Zürcher Wahlkampf: Lob für Galladés Verzicht
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Zürcher Wahlkampf: Lob für Galladés Verzicht

Überraschende Wende im Poker um den 2. Zürcher Ständeratssitz. Die 34-jährige SP-Nationalrätin Chantal Galladé verzichtet, nachdem die grünliberale alt Regierungsrätin Verena Diener ihre Kandidatur bekannt gegeben hat.

«Im Interesse der Sache und des Kantons Zürich» tritt die SP-Nationalrätin Chantal Galladé nicht zum zweiten Wahlgang der Zürcher Ständeratswahlen an, wie sie am Freitag vor den Medien erklärte. Dies sei ein pragmatischer Entscheid.

Grund ist die Kandidatur der grünliberalen Verena Diener. «In der politisch verfahrenen Situation bringt es nichts, wenn nicht jemand einen Schitt zurück macht», sagte sie.

Mit einem sturen Festhalten an der Kandidatur komme auch die Linke dem Ziel, dass jemand aus dem Mitte-Links-Spektrum den zweiten Ständeratssitz holt, nicht näher.

Persönliche Interessen sowie Partei- und Machtspiele seien in diesem Fall fehl am Platz, sagte Galladé. Sie habe sich deshalb zum Rückzug entschieden und dies der SP-Parteileitung mitgeteilt.

Chantal Galladé erhält für ihre Entscheidung aus dem Mitte-Links-Lager viel Lob. GLP-Co-Präsident Martin Bäumle hatte nicht damit gerechnet.

Martin Bäumle, Co-Präsident der Grünliberalen, zeigte sich gegenüber der SDA überrascht aber auch hoch erfreut und dankbar über Galladés Schritt. Man habe damit nicht mehr gerechnet. Dieser Entscheid sei nicht selbstverständlich gewesen.

Die Situation entspreche nun wieder der Szenerie, die man Anfang Woche diskutiert habe: Eine gemeinsame Kandidatin. Und nach Ansicht der Grünliberalen sei Diener nun mal die Aussichtsreichere der beiden. Gegen Maurer trete nun eine ebenbürtige Kandidatin an.

Moralische Grösse

Marlies Bänziger und Balthasar Glättli, Co-Präsidenten der Grünen Kanton Zürich, gratulierten Chantal Galladé in einem Communiqué zu ihrem Schritt. Sie habe wahre Grösse gezeigt.

Mit ihrem mutigen Schritt empfehle sie sich in Zukunft als Politikerin, die in einer äusserst verfahrenen Situation bewiesen habe, dass sie ihr legitimes Eingeninteresse zugunsten eines Kompromisses zurückstecken könne, schreiben die Grünen weiter.

Nachdem nun eine Einheitskandidatur möglich geworden sei - wie es die Grünen immer verlangt hätten - werde von ihnen Verena Diener unterstützt. Diese müsse aber einen aktiveren und engagierteren Wahlkampf als bisher führen.

Auch die CVP Kanton Zürich attestierte Galladé für ihr Verhalten «moralische Grösse, die in der Politik leider nur selten zu finden ist». Galladé habe mit ihrem Schritt ähnliches Profil gewonnen, wie 1993 der gewählte Bundesrat Francis Matthey, der Ruth Dreifuss Platz gemacht habe.

EDU unterstützt Ueli Maurer

Die EDU zieht ihren Kandidaten Markus Wäfler aus dem Wahlkampf zurück und unterstützt Ueli Maurer. Maurer stehe Wäfler näher. Die EDU verfüge über ein Potenzial von knapp 9000 Wählenden.

(sda)

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