Opfer fiel hier runter : Zürcher sticht im Rausch zu – 5 Jahre Knast
Aktualisiert

Opfer fiel hier runter Zürcher sticht im Rausch zu – 5 Jahre Knast

Ein 22-jähriger Zürcher hat seinen WG-Partner im Rausch erstochen. Jetzt wurde er zu über fünf Jahren Haft verurteilt. Der psychisch Angeschlagene soll auch stationär behandelt werden.

von
Attila Szenogrady
Nach der Messerattacke fiel das blutende Opfer des 22-jährigen Zürchers aus dem 7. Stockwerk. Jetzt wurde der Täter zu 5 Jahren und 9 Monaten verurteilt.

Nach der Messerattacke fiel das blutende Opfer des 22-jährigen Zürchers aus dem 7. Stockwerk. Jetzt wurde der Täter zu 5 Jahren und 9 Monaten verurteilt.

Die Bluttat vom 13. November 2010 galt bis zum Prozess als Rätsel. Laut Anklage ging der heute 22-jährige Beschuldigte in den frühen Morgenstunden plötzlich auf seinen im Bett schlafenden Wohnpartner los. Er würgte das 25-jährige Opfer und stach diesem mit einem Messer wiederholt brutal in den Halsbereich ein.

Bis heute ist unklar, ob der Angreifer den Geschädigten danach vom Balkon aus dem 7. Stock in die Tiefe stiess. Oder ob der Schwerverletzte selber sprang. Feststeht, dass er zum Schluss leblos vor dem Hochhaus an der Brahmsstrasse lag.

Wahnsinnstat im Drogenrausch

Am Mittwoch musste sich der heute 22-jährige Täter vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Er machte bei den tödlichen Messerstichen einen Filmriss geltend. Er könne sich nur noch erinnern, dass er den Geschädigten am Hals gepackt habe.

«Ich dachte, er habe meine Mutter entführt», begründete der Beschuldigte seinen Angriff vor Gericht. Während der Untersuchung hatte er zudem einen «Auftrag Gottes» erwähnt, um den «im Geschädigten sitzenden Teufel» zu töten.

Laut der zuständigen Staatsanwältin lag jedenfalls eine Wahnsinnstat im Drogenrausch vor. Sie stützte sich dabei auf ein psychiatrisches Gutachten. Dieses attestierte dem am Borderline-Syndrom erkrankten Waffennarren und Drogenkonsumenten eine hochgradige Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit. Was trotz der scheusslichen Tatausführung zu einem relativ milden Strafantrag von acht Jahren Freiheitsentzug führte. Allerdings forderte die Anklägerin die Einweisung des Beschuldigten in eine stationäre Massnahme.

Verteidigung für Freispruch

Verteidiger Max Bleuler verlangte dagegen im Hauptantrag einen vollen Freispruch. Er schloss nicht aus, dass sich das Opfer während des Streits die tödlichen Messerstiche selbst zugefügt habe. So habe sich der Geschädigte in der Vergangenheit schon wiederholt suizidal verhalten, führte der Anwalt aus und zeichnete das Bild des Opfers als einen depressiven Zeitgenossen, der sich auch als Homosexueller prostituiert habe. Bleuler plädierte im Falle eines Schuldspruchs auf drei Jahre Gefängnis.

Selbstmord-These verworfen

Das Gericht folgte zum Schluss den Darstellungen der Anklage und verwarf die Selbstmord-These der Verteidigung. In erster Linie wegen des Spurenbildes, welches den verzweifelten Abwehrkampf des Opfers aufzeigte. So wies die Leiche auch Schnittverletzungen an den Fingern auf. Zudem seien an der Waffe keine DNA-Spuren des Geschädigten gefunden worden, führte der Gerichtsvorsitzende Sebastian Aeppli auf.

Aufgrund der schwergradigen Verminderung der Schuldfähigkeit setzte das Gericht eine Strafe von fünf Jahren sowie neun Monaten fest. Entscheidend war jedoch, dass die Richter den Empfehlungen des Gutachtens folgten und den seelisch angeschlagenen Messerstecher mit dessen Zustimmung in eine stationäre Massnahme zur Behandlung psychischer Störungen einwiesen. Den Eltern des Opfers wurde ein Schmerzensgeld von je 20 000 Franken zugesprochen.

Wann der Beschuldigte wieder freikommt, ist unklar und hängt nun von den zuständigen Ärzten ab. Jedenfalls ordnete das Gericht die Verlängerung der Sicherheitshaft an.

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