Aktualisiert

Zürich schenkt Haushalten 45 Franken

Im Frühjahr hatte der Preisüberwacher den Zürcher Stadtrat aufgefordert, die Abwassergebühren zu senken. Der Stadtrat sah dafür keinen Spielraum. Nach Überprüfung der Zahlen erhalten die Zürcher Haushalte nun doch einen befristeten Abwasser-Bonus.

Von 2008 bis 2010 erlässt die Stadt Betrieben und Haushalten insgesamt 60 Millionen Franken an Wassergebühren, wie Stadtrat und Tiefbauvorstand Martin Waser am Mittwoch vor den Medien ausführte. Man sei über die Bücher gegangen und habe festgestellt, dass die Rücklagen für Investitionen diesen Schritt rechtfertigten.

Konkret erlässt die Stadt den Haushalten und Betrieben während dreier Jahre den sogenannten Abwasser-Infrastrukturpreis - jährlich 20 Millionen Franken -, vorausgesetzt, das Parlament stimmt zu. Pro Wohnung werden dafür zurzeit jährlich 45, pro Vollzeitstelle in den Betrieben 50 Franken erhoben.

Trotz des Gebührenverzichts verfügt die Stadt laut Waser über ausreichende Reserven für anstehende Investitionen bei der Wasserentsorgung. Bis 2016 benötige man rund 200 Millionen Franken. Gemäss dem 2005 neu in Kraft gesetzten Gebührenmodell müssen die Abwassergebühren - ähnlich der Abfallgebühren - kostendeckend sein.

Strahm hatte interveniert

Der Gebührenerlass sei transparent, betonte Waser. Damit könnten Haushalte das Geld bei den Vermietern zurückfordern. Der Stadtrat empfiehlt diesen denn auch, fair zu sein, und die Kostensenkung an die Vermieter weiter zu geben. Unverändert in Kraft bleibt dagegen der verbrauchsabhängige Wasserentsorgungspreis von 1.62 Franken pro Kubikmeter.

Preisüberwacher Rudolf Strahm hatte empfohlen, die Abwassertarife in Zürich um 20 Prozent zu senken. Diese Forderung wurde auch durch eine Motion im Stadtparlament erhoben. Gleichzeitig kritisierte Strahm die Ungleichbehandlung von Haushalten und Unternehmen bei den Wasserentsorgungs-Gebühren und verlangte eine Gleichstellung.

Davon will der Stadtrat aber weiterhin nichts wissen, wie Waser deutlich machte. Die Stadt rechtfertigt die höheren Gebühren für die Wirtschaft unter anderem damit, dass zahlreiche Pendler täglich die städtische Infrastruktur benützen und entsprechend Abwasser produzieren. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.