Mit Schweizer Jet: Zürich-Hongkong in drei Stunden
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Mit Schweizer JetZürich-Hongkong in drei Stunden

Mit dreifachem Überschall rund um die Welt: Diese Vision soll dank Swiss Space Systems Wirklichkeit werden. Dank einem Deal mit dem Raumfahrtriesen Thales Alenia Space ist sie dem Ziel jetzt ein grosses Stück näher gekommen.

von
ame

Zukunft made in Switzerland: Wie die Gesellschaft Swiss Space Systems S3 in einem Communiqué mitteilt, will sie «Luftfahrt-Geschichte schreiben» und den interkontinentalen Passagiertransport mit Überschallgeschwindigkeit ermöglichen. Nun hat S3 einen riesigen Schritt in diese Richtung gemacht. Am Montag kommunizierte die Gesellschaft die Zusammenarbeit mit Thales Alenia Space, einem Big Player in der internationalen Raumfahrtindustrie.

Wie die «Tribune de Genève» berichtet, beliefert Thales S3 unter anderem mit einer Druckkabine, die sich auch in der internationalen Raumstation ISS befindet. Mithilfe dieser Kabine will S3 an Flugzeugen arbeiten, die mit Passagieren besetzt bis zu 100 Kilometer hoch und mit Geschwindigkeiten von über 3600 km/h fliegen können. So wären interkontinentale Flüge mit dreifacher Schallgeschwindigkeit zu bewältigen. Die Reise von Zürich nach Hongkong würde so nur noch rund drei Stunden dauern, wie Gregoire Loretan, Sprecher von S3 bestätigt. Er korrigiert damit Berichte verschiedener Medien, welche die Flugzeiten der interkontinentalen Flüge zu kurz angegeben hatten.

Belastung für Passagiere unerforscht

Ein dickes Fragezeichen steht jedoch noch hinter den Auswirkungen eines solchen Flugs auf den menschlichen Körper. «Man weiss zwar bereits, was Astronauten alles aushalten können, aber zwischen dem Normalbürger und einem ausgebildeten Weltraumfahrer besteht ein riesiger Unterschied», weiss Pascal Jaussi, Gründer und CEO von S3. Bis 2020 soll nun erst einmal eine Flugzeugkabine gebaut werden, in der Menschen theoretisch gefahrenlos in grosse Höhen fliegen könnten. Ausserdem ist eine Zusammenarbeit mit dem Europäischen Astronauten-Zentrum geplant.

Erstes technisches Know-how zur Konstruktion eines solchen Flugzeugs besitzen die rund 40 Mitarbeiter von S3 bereits aus ihrer Arbeit an Fluggeräten, die kleine Satelliten in die Umlaufbahn befördern sollen. Das Prinzip dabei ist einfach: Ein kleines Flugzeug wird auf dem Rücken eines Airbus installiert. Sobald der Airbus eine Höhe von zehn Kilometern erreicht hat, startet das kleinere Flugzeug seine Raketen und fliegt allein auf 100 Kilometer Höhe, wo es den Satelliten abkoppelt. Danach kehrt es wieder auf die Erde zurück. Ein ähnliches Prinzip soll auch für die Fluggeräte mit Passagieren an Bord gebraucht werden. Einziger Unterschied ist laut Jaussi, dass sich dann auch noch ein Pilot an Bord befindet.

Expertenmeinungen gehen auseinander

Wann und ob der kommerzielle Passagierflugbetrieb ausserhalb der Erdatmosphäre überhaupt einmal realisiert wird, ist unter Experten jedoch umstritten. Eine Umfrage der Universität St. Gallen mit führenden Kräften der Raumfahrt-Industrie zeigt keine eindeutigen Resultate. Einerseits erwarten die Befragten, dass bis 2030 noch keine grossen Umsetzungen sichtbar sein werden. Andererseits geben viele an, dass langfristig mit Überschallgeschwindigkeit gereist werden könnte.

Andreas Wittmer, Aviatik-Experte der Uni St. Gallen, würde sich über diese neue Art der Fliegerei freuen: «Wir sind noch weit weg vom kommerziellen Betrieb, Virgin-Gründer Richard Branson hat mit seinem Space Tourismus Projekt die Tür aber einen Spalt weit aufgestossen.» Nun hofft Wittmer, dass sich beruhend auf Bransons Projekt eine stetige Weiterentwicklung der Fluggeräte mit immer mehr Passagieren einstellt. Neben den kürzeren Reisezeiten würden suborbitale Flüge gemäss Wittmer ausserdem einen Teil ihrer Emissionen ausserhalb der Erdatmosphäre abgeben.

Hangar soll rund 50 Millionen Franken kosten

Die Entsendung der ersten Fluggeräte mit Satelliten kündigt Swiss Space Systems für 2018 an. Ein entsprechend grosser Hangar, der Platz für einen Airbus mit einem Flugzeug auf dem Rücken bietet, soll bis 2015 auf dem Militärflughafen Payerne entstehen. Die genauen Kosten werden bis Herbst berechnet, sie werden auf rund 50 Millionen Franken geschätzt.

Dieses Video zeigt, wie sich ein kleines Flugzeug vom Rücken eines Airbus abkapselt (Quelle: Youtube)

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