Aktualisiert 04.02.2004 15:05

Zürcher Stadtrat ebnet Weg für Kino-Wiedergeburt

Der Zürcher Stadtrat will das Wiederaufleben eines traditionsreichen Kinos im Seefeld-Quartier ermöglichen: Er hat den Schutzumfang für die Liegenschaft des leerstehenden «Razzia» so geändert, dass ein privates Vorhaben realisiert werden kann.

Von der Stadt aus stehe dem Projekt nichts mehr im Weg, sagte Hochbauvorsteherin Kathrin Martelli. Noch offen sind die Rekurse einer Gruppe von Anwohnern. Diese befürchtet Mehrverkehr in dem in den letzten Jahren ruhig gewordenen Quartier. Als Vermittler zwischen Initianten und Anwohnern fungieren alt Stadtpräsident Josef Estermann und der Unternehmer Michel Favre.

Die Otto e mezzo AG plant, das Kino - ursprünglich Kinematographie-Theater Seefeld, später «Kino 8» beziehungsweise «Razzia» - wieder in Betrieb zu nehmen, unter dem Namen «Otto e mezzo». Der Kinosaal soll aber auch für weitere Veranstaltungen genutzt werden können. Je nach Bestuhlung gibt es laut Johannes Boesiger von der Otto e mezzo AG Sitzplätze für 125 bis 250 Personen.

Geplant ist ein zweiter Saal im Untergeschoss, ferner ein zweigeschossiges Restaurant und ein Hotel. Miteinbezogen in das Projekt ist auch die unter Schutz stehende «Villa zur Mainau».

Schandfleck im Quartier

Heute sei das seit Jahren leer stehende, baufällige Kino an der Seefeldstrasse 82 ein Schandfleck im Quartier, sagte Stadträtin Martelli. Sie freue sich, dass dem geschichtsträchtigen Gebäude wieder neues Leben eingehaucht werden könne.

Im Dialog zwischen Eigentümerin und Denkmalpflege hätten sich beide Seiten flexibel gezeigt. Der heute Kino-taugliche schräge Boden darf begradigt werden, damit der Saal auch für andere Anlässe genutzt werden kann.

Zudem wurde der Abbruch einer alten hölzernen Treppe ermöglicht. Im Gegenzug willigte die Eigentümerin ein, auf eine Nutzung des Bauvolumens über dem Kinogebäude, wie sie in der Schutzbestimmung aus dem 1993 zugelassen wurde, zu verzichten.

Kino seit 1922

Die «Villa zur Mainau» stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, wie Denkmalpfleger Andreas Jung erläuterte. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde anstelle eines kleinen Saalbaus und einer Gartenwirtschaft ein Kinosaal gebaut.

Nach der Schliessung des «Kino Razzia» im Jahr 1989 folgten Anfang der 90er Jahre Rechtsstreitigkeiten um die Unterschutzstellung. Der Denkmalschutz der Liegenschaft kostete die Stadt schliesslich 2,1 Millionen Franken.

Die Otto e mezzo AG hat die Liegenschaft erworben und hofft, im nächsten Herbst mit dem Umbau beginnen zu können, wie ihr Vertreter Johannes Bösiger sagte. Anderthalb Jahre später ist die Eröffnung geplant.

(sda)

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