Zürcher Stadtpolizist half Kokainmafia
Aktualisiert

Zürcher Stadtpolizist half Kokainmafia

Ein brasilianischer Drogendealer hat wegen Kokainhandels und Anstiftung eines Zürcher Stadtpolizisten eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten kassiert. Der Prozess gegen den mutmasslich fehlbaren Beamten steht noch an.

von
Attila Szenogrady

Der heute 32-jährige Brasilianer wurde im letzten Sommer von der Zürcher Polizei festgenommen und sass danach bis kurz vor Weihnachten in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen gegen den früheren Apothekenangestellten brachten einiges ans Licht. So kam heraus, dass der dreifache Familienvater in Zürich rund zwei Jahre lang illegal der Prostitution nachgegangen war.

Drogengeschäfte mit einem Polizeibeamten

Zudem betätigte sich der offensichtlich bisexuelle Angeklagte als Mitglied der brasilianischen Kokainmafia. Laut Staatsanwaltschaft wurde er dabei ausgerechnet von einem Angehörigen der Stadtpolizei Zürich tatkräftig unterstützt. Bereits im Januar 2007 besorgte der Polizeibeamte für den Brasilianer widerrechtlich amtliche Informationen aus dem Polizeicomputer. Der Angeklagte hatte sich nach dem Verbleib von zwei vermissten Kokainlieferanten am Flughafen Kloten erkundigt. Worauf ihm der Polizeibeamte mitteilte, dass die Kuriere von der Polizei festgenommen worden seien. Zudem habe es sich beim sichergestellten Kokain um Ware von sehr schlechter Qualität gehandelt.

Laut Anklage trat der Polizeibeamte aber auch als aktiver Vermittler von Kokaingeschäften auf. So soll er für den Brasilianer den Kontakt zu einem berüchtigten kosovarischen Drogenverkäufer ermöglicht haben. Worauf der Südamerikaner diesem rund 60 Gramm Kokain abkaufte.

In Abwesenheit verurteilt

Das Bezirksgericht Zürich hat nun den bereits nach Übersee ausgewiesenen Brasilianer nach 150 Tagen Haft wegen diversen Drogendelikten – so hat er in Zürich an zahlreiche Personen Kokain verkauft -, Anstiftung zur Verletzung des Amtsgeheimnisses sowie mehrfachen Vergehens gegen das Ausländergesetz zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten sowie zu einer Busse von 300 Franken verurteilt.

Der mitbeschuldigte Polizeibeamte soll inzwischen den Dienst quittiert haben. Sein Strafprozess steht noch an. Wegen des Vorentscheides gegen den Brasilianer muss er mindestens mit einem Schuldspruch wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses rechnen.

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