Rad-WM 2024: Zürich riegelt ganzes Quartier für fünf Tage ab – Gewerbler sind verzweifelt

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Rad-WM 2024Zürich riegelt ganzes Quartier für fünf Tage ab – Gewerbler sind verzweifelt

Nächstes Jahr findet in Zürich die Rad-WM statt. Laut des Verkehrskonzepts der Stadt wird der Autoverkehr von und nach Witikon lahmgelegt.

von
Jonas Bucher
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Im Zürcher Quarter Witikon müssen die Einwohnerinnen und Einwohner während der Rad-WM ihr Auto stehen lassen.

Im Zürcher Quarter Witikon müssen die Einwohnerinnen und Einwohner während der Rad-WM ihr Auto stehen lassen.

Tamedia AG
Vor allem bei Handwerksbetrieben stösst das faktische Autoverbot auf Unverständnis.

Vor allem bei Handwerksbetrieben stösst das faktische Autoverbot auf Unverständnis.

Tamedia AG
Wenn beim Kunden eine verstopfte Toilette überlaufe, könne man ohne Auto nicht helfen, heisst es bei einem ortsansässigen Heizungs- und Sanitärgeschäft.

Wenn beim Kunden eine verstopfte Toilette überlaufe, könne man ohne Auto nicht helfen, heisst es bei einem ortsansässigen Heizungs- und Sanitärgeschäft.

Tamedia AG

Darum gehts

  • Während der Rad-WM 2024 werden in Zürich diverse Hauptachsen während des Rennbetriebs gesperrt sein.

  • Im Quartier Witikon müssen Handwerksbetriebe an fünf aufeinanderfolgenden Tagen ohne Auto auskommen.

  • Der Quartierverein unterstützt die Rad-WM, fordert jedoch «unkomplizierte Unterstützung» für das lokale Gewerbe.

«Das ist eine Katastrophe», sagt Beat Sutter, Präsident des lokalen Gewerbevereins von Witikon. Die Stadt Zürich plant wegen der Rad-WM 2024, dass während fünf aufeinanderfolgenden Tagen die mehr als 11’000 Einwohnerinnen und Einwohner sowie Dutzende Betriebe im Quartier Witikon ohne Auto auskommen müssen, wie die Tamedia-Zeitungen berichten. Die Sperren gelten demnach vom 25. bis 29. September tagsüber von fünf bis 19 Uhr.  Ebenso gesperrt werden während des Rennbetriebs mit der Bellerivestrasse und der Bergstrasse zwei weitere Hauptachsen. 

Jürg Christen, Projektleiter Verkehrsmanagement, hoffe, dass «die Leute sich anders organisieren werden». Also mit dem Velo oder mit dem ÖV in die Innenstadt fahren werden. Einzig Blaulichtorganisationen dürfen in Notfällen die Rennstrecke queren. Laut Mitteilung der Stadt Zürich bestehe während der Rad-WM jedoch auch für Witikon ein stark reduziertes ÖV-Angebot.

«Wir sind ratlos, wie es weitergehen soll»

Vor allem bei Handwerksbetrieben stösst das faktische Autoverbot auf Unverständnis. Sonja Siepmann vom Heizungs- und Sanitärgeschäft R. Werner AG in Witikon sagt gegenüber den Tamedia-Zeitungen: «Wenn wir fünf Tage ohne Auto auskommen müssen, können wir unseren Betrieb unmöglich normal weiterführen.»  Wenn beim Kunden eine verstopfte Toilette überlaufe, könne man ohne Auto nicht helfen. Man sei ratlos, wie es nun weitergehen soll. 

Richard Pfister führt in Witikon eine Schreinerei und Zimmerei. Er sagt:  «Unser Team fährt zwar nur sehr kurze Wege aus dem Quartier hinaus, aber ohne Auto geht es wegen des Materials nicht.» Komme es zur Strassensperrung, werde er den Betrieb in dieser Zeit schliessen müssen.

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Stadt sei mit Quartier in Kontakt

Eine Sprecherin der Dienstabteilung Verkehr teilt gegenüber den Tamedia-Zeitungen mit, dass die Stadt mit dem Quartier in Kontakt sei und es bei der Suche nach Lösungen unterstütze. Für den am Mittwoch publizierten Entscheid kann innert 30 Tagen Rekurs eingelegt werden.

Auf einen solchen werde der Quartierverein Witikon verzichten. Dort stehe man der Rad-WM positiv gegenüber, weil sie «in vielen Bereichen Impulse geben und das Velofahren in der Bevölkerung noch populärer machen» werde, wie Quartierpräsident und Grüne-Gemeinderat Balz Bürgisser sagt. Wegen der «massiven Einschränkungen» in der Mobilität, fordert er «unkomplizierte Unterstützung» für das lokale Gewerbe, das unter der Rad-WM leiden werde. Für betagte und mobilitätsbeeinträchtigte Menschen schlägt der Quartierverein einen Gratis-Taxidienst vor.  Auch dass der öffentliche Verkehr lediglich in zwei Richtungen durch den Busbetrieb aufrechterhalten werden soll, sei laut Bürgisser zu wenig. Es brauche auch Shuttlebusse von Witikon zum Bahnhof Stettbach und von der Eierbrecht zur Burgwies. 

Ausserdem fordert der Quartierverein, dass die Witiker Bevölkerung an einer Informationsveranstaltung im Quartier einbezogen wird. 

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