thema auch auf der administrativen Ebene anzuschauen.»

Formular vor zwei Monaten angepasst

Bei den Schülerinnen und Schülern sei das Thema sehr aktuell. Angepasst wurde das Formular vor etwa zwei Monaten. Die ausgefüllten Fragebogen werden laut Bucher am ersten Schultag nach den Ferien abgegeben. «Bis jetzt habe ich noch keine direkten Rückmeldungen dazu erhalten», sagt sie. Rund 170 Jugendliche besuchen die Schule Feld.

Wie Janna Kraus von der Organisation Transgender Network Switzerland (TGNS) auf Anfrage sagt, bieten immer mehr Institutionen und Firmen das Weglassen der gegenderten Anrede an. «Eine zusätzliche Variante anzubieten, ist sinnvoll und hilfreich.» Man freue sich darüber, dass es zunehmend angenommen werde. «Es hilft niemandem, wenn Personen, die weder Mann noch Frau sind, einfach irgendetwas angeben müssen, oder Leute durch die Angabe einer gegenderten Anrede eventuell zum Coming-out gezwungen werden.» Eine Verpflichtung dazu gebe es in der Schweiz aber nicht. «Es existieren ja nur zwei offizielle Geschlechtseinträge», so Kraus.

Kommission empfiehlt Einführung einer dritten Kategorie

Das Schweizer Personenstandsregister kennt nur zwei Geschlechter: weiblich und männlich. Laut der Nationalen Ethikkommission (NEK) haben intergeschlechtliche Menschen, Menschen mit nichtbinärer Geschlechtsidentität und viele Transmenschen keine Möglichkeit, einen Eintrag vornehmen zu lassen, mit dem sie sich identifizieren können. Die Anerkennung ihrer Geschlechtsidentität werde ihnen damit verwehrt. Die Kommission empfiehlt deshalb die Einführung einer dritten Kategorie. In Deutschland sind seit 2019 drei verschiedene Geschlechtseinträge möglich: Weiblich, männlich und divers. Auch verschiedene andere Staaten, unter anderem Argentinien, Australien, Dänemark, Indien, Kanada, Kolumbien, Malta, Nepal, Neuseeland und Pakistan, erkennen ein unbestimmtes Geschlecht an und sehen vor, dass im Reisepass als Geschlechtsmerkmal ein «X» eingetragen werden kann.

LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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