Zürich: Mehr und brutalere Straftaten
Aktualisiert

Zürich: Mehr und brutalere Straftaten

167 019 Straftaten hat die Kriminalpolizei des Kantons Zürich im vergangenen Jahr registriert. Das sind 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Stark zugenommen hat die Anzahl schwerer Delikte gegen Leib und Leben.

Die am Dienstag präsentierte Kriminalstatistik (Krista) 2004 weist für das vergangene Jahr insgesamt 4677 Delikte gegen Leib und Leben aus. Davon fielen unter die Rubrik «schwere Delikte» 987 - mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor: 2003 wurden 473 schwere von insgesamt 3678 Delikten gegen Leib und Leben erfasst.

50 Tötungsdelikte einschliesslich Versuche wurden 2004 gezählt - zehn mehr als im Jahr zuvor. Bei sechs vollendeten und acht versuchten Tötungsdelikten ging es um häusliche Gewalt, wie Kathrin Graf ausführte.

Mehr registrierte häusliche Gewalt

Überhaupt nahm die Zahl der Delikte im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt deutlich zu (& 54 Prozent). Dies allerdings nicht, weil diese Art von Gewalt plötzlich explodiert wäre, sondern als Folge der entsprechenden Bundesgesetz-Änderung. Seit April 2004 ist häusliche Gewalt ein Offizialdelikt: Die Polizei muss auch ohne Anzeige eingreifen, wenn sie von einem Fall erfährt.

Insgesamt wurden 1427 Opfer häuslicher Gewalt und 1394 Tatverdächtige registiert. 80 Prozent der Opfer sind weiblich, 83 Prozent der Täter männlich. Aber die Frauen holen als Täterinnen auf: 2003 wurden 114 Männer als Opfer ihrer Ehefrau oder Partnerin registriert - im Jahr 2004 waren es 247.

Wie die Krista zudem ausweist, waren im vergangenen Jahr sechs Prozent der Täter Jugendliche bis 15 Jahre. Sie waren gegen ihre Eltern tätlich geworden. Bei den Opfern machen Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre 30 Prozent aus.

Sowohl bei Tätern wie bei Opfern sind laut Statistik rund die Hälfte Ausländer und Schweizer. Bei den Tätern macht der Ausländeranteil knapp 54 Prozent aus, bei den Opfern knapp 50 Prozent.

Jugendgewalt: Anhaltend kritisch

Bei der Jugendgewalt sei die Lage «anhaltend kritisch», sagte Marcel Suter. Die unter 18-Jährigen machten bei den Delikten gegen Leib und Leben 12,7 Prozent der Tatverdächtigen aus - im Jahr 2003 waren es 13,3 Prozent gewesen. Bei den Raubdelikten waren 39,4 Prozent (2003: 50,5 Prozent) der Tatverdächtigen Jugendliche.

Der Rückgang der Jugendgewalt gegenüber dem Vorjahr täusche allerdings, warnte Suter. Über mehrere Jahre betrachtet nehme die Jugendgewalt tendenziell zu. Er plädierte dafür, die Erwachsenengewalt mehr zu thematisieren; immerhin orientierten sich Kinder und Jugendliche am Verhalten der Erwachsenen.

Ausländer: Insgesamt weniger

Der Anteil Ausländer unter den Tatverdächtigen ist laut Kripo- Chef Bernhard Herren übers Ganze gesehen um 1,4 auf 47,3 Prozent zurückgegangen. Allerdings stieg er bei den Gewaltdelikten deutlich an. So waren bei den schweren Delikten gegen Leib und Leben 59,2 Prozent (Vorjahr 51,5 Prozent) der Tatverdächtigen Ausländer.

Drogen: Verlagerung

Bei den Drogendelikten schliesslich, vor allem beim Handel, ist laut Norbert Klossner eine Verlagerung aus der Stadt Zürich in die Agglomeration und nach Winterthur zu beobachten. Auch sich verändernde Konsumgewohnheiten und vorsichtigeres Verhalten im Hanf- Bereich machten sich bemerkbar.

So werde etwa deutlich, dass Heroin bei den Jungen nicht mehr so «in» sei: 2004 wurden 70,3 Kilo davon beschlagnahmt - im Jahr zuvor waren es noch fast 105 Kilo gewesen, 2002 gar knapp 145 Kilo. Dagegen wurden 247,9 Kilo Kokain (Vorjahr 147,9) sichergestellt.

Von Marihuana und Hanf wurden 2373 Kilo sichergestellt (Vorjahr 8595). Dieser markante Rückgang sei eine Folge davon, dass Hanfläden zurückhaltender etwa als Kleiderboutiquen aufträten, und dass kaum mehr grosse Hanffelder und nur noch kleine Indoor-Anlagen betrieben würden.

(sda)

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