Abschiebung nach Somalia - Zürcherin (26) kämpft um Bleiberecht für Verlobten
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Abschiebung nach SomaliaZürcherin (26) kämpft um Bleiberecht für Verlobten

Der 26-jährige K. soll bald nach Somalia abgeschoben werden. Seine Verlobte Angelique will das verhindern.

von
Lynn Sachs
Monira Djurdjevic

Im Video erzählt Angelique, wie es K. geht und wovor sie am meisten Angst hat.

(Video: 20min/Lynn Sachs)

Darum gehts

  • Der 26-jährige K. soll bald nach Somalia abgeschoben werden.

  • Seine Verlobte will das nicht akzeptieren und kämpft um das Bleiberecht für den 26-Jährigen.

Angelique aus Zürich ist verzweifelt. Wie die 26-Jährige sagt, droht ihrem gleichaltrigen Verlobten K.* in den nächsten Wochen die Abschiebung nach Somalia. Zurzeit sitze der abgewiesene Asylbewerber in einer Ausschaffungszelle im Zürcher Flughafengefängnis. «Es geht ihm gar nicht gut. Ich mache mir Sorgen und kann nicht schlafen.» Laut Angelique kam der 26-Jährige vor über sechs Jahren als Flüchtling in die Schweiz. Ein paar Monate nach seiner Einreise hätten sich die beiden in Zürich kennengelernt und seien kurz darauf ein Paar geworden. «Er ist meine grosse Liebe. Wir wollen heiraten und eine Familie gründen.»

Wie aus den Dokumenten, die 20 Minuten vorliegen, hervorgeht, hatte K. 2015 nach seiner Einreise in die Schweiz ein Asylgesuch gestellt. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) wies dieses ein Jahr später ab und beantragte die Wegweisung aus der Schweiz. Auf eine eingereichte Beschwerde trat das Bundesverwaltungsgericht nicht ein. Trotz rechtskräftigem Wegweisungsentscheid weigerte sich K., die Schweiz zu verlassen. Der 26-Jährige wurde deswegen auch schon gebüsst und in Haft genommen.

«Ich bin mit den Nerven am Ende»

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) darf aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes zu Einzelfällen keine Auskunft geben. Den Vollzug einer Wegweisung nach Somalia erachte man gemeinsam mit dem Bundesverwaltungsgericht aber als grundsätzlich zulässig und möglich, wie es auf Anfrage heisst.

Angelique sieht das anders: «Er ist aufgrund von Clanfeindschaften nicht sicher. Ihm drohen Tod und Folter.» Zudem habe er in Somalia niemanden mehr. «Viele seiner Angehörigen sind tot.» Mittlerweile sei sie mit den Nerven am Ende: «Sollte er wirklich abgeschoben werden, bricht es mir das Herz.» Aufgeben will die 26-Jährige aber nicht: «Ich werde weiter für sein Bleiberecht und unsere gemeinsame Zukunft kämpfen.»

Laut Michel Brülhart von der Organisation Asylex gibt es kaum mehr Möglichkeiten den Asylentscheid anzufechten, wenn sich eine Person in Ausschaffungshaft befindet. «Dann können höchstens noch ausserordentliche Rechtsmittel, wie Revisions-, Wiedererwägungs- oder Folgeasylgesuche eingereicht werden.» Solche Gesuche haben aber nur dann Erfolgschancen, wenn neue Beweise zur Gefährdungssituation vorliegen oder sich die Lage im Rückführungsland drastisch verändert hat.

Asylrecht in der Schweiz

Jeder Mensch hat das Recht, ein anderes Land um Asyl zu ersuchen. Wer dies in der Schweiz tut, kann mündlich oder schriftlich ein Asylgesuch stellen und muss ein Asylverfahren durchlaufen. Das schweizerische Asylgesetz definiert, wer als Flüchtling anerkannt wird. Das Asylgesetz orientiert sich an der Genfer Flüchtlingskonvention. Flüchtlinge sind Menschen, die in ihrem Heimatstaat wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauung ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind. Laut dem Staatssekretariat für Migration (SEM) hat jede Person, die in Not gerät und nicht in der Lage ist, für sich zu sorgen, Anspruch auf Hilfe und auf die Mittel, die für ein menschenwürdiges Dasein unerlässlich sind (sogenannte Nothilfe). Wenn das Asylgesuch einer Person abgelehnt wurde (z.B. weil sie nicht persönlich verfolgt wird), prüft das SEM anschliessend, ob eine Rückkehr zulässig, zumutbar und möglich ist. Ist eine dieser drei Voraussetzungen nicht gegeben, wird diese Person in der Schweiz vorläufig aufgenommen. Der Vollzug ist nicht zumutbar, wenn die ausländische Person in Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage im Heimat- oder Herkunftsstaat konkret gefährdet ist.

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Laut Angelique kam K. vor über sechs Jahren als Flüchtling in die Schweiz.

Laut Angelique kam K. vor über sechs Jahren als Flüchtling in die Schweiz.

Privat
Ein paar Monate nach seiner Einreise hätten sich die beiden in Zürich kennengelernt und seien kurz darauf ein Paar geworden.

Ein paar Monate nach seiner Einreise hätten sich die beiden in Zürich kennengelernt und seien kurz darauf ein Paar geworden.

Privat
«Er ist meine grosse Liebe. Wir wollen heiraten und eine Familie gründen», sagt die 26-Jährige. 

«Er ist meine grosse Liebe. Wir wollen heiraten und eine Familie gründen», sagt die 26-Jährige.

20min/Lynn Sachs

*Name der Redaktion bekannt

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