Kritik an Mottowoche: Zürcher Schule übt mit Kindern Geschlechtertausch

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Kritik an MottowocheZürcher Schule übt mit Kindern Geschlechtertausch

Die Mottowoche an einer Stadtzürcher Schule sorgt für Kritik. Bei der Kreisschulbehörde nimmt man Stellung dazu. 

von
Chantal Gisler
Seline Bietenhard
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Laut Gabriela Rothenfluh, Präsidentin der Kreisschulbehörde Waidberg, haben sich die Schülerinnen und Schüler im Klassenrat eine Mottowoche gewünscht. (Symbolbild)

Laut Gabriela Rothenfluh, Präsidentin der Kreisschulbehörde Waidberg, haben sich die Schülerinnen und Schüler im Klassenrat eine Mottowoche gewünscht. (Symbolbild)

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Die betroffene Schule gebe ihren Kindern immer wieder die Möglichkeit, Schulthemen gemäss Lehrplan 21 auch spielerisch zu erleben.

Die betroffene Schule gebe ihren Kindern immer wieder die Möglichkeit, Schulthemen gemäss Lehrplan 21 auch spielerisch zu erleben.

Christoph Soeder/dpa

Darum gehts

  • Eine Geschlechtertauschwoche an einer Primarschule in Zürich wird kontrovers diskutiert. 

  • Ein Kinderpsychologe erklärt, inwiefern solche Mottowochen problematisch sein können. 

In einer Primarschule in der Stadt Zürich fand letzte Woche eine Mottowoche statt. Das Thema: Geschlechtertausch. Dabei verkleideten sich an einem Tag die Mädchen als Buben und umgekehrt. Laut einer Mutter folgte an einem weiteren Tag das Motto «Tussis und coole Jungs». Für einige Eltern unverständlich. «Ich finde so etwas schwierig. Geschlechter-Stereotypen sind nicht cool», sagt eine Mutter. Auch auf Twitter ist dazu eine Diskussion entbrannt. Während einige User und Userinnen die Aktion als «rückschrittlich» bezeichnen und fordern, den Kindern zu zeigen, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, hält es ein Vater grundsätzlich für verfrüht, queere Themen bereits auf der Primarstufe zu behandeln. «Wie sollen die Kinder damit klarkommen und sich ‹normal› und ohne Druck entwickeln?», fragt er.

Laut Gabriela Rothenfluh, Präsidentin der Kreisschulbehörde Waidberg, haben sich die Schülerinnen und Schüler im Klassenrat eine Mottowoche gewünscht. Die betroffene Schule gebe ihren Kindern immer wieder die Möglichkeit, Schulthemen gemäss Lehrplan 21 auch spielerisch zu erleben. Oft werden diese Tage dann als Mottowoche betitelt. «Es war der Wunsch der Kinder, dass sie jeden Tag passend zu einem Motto verkleidet zur Schule kommen können», sagt Rothenfluh. Die verschiedenen Themen seien im Klassenrat besprochen und von den Schülern und Schülerinnen vorgeschlagen worden. Das Ganze sei freiwillig gewesen, entsprechend seien die Reaktionen der Kinder sehr positiv ausgefallen. Auch von den Eltern seien bei der Schulleitung weder Kritik noch Fragen eingegangen. 

«Pädagogisch gesehen nicht sinnvoll»

Kinderpsychologe Felix Hof bezeichnet das Motto «Tussis und coole Jungs» als problematisch: «Diese Wörter in diesem Zusammenhang zu benutzen, geht gar nicht. Pädagogisch gesehen ist es nicht sinnvoll. Damit werden Stereotype bedient, die später unter anderem zu Hänseleien führen können.» Er könne die Sorgen der Eltern nachvollziehen. Generell sei bei solchen Projekten eine gute Vorbereitung wichtig: «Es ist ein höchstsensibles Thema. Die Lehrpersonen müssen die Kinder abholen und ihnen das Thema altersgerecht erklären.» Zudem müssten die Eltern mitentscheiden dürfen, wann und wie die Kinder mit diesen Themen konfrontiert werden. «Die Erziehung liegt bei den Eltern. Es liegt nicht im Ermessen der Schule, im Alleingang darüber zu entscheiden», sagt Hof. 

Laut Beat Schwendimann vom Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer (LCH) führen viele Schulen Themenwochen durch. Das Motto Geschlechtertausch sei ihm dabei neu. Grundsätzlich gehöre das Thema «Geschlechter und Gleichstellung» zum Lehrplan 21. «Wie das Thema den Kindern dann näher gebracht wird, entscheidet jede Schule selbst», so Schwendimann. «Wenn solche Mottowochen ohne Vorbereitung und Kontext veranstaltet werden, ist das problematisch», sagt Daniel Kachel vom Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband. «Wenn das Thema aber gut eingeordnet wird und die Kinder ihre Erfahrungen beim Geschlechtertausch verarbeiten und reflektieren können, kann das auch positiv sein.»

Was hältst du von der Aktion? 

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund der Geschlechtsidentität diskriminiert? 

Hier findest du Hilfe:

Gleichstellungsgesetz.ch, Datenbank der Fälle aus Deutschschweizer Kantonen

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

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