Aktualisiert 20.10.2006 14:16

Zürcherin wollte Mutter per Elektroschock ermorden

Wegen versuchten Mordes an ihrer Mutter muss sich eine Frau im Kanton Zürich vor Gericht verantworten. Offen ist, ob sie bis dahin inhaftiert bleibt.

Das Bundesgericht hiess eine staatsrechtliche Beschwerde gut, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Urteil hervorgeht.

Die Zürcher Staatsanwaltschaft IV wirft der Frau vor, sie habe am 16. Februar 2005 um 23.20 Uhr versucht, ihre Mutter an deren Wohnort mit einem Elektroschockgerät zu töten. Das Gerät hatte sie am Vortag in Frankfurt am Main gekauft.

Vor ihrer Verhaftung lebte die Frau in schwierigen sozialen Verhältnissen in Basel. Weitgehend erwerbsunfähig, auf die IV-Rente und Sozialhilfe angewiesen, konnte sie seit über zehn Jahren nicht mehr für ihren Lebensunterhalt sorgen. Wegen verschiedener Beschwerden war sie in medizinischer Behandlung. Zudem drohte ihr die Ausweisung aus der Wohnung. Zu Angehörigen und Bekannten hatte sie kaum Kontakt, einzig zu ihrer Mutter. Und die wollte sie im Februar schliesslich laut Anklage töten, um sie zu beerben und dadurch ihre missliche finanzielle Situation zu verbessern.

Aber ihr Plan misslang. Ihre Mutter überlebte, und die Tochter wurde drei Tage später in Untersuchungshaft genommen. Die Untersuchungen sind mittlerweile abgeschlossen. Die Frau muss sich wegen versuchten Mordes und Vergehens gegen das Waffengesetz vor dem Obergericht verantworten, sie hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Die Mutter starb inzwischen aus Gründen, die nichts mit der Tat zu tun haben.

Die Angeklagte befindet sich im vorzeitigen Strafantritt. Im August stellte sie zwei Haftentlassungsgesuche, die die Behörden aber ablehnten. Deshalb gelangte die Frau mit einer staatsrechtlichen Beschwerde an das Bundesgericht. Dieses erkannte nun keine Kollusions- oder Fluchtgefahr und hiess die staatsrechtliche Beschwerde gut.

Trotzdem wurde die Frau noch nicht aus dem Gefängnis entlassen. Die kantonalen Behörden müssten noch ausstehende Fragen «unverzüglich» prüfen und die Frau dann - allenfalls unter gewissen Auflagen - aus der Haft entlassen, wenn keine Wiederholungsgefahr bestehe, schreiben die Richter.

(Urteil 1P.625/2006 vom 12. Oktober 2006) (dapd)

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