Zürich: Es wird wieder gehäkelt
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Zürich: Es wird wieder gehäkelt

Zürich führt die 2003 gestrichenen Handarbeits-Lektionen an der Primarschule wieder ein. Er hat einer kantonalen Volksinitiative «Ja zu Handarbeit/Werken» mit 113 zu 45 Stimmen zugestimmt.

Durch die Unterstützung des Kantonsrates muss die Initiative nicht mehr dem Volk vorgelegt werden, sondern gilt als gutgeheissen. Der Regierungsrat und die Kommission für Bildung und Kultur hatten die Ablehnung beantragt. Es müsse mit Kosten von 12 bis 32 Millionen Franken gerechnet werden, sagte Bildungsdirektorin Regine Aeppli.

Die Initiative verlangte, eine Sparmassnahme aus dem Sommer 2003 wieder rückgängig zu machen. Der Kantonsrat hatte schon Ende 2003 in der Budgetdebatte die Beibehaltung des Handarbeitsunterrichts im bestehenden Umfang verlangt und das nötige Geld dafür zur Verfügung gestellt.

Regierungsrat und Bildungsrat beschlossen damals trotzdem die Reduktion der Lektionen in der 5. und 6. Primarschule von vier auf zwei Lektionen.

Zunehmend kopflastige Schule

Die Schule werde immer kopflastiger, hiess es Montag in der Kantonsratsdebatte von links wie rechts. Die mit dem Sanierungsprogramm 04 beschlossene Reduktion sei rückgängig zu machen.

An der Schule werde das handwerkliche und kreative Schaffen immer weniger gefördert, bemängelte ein SVP-Sprecher. Die SVP sei bereit, das nötige Geld bereitzustellen, um diese Tendenz umzukehren.

Eine Sprecherin der Grünen befürwortete die Initiative, weil es an der Schule eine immer einseitigere Förderung im Sinne der Forderungen der Wirtschaft gebe. Die moderne Handarbeit an der Schule könne nicht hoch genug eingeschätzt werden, fand die EVP. Von einer «nachhaltigen Investition» sprach ein Grünliberaler.

Systemfehler

Gegen die Initiative wehrte sich in erster Linie die FDP. Es gehe nicht um die Existenz des Handarbeitsunterrichts, sondern bloss um den Umfang, sagte eine freisinnige Votantin. Abzulehnen sei aber insbesondere die Verankerung der Lektionenzahl auf Gesetzesstufe. Für kein anderes Fach gebe es dies.

Dies sei «ordnungspolisch problematisch», meinte ein CVP- Vertreter. Von einem «Systemfehler» sprach eine grüne Kantonsrätin, weil so der Willkür Tür und Tor geöffnet werde.

Gemäss Bildungsdirektorin Aeppli war die Reduktion der Handarbeitslektionen nicht bloss eine reine Sparmassnahme, sondern auch vom Bildungsrat abgesegnet und als «pädagogisch vertretbar» bezeichnet worden. Der Schulunterricht ist heute nach Ansicht von Aeppli nicht zu kopflastig. Der Unterichtsbereich «Gestaltung und Musik» sei insgesamt stark dotiert.

Die geforderte Aufstockung sei eine «sehr teure Angelegenheit». Die zusätzlichen Lektionen kosten laut Aeppli pro Jahr 24 bis 32 Millionen Franken, wenn der Unterericht in Halbklassen erteilt werde, sonst immerhin die Hälfte. Sie habe viele Projekte, für die sie das Geld lieber verwenden würde, sagte die Bildungsdirektorin. Zumindest hätte sie die Frage gerne vom Volk beantworten lassen. (sda)

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