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Zürich: Geschäftsmann um 115 Millionen Franken betrogen

Eine ehemalige Vermögensverwalterin soll eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren erhalten. Dies forderte die Anklage vor dem Bezirksgericht Zürich. Die Frau hatte einen Geschäftsmann um 115 Millionen Franken erleichtert.

Die heute 49-jährige Frau muss sich wegen gewerbsmässigen Betrugs, Veruntreuung, Urkundenfälschung und weiterer Delikte verantworten. Laut Anklage hatte sie während vier Jahren ihren Arbeitgeber systematisch mit gefälschten Überweisungsaufträgen hinters Licht geführt.

Kennengelernt hatte die Angeklagte den heute 67-jährigen deutschen Geschäftsmann als Vize-Direktorin einer Bank, mit der der Multimillionär Geschäfte tätigte. 1998 gab die Frau ihre Stelle bei der Bank auf und schloss mit dem Deutschen einen Arbeitsvertrag ab.

Demzufolge war sie für einen Jahreslohn von rund 250 000 Franken für den Ausbau seines Firmenimperiums zuständig. Im Sommer 2002 bemerkte ihr Arbeitgeber, dass seine Vermögensverwalterin Unterschriften gefälscht hatte. Am 16. August 2002 kam die Frau für zehn Tage in Untersuchungshaft.

Darauf leitete die Staatsanwaltschaft ein aufwendiges Strafverfahren ein. Laut Anklage gründete die Angeschuldigte mit den abgezweigten Geldern eine eigene Firmengruppe und übernahm im Oktober 1999 für 25 Millionen Franken eine Fluggesellschaft.

Im privaten Bereich pflegte sie einen luxuriösen Lebensstil und erhöhte ihr Jahreseinkommen auf 1,2 Millionen Franken. Grosse Summen flossen auch in den mittleren Osten.

Angeklagte spricht von Verschwörung

Vor Gericht führte die Angeklagte aus, dass sie die eingeklagten Geschäfte immer mit dem mündlichen Segen des Geschädigten getätigt habe. Dieser sei auch schriftlich informiert gewesen. Diese Unterlagen hätten sich in Ordnern befunden. Allerdings seien diese entwendet worden, sagte die Angeklagte und sprach von einer Verschwörung.

Der Staatsanwalt ging dagegen von einem gewerbsmässigen Betrug aus und verwies auf die weit über hundert gefälschten Unterschriften. Die Angeklagte habe mit einer «beispiellosen kriminellen Energie das Vertrauen des Opfers missbraucht», sagte er und verlangte eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren.

Der Vertreter des Geschädigten forderte Schadenersatz. Von den eingeklagten 115 Millionen Franken konnte der geschädigte Deutsche bis heute rund 70 Millionen Franken wiedererlangen. Über 44 Millionen Franken soll die Angeklagte zurückzahlen. Der Verteidiger wird Freispruch beantragen. Das Urteil wird im September erwartet. (sda)

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