Zürich: Seltsames Verschwinden von Briefen
Aktualisiert

Zürich: Seltsames Verschwinden von Briefen

Der Zürcher Stadtrat Gerold Lauber wehrt sich gegen die erneuten Vorwürfe, er habe seinen Briefverkehr nicht im Griff. Dabei kommen Ungereimtheiten zu Tage.

Als Anfang April im Schulhaus Bachtobel gleich drei Lehrer wegen eines Konfliktes mit der Schulleiterin ihre Kündigung einreichten hätte Gerold Lauber vorgewarnt sein müssen. Besorgte Eltern haben ihn bereits im Dezember in einem Brief auf die Situation aufmerksam gemacht. Gerold Lauber antwortete erst im März und entschuldigte die lange Reaktionszeit damit, dass der Brief «unters Eis» geraten sei. Gleiches passierte im Fall des Schulhauses Borrweg, als ein eingeschriebener Brief eines Vaters Lauber darauf aufmerksam machen sollte, dass eine Klasse mehrere Lehrer in kurzer Zeit verheizt hatte. Lauber hatte den Brief nicht gelesen.

In einem «Tages-Anzeiger»-Interview bestätigte Lauber diesen Sachverhalt und liess sich wie folgt zitieren: «In der Tat ist leider auch dieser Brief irgendwie untergegangen.»

Auch im jetzt von «Facts» recherchierten Fall eines gemobbten Lehrers im Schulhaus Friedrichstrasse antwortete Lauber erst nach einem halben Jahr auf dessen Hilferuf, mit dem fast schon inflationär benutzten Kommentar, der Brief sei «unters Eis» geraten, die entsprechende Email liegt 20minuten.ch vor.

Nun lässt Gerold Lauber in einem Mail an 20minuten.ch ausrichten, dass es nicht zutreffe, dass «wiederholt Schreiben untergegangen oder nicht beantwortet worden sind. In zwei andern Fällen, in denen ich selbst von unter das Eis geratenen Briefen gesprochen habe, meinte ich damit die verspäteten Antwortbriefe.»

Aus den Aussagen Laubers gegenüber dem «Tages-Anzeiger» geht das Gegenteil hervor.

SVP-Gemeinderat Roger Liebi, dessen Frau im Schulkreis Uto Schulpflegerin ist, hat von den Praktiken Laubers die Nase voll: «Nach diesem neuerlichen Fall eines angeblich vergessen gegangenen Briefs im Büro von Lauber ist auch das letzte Stück Vertrauen vollends weg.» Und: «Wir müssen uns eine Rücktrittsforderung schwer überlegen.»

Maurice Thiriet

Briefe «unterm Eis»

Schulhaus Friedrichstrasse:

Lehrer F. beklagt sich am 17.8.2006 schriftlich bei Stadtrat Lauber, er werde gemobbt.

Antwort am 6. Dezember von Lauber: «Am 18.8. ist ihr Brief bei uns eingetroffen. Leider geriet er dann irgendwie unters Eis.»

Schulhaus Borrweg:

Eltern beklagen sich per eingeschriebenem Brief vom 18. Februar bei Lauber über den Lehrerverschleiss einer Klasse.

Lauber sagt am 4. April gegenüber dem «Tages-Anzeiger»: «Es ist denkbar, dass dieser Brief nicht angekommen oder irgendwo untergegangen ist.»

Schulhaus Bachtobel:

Eltern orientieren Lauber in einem Brief vom 21. Dezember über die Spannungen unter der Lehrerschaft. Lauber meldet sich im März - zu spät.

Als Ende April drei Lehrer künden, sagt Lauber gegenüber den Medien, er Brief sei «unters Eis geraten».

Stellungnahme Lauber

«Es trifft nicht zu, dass bei mir wiederholt Schreiben untergegangen oder nicht beantwortet worden sind. Korrekt ist, dass ein an meine Privatadresse und in die Ferien nachgesandter Brief liegen blieb. In zwei andern Fällen, in denen ich selbst von unter das Eis geratenen Briefen gesprochen habe, meinte ich damit die verspäteten Antwortbriefe. Die nötigen Abklärungen bzw. Massnahmen hingegen wurden stets innert nützlicher Frist getroffen.»

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