Aktualisiert 15.04.2013 09:31

Urban FarmingZürich pflanzt bald Gemüse statt Blumen

Federnkohl statt Primeli heisst es ab 2014 auf diversen Verkehrsinseln in der Stadt Zürich – so etwa am Bürkliplatz. Zürich Tourismus hält diesen Standort aber für ungeeignet.

von
rom

Ab 2014 wird Zürich essbarer. Möglich machts das neue städtische Bepflanzungskonzept Kraut und Rüben. Konkret wachsen in öffentlichen Blumenrabatten bei Tramendhaltestellen und Verkehrsinseln künftig Federnkohl, Randen oder Krautstiel anstelle von Primeli und Stiefmütterchen in die Höhe. Die Bevölkerung darf dann gratis ernten, soll aber auch bei der Gartenarbeit mithelfen. «Der Trend passt gerade im Hinblick auf die 2000-Watt-Gesellschaft gut zu Zürich», sagt Lukas Handschin, Sprecher von Grün Stadt Zürich, zu einem Bericht in der NZZ am Sonntag. Mit dem Konzept reagiert die Stadt auf ein entsprechendes Postulat von SP-Gemeinderätin Simone Brander, das letzten Dezember überwiesen worden war.

Handschin ist allerdings vorsichtig optimistisch: «Die Umsetzung dürfte nicht einfach werden, da ein Grossteil der Bevölkerung mit Gärtnern wenig vertraut ist.» So befürchtet er, dass viel Gemüse zu früh geerntet werden könnte oder dass die Leute die Beete vernachlässigen. Handschin: «Für Grün Stadt Zürich bedeutet dies wohl Mehrarbeit.» Zudem seien nicht alle Beete für Nutzpflanzen geeignet. Jenes beim Alfred-Escher-Denkmal am Hauptbahnhof etwa wäre wegen der engen Platzverhältnisse und des vielen Verkehrs zu gefährlich. «Es kann nicht sein, dass jemand beim Rüebli ernten unters Tram gerät», sagt Handschin. Infrage kommen für ihn hingegen Standorte wie die Tramendhaltestelle Farbhof oder der Bürkliplatz.

Zürich-West ist geeigneter

Das sorgt bei Martin Sturzenegger, Direktor Zürich Tourismus, jedoch für Stirnrunzeln: «Bestehende gepflegte Blumenbeete an Tramhaltestellen wie solche am Bürkliplatz begrüssen wir und werden auch von Touristen geschätzt.» Potenzial für Urban Farming sehe er daher viel mehr an Orten, wo es noch wenig Grün hat – beispielsweise im urbanen Zürich-West. Sturzenegger: «Dort könnte ein solches Vorhaben durchaus spannend sein.»

Unabhängig davon ist noch fraglich, wie bekömmlich Gemüse ist, das mitten im Strassenverkehr wächst. Handschin von Grün Stadt Zürich sagt dazu: «Man wäscht ja das Gemüse vor dem Verzehr.»

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