Gefährliche Mission : Zürcherin rettet Hunde vor dem Kochtopf

Aktualisiert

Gefährliche Mission Zürcherin rettet Hunde vor dem Kochtopf

Esther Geisser bekämpft in Thailand den Hundefleisch-Handel. Dort werden die Vierbeiner verschleppt und bei lebendigem Leib gekocht.

von
Maja Sommerhalder

In viel zu engen Eisenkäfigen liegen bis zu zwölf Hunde übereinander. Die thailändische Hitze, der Hunger und Durst machen ihnen zu schaffen; einige von ihnen sterben während des tagelangen Transportes sogar. Doch diesen Verlust haben ihre Schmuggler einkalkuliert. Mit Lastwagen bringen sie die Tiere zum Fluss Mekong – von dort aus werden sie mit Booten über die Grenze nach Laos und später nach Vietnam gebracht. In Vietnam, wo der Appetit auf Hundefleisch riesengross ist, wartet der qualvolle Tod auf die Tiere. Nicht selten werden sie bei lebendigen Leibe gekocht oder verbrannt.

Esther Geisser (44) schaudert es noch immer, wenn sie daran denkt. Vor wenigen Tagen kam die Tierschützerin der Organisation NetAP (Network for Animal Protection) aus Thailand zurück und hat selber gesehen, unter was für schrecklichen Bedingungen die Tiere transportiert werden: Zuhause im Zürcher Oberland bei ihren fünf Katzen versucht sie das Erlebte zu verarbeiten: «Diese Horrorbilder werden mich wohl ein Leben lang verfolgen.»

Schlimme Zustände in den Auffanglagern

Mehrere hundertausend Hunde werden in Thailand jährlich entführt und über die Grenze geschmuggelt: «Meistens sind es zahme Haustiere, da diese einfacher eingefangen werden können als wilde Strassenhunde», so Geisser. Obwohl der Hundefleischhandel verboten sei, und die meisten Thailänder keine Hundefleisch ässen, täten die Behörden zu wenig dagegen.

Immerhin: Auf Druck von NetAP ihrem lokalen Partner Soi Dog Foundation hat die Polizei vor anderthalb Jahren den Kampf gegen die Schmuggler aufgenommen. «Seit Beginn unseres Einsatzes wurden etwa 12'000 Tiere vor dem Kochtopf gerettet. Auch während meines zweiwöchigen Aufenthaltes beschlagnahmten Polizisten mehrere illegale Transporte», so die Juristin und Personalchefin.

Polizeischutz war nötig

Die geretteten Hunde werden in Thailand in vier verschiedenen Auffangstationen untergebracht, die Geisser besuchte: «Leider gibt es dort zu wenig Futter und medizinische Versorgung.» Und kaum genügend Schattenplätze oder Dächer als Schutz vor Sonne oder Dauerregen. «Viele sterben trotz Rettung vor den Schmugglern an einer Lungenentzündung.» Die Tierschützer besorgten Futter, Impfungen sowie Kastrationen, und gerade wurde in einer Station ein grosses Dach installiert: «Einige Hunde können lokal vermittelt werden in neue Familien. Ihren ursprünglichen Besitzer können wir nur selten ausfindig machen.»

Vieles zahlen die Tierschützer aus ihrer eigenen Tasche, so Geisser: «Alleine das Hundefutter kostet 30'000 Franken pro Monat.» Deshalb brauchen sie Unterstützung von der thailändischen Regierung: «Wir sind vor Ort mit Behördenvertretern in Kontakt. Ich hoffe, dass sie alles dafür tun, dass dieser Handel endlich unterbunden wird», so Geisser, die sich seit ihrer Kindheit für Tiere einsetzt und weitere Thailandreisen plant. Ungefährlich ist diese Mission aber nicht. «An einigen Orten konnte ich mich nur mit Polizeischutz bewegen.»

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