Kurioses Stelleninserat - Zürcher Steueramt sucht Mitarbeitende, die Pizza mit Ananas nicht mögen
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Kurioses StelleninseratZürcher Steueramt sucht Mitarbeitende, die Pizza mit Ananas nicht mögen

Bünzlis werden ausgesiebt, Steuersünder sollen es gar nicht erst probieren: Bei der Zürcher Behörde gehts mit viel Witz auf Personalsuche.

von
Fabian Pöschl
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Zwei Teamleiter beim Zürcher Steueramt, einmal tätowiert und einmal ohne Tattoos.

Zwei Teamleiter beim Zürcher Steueramt, einmal tätowiert und einmal ohne Tattoos.

Screenshot Stelleninserat Finanzdirektion Kanton Zürich
Gesucht wird «Irgendetwas mit Zahlen …»

Gesucht wird «Irgendetwas mit Zahlen …»

Screenshot Stelleninserat Finanzdirektion Kanton Zürich
Damit widerspricht das Steueramt den Vorurteilen.

Damit widerspricht das Steueramt den Vorurteilen.

20min/Sonja Mulitze

Darum gehts

  • Das Steueramt des Kantons Zürich sucht neue Mitarbeitende.

  • Das Stelleninserat dazu trieft vor Selbstironie.

  • Die Chefin zeigt sich mit Tattoo und Piercing.

Staatsangestellte sind Bünzlis, heisst es, die Arbeit auf dem Amt ist eintönig und die Kolleginnen und Kollegen allesamt Schnarchnasen. Diese Vorurteile will das kantonale Zürcher Steueramt mit einer Stellenanzeige widerlegen, die Aufmerksamkeit erregt.

Das Steueramt sucht für zwei Wertschriftenprüfer. Das sind jene Staatsangestellte, die kontrollieren, ob die Angaben der Steuerzahlenden zu den Wertschriften korrekt sind und prüft die Details in der Steuererklärung etwa bei den Erbschaften. «Irgendwas mit Zahlen», ist das Stelleninserat beschriftet.

Steuerhinterzieher sollen sich nicht bewerben

Gesucht werden Mitarbeitende, die den Alltag trotz viel Routinetätigkeiten humorvoll meistern. Sie sollen den «bunten Haufen» im Team ergänzen. Nicht gesucht werden Leute, die Steuern hinterziehen. Auch Menschen, die Pizza mit Ananas essen, würden es nicht leicht haben, steht im Inserat.

Wer sich für den Job interessiert, kann sich online bei einem der zwei zuständigen Teamleiter bewerben, die auf dem Inserat mit Foto abgebildet sind. Eine davon ist Stéphanie Heinzelmann. Die 26-Jährige trägt auf dem Foto im Inserat ein Piercing und zeigt Tattoos. «Hätten Sie nicht erwartet, oder?», heisst es dazu.

Die Personalsuche für Fachleute ist alles andere als einfach, heisst es auf Anfrage beim kantonalen Steueramt zur Erklärung für das aussergewöhnliche Stelleninserat. So sei die ausgeschriebene Stelle seit Längerem offen. Mit der «frischen Sprache» wolle sich das Amt abheben und einen breiten Kreis an möglichen Kandidatinnen und Kandidaten ansprechen.

Details wie das Tattoo der Vorgesetzten sollen zeigen, dass Leute mit sehr unterschiedlichen Hintergründen für die Stelle in Frage kommen – solange sie den Job seriös und zuverlässig erledigen. Es handelt sich um das erste Stelleninserat dieser Art. Ob weitere in diesem Stil folgen, sei noch nicht klar und hänge vom jetzt einsetzenden Rücklauf ab.

«Die Chefin sieht weiss Gott nicht wie eine Steuerbeamtin aus»

Personalexperte Jörg Buckmann findet das etwas andere Stelleninserat gelungen. «Das hätte ich vom Kanton nicht erwartet. Er hat mit viel Witz das biedere Image des Steueramts zurechtgerückt», sagt Buckmann auf Anfrage. Er finde es mutig von der Teamleiterin, dass sie sich mit Bild zeigt, obwohl sie «weiss Gott nicht aussieht wie eine Vorgesetzte im Steueramt», so Buckmann.

Gut findet das Stelleninserat auch der Personalexperte Matthias Mölleney von Peoplexpert. «Diversität ist gut fürs Klima und für die Leistung. Wenn sich die Angestellten zu ähnlich sind, wird es eintönig. Es braucht eine bunte Mischung», sagt Mölleney.

Genau mit so einem speziellen Inserat erreiche man die interessanten Menschen, ist er überzeugt. Allerdings stelle sich die Frage, ob dahinter nicht ein kreativer Marketing-Gag stehe, während das Team genauso langweilig sei, wie es immer in den Vorurteilen übers Beamtentum heisst.

Darum wechseln wir den Job

Rund ein Viertel der Schweizerinnen und Schweizer hat seit Beginn der Pandemie den Job gewechselt. Der häufigste Grund für den Stellenwechsel: eine bessere Work-Life-Balance. Das geht aus einer aktuellen Studie des Karrierenetzwerks Xing hervor. Ein Fünftel der Befragten gab zudem an, für flexiblere Arbeitszeiten oder mehr Lohn den Arbeitgeber gewechselt zu haben. Dabei haben 30 Prozent ihre Stelle gekündigt, ohne dass sie eine verbindliche Zusage für einen neuen Job hatten.

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