Aktualisiert 13.01.2014 23:57

Mobile ErfassungZürcher Trams messen Luftverschmutzung

Ozon, Kohlenmonoxid und Feinstaub in der Luft können die Gesundheit schädigen. Die ETH Zürich zeigt nun erstmals, wann und wo die Belastung in der Stadt am grössten ist.

von
blu

Ein Forscherteam der ETH hat auf den Dächern von zehn VBZ-Trams Messstationen installiert. Die schuhschachtelgrossen Boxen haben in den letzten zwei Jahren die Luftverschmutzung entlang den Zürcher Tramlinien gemessen, wie die ETH in einer Medienmitteilung schreibt. Das Resultat: Vor allem im Winter sind wegen Hochnebel die Hauptachsen beim Central/Bahnhofstrasse, Bellevue und um die Autobahneinfahrt Sihlcity mit Feinstaub belastet. Auch um die Autobahnzubringer in Altstetten sowie beim Dreieck Zürich-Ost und Zürich-Nord wurde eine deutlich höhere Schadstoff-Konzentration gemessen.

Auf Karten hat die ETH nun erstmals dargestellt, wann und wo die Luftverschmutzung wie hoch ist. Die mobilen Luftmessstationen von Wissenschaftlern um Lothar Thieles, Professor am Institut für Technische Informatik und Kommunikationsnetze, werden im Rahmen des Projekts Opensense betrieben.

Messungen mit hoher Genauigkeit

Im Schnitt messen die Boxen die Schadstoffanteile der Luft alle fünf Sekunden. Ist das Tram in Fahrt, so messen die Forscher die Luft in einem Abstand von etwa 50 Metern. Mit anderen frei zugänglichen Daten wie Verkehrsaufkommen und Häuserdichte kombiniert, werden auch die Lücken zwischen den Tramlinien gefüllt. Damit sind es heute 30 Millionen Messungen, auf die Olga Saukh, David Hasenfratz und Christoph Walser von Thieles Forscherteam zurückgreifen können. «Daten zur Luftqualität, die das gesamte Stadtgebiet abdecken, wurden bisher in Zürich noch nie erfasst», erklärt Saukh.

Das Forscherteam hat deshalb eigens spezielle mobile Messboxen entwickelt: «Es war äusserst anspruchsvoll, die richtigen Sensoren zu finden, die klein und mobil einsetzbar sind», so Saukh. «Ziel ist es, gute Messdaten mit hoher Genauigkeit auch bei geringer Schadstoffkonzentration zu erhalten.»

Weniger belastete Gebiete

Dies scheint gelungen zu sein: In einer zeitlichen und räumlichen Auflösung, wie es sie bisher nicht gab, konnten die ETH-Forscher Verschmutzungskarten auf 100 Meter genau darstellen. Zudem ist es ihnen möglich, Jahres-, Monats- und auch Tageskarten zu erstellen. Denn die Konzentrationen können je nach Saison und Wetter variieren. Im Winter können sie wegen des Hochnebels so stark ansteigen, dass ganze Stadtteile gelb oder gar rot eingefärbt sind, was eine hohe Konzentration bedeutet.

Die Boxen auf den VBZ-Trams werden laut Saukh noch weitere zwei Jahre durch Zürich fahren. Künftig könnten die Karten zudem auch mobil abrufbar sein. Beispielsweise um für Läufer oder Velofahrer Routen berechnen zu können, auf denen die Luft zu einem bestimmten Zeitpunkt weniger verschmutzt ist. So sind beispielsweise Gebiete in Uitikon, Albisrieden, Höngg, Hottingen oder Fluntern generell weniger belastet.

Belastung ist «relativ gering»

Es soll auch abschätzbar werden, ob Massnahmen zur Verbesserung der Luftqualität fruchten und ob verkehrstechnische Massnahmen wie die Westumfahrung oder bessere Partikelfilter bei Autos auf die Luftqualität einen Einfluss haben. Die Forschenden halten aber fest: Die Luftverschmutzung in Zürich sei im Vergleich zu anderen Städten «relativ gering».

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.