Aktualisiert 11.02.2020 14:09

Schädlingsbekämpfer«Zürich hat ein massives Problem mit Mäusen»

Leser-Reporter berichten zunehmend über Nagetiere in Stadtzürcher Gebäuden. Das kann zu einem Problem für die Hygiene werden.

von
tam/mon

Mäuse rennen in Laden und Restaurant herum. (Video: Leser-Reporter)

Mäuse rennen durch einen Laden, Mäuse rennen durch ein Restaurant. Immer wieder tauchen Videos von den Nagetieren in der Stadt Zürich auf. Bei Leser-Reportern löst das Ekel aus. Die neusten Fälle sind die unterirdische Coop-Filiale am Bahnhof Stadelhofen und das seit Februar geschlossene Pop-up-Restaurant Rice Up an der Bahnhofstrasse. Das Lokal geriet bereits im Dezember 2018 wegen eines Mausproblems in die Schlagzeilen.

Coop bestätigt auf Anfrage das Entdecken einer Maus in der Filiale am Bahnhof Stadelhofen. Wie Sprecher Markus Eugster aber betont, habe man deswegen kein Hygieneproblem: «Wir haben beim Entdecken des Tiers umgehend eine spezialisierte Firma zur Schädlingsbekämpfung hinzugezogen. Inzwischen sind die Mäuse gefangen und mögliche Schlupflöcher abgedichtet worden.»

Keine Meldungen von anderen Mietern

Laut Eugster seien Nagetiere in der Stadt und gerade an Bahnhöfen ein grundsätzliches Thema: «Das können wir nicht verhindern. Man kann deshalb auch nicht von einem ausserordentlichen Problem am Bahnhof Stadelhofen sprechen.»

Wie die SBB auf Anfrage sagt, habe ihr Mieter Coop mitgeteilt, dass Mäuse entdeckt worden seien. «Wir waren diesbezüglich in Kontakt mit Coop», sagt Sprecher Martin Meier. Von anderen Mietern im Bahnhof Stadelhofen seien aber keine entsprechenden Rückmeldungen eingegangen.

«Keine Mäusehorden»

Beim Rice Up bestätigt man die Probleme mit Mäusen ebenfalls. «Es gab aber keine Mäusehorden, wie es den Eindruck erwecken könnte», sagt Stefan Schmid, Leiter Marketing. Zudem existiert die Filiale an der Bahnhofstrasse seit dem 31. Januar nicht mehr. Wie Manor musste auch Rice Up wegen der Sanierung des Gebäudes ausziehen.

Der Grund für die Probleme mit den Nagetieren sei das hohe Alter des Gebäudes gewesen, so Schmid. «Jede Woche haben wir die Schädlinge bekämpft. So konnten wir die Mäuse mehr oder weniger in Schach halten.» Ebenso habe man regelmässig und freiwillig die Hygiene getestet. «Nie hat ein Wert auch nur ansatzweise die Richtwerte übertroffen.»

«In jeder Stadt gibt es Mäuse»

Gibt es ein Mausproblem in der Stadt? «Wie in jeder Stadt gibt es in Zürich Mäuse und Ratten», sagt Tabea Geiser, Sprecherin Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich. Von einem Mausproblem hat die Stadt aber keine Kenntnis. Wie viele Gebäude betroffen sind, ist ebenfalls nicht bekannt. Es gibt keine Meldepflicht. Auf öffentlichem Grund bekämpft die Stadt Nagetiere, auf Privatgrund ist das Sache der Grundeigentümer.

Nagetiere würden laut Geiser insbesondere an Orten mit grossem Nahrungsangebot vorkommen. «Je grösser das vorhandene Nahrungsangebot ist, desto besser können sie sich vermehren. Aus diesem Grund sollten Essensreste korrekt entsorgt und möglichst keine Vögel auf öffentlichen Plätzen gefüttert werden», sagt Geiser. Wer Ratten oder Mäuse sichtet, könne das etwa über die App «Züri wie neu» melden.

In Lebensmittelbereichen nicht geduldet

Da Mäuse bedeutende Hygieneschädlinge sind, dürften sie in Gebäuden – insbesondere in Lebensmittelbetrieben – nicht geduldet werden. «Die Betriebe oder Eigentümer sollten Massnahmen ergreifen, dass Mäuse nicht ins Gebäude eindringen können», so Geiser. Für die Bekämpfung solle eine professionelle Firma für Schädlingsbekämpfung beauftragt werden.

Eine solche Firma für Schädlingsbekämpfung ist Insekta. Inhaber Pascal Frei sagt, dass Zürich, aber auch Bern massive Probleme mit Mäusen hätten. Deren Bekämpfung sei insbesondere in alten Gebäuden schwierig. «Es gibt viele Löcher und durchgehende Rohrleitungen an schwer zugänglichen Stellen, etwa in Hohlböden.» Es sei deshalb oft sehr teuer, alle Schlupflöcher zu finden und abzudichten. Zudem würden die Nagetiere immer wieder neue Löcher herausbeissen.

Mit Fallen fangen, aber nicht mit Käse

Häufig helfe nur eine umfassende Sanierung des Gebäudes gegen eine Mäuseplage. Eine erfolgreiche Bekämpfung sei aber auch mit einfacheren Mitteln möglich. «Um die Population zu reduzieren, braucht es zuerst Fallen», so Frei. Die Mäuse werden dabei mit chemischen Lockstoffen unterschiedlichen Geschmacks angelockt. «Käse verwenden wir nicht.» Die Fallen werden dann regelmässig kontrolliert.

Möglich ist auch der Einsatz von Gift. Dabei bestehe allerdings die Gefahr, dass die Tiere an nicht zugänglichen Orten verendeten und sich Gestank ausbreite. Neben Fallen und Gift müssten auch die Schlupflöcher verschlossen werden. «Das ist aber oft schwierig zu realisieren.» Wichtig sei auf jeden Fall, dass man bei Problemen mit Nagetieren sofort reagiere. «Mäuse urinieren und koten permanent. Das wird schnell zu einem Hygieneproblem.»

Weitere Informationen zu Mäusen bietet eine Broschüre der Stadt Zürich.

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