«Cities of Choice»-Studie von BCG – Zürich verliert im Städtevergleich gegen Wien und Peking
Bietet immerhin viel Lebensqualität: die Stadt Zürich.

Bietet immerhin viel Lebensqualität: die Stadt Zürich.

Pexels/Incusion
Publiziert

Nur 59 von 100 PunktenZürich verliert im Städtevergleich gegen Wien und Peking

In einer internationalen Umfrage unter Stadtbewohnerinnen und -bewohnern schneidet Zürich nur mässig ab. In Peking, Wien und Madrid sind die Menschen zufriedener als in der grössten Schweizer Stadt.

von
Sonja Siegenthaler

Die Unternehmens- und Strategieberatungsfirma Boston Consulting Group (BCG) hat Bewohnerinnen und Bewohner aus 80 Städten auf der ganzen Welt befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind. Eine hohe Zufriedenheit sei von immer grösserer Bedeutung, denn sie trage zunehmend zur nachhaltigen Entwicklung einer Stadt bei.

Für das Ranking «Cities of Choice» wurden in der Schweiz nur die Zürcherinnen und Zürcher befragt. Das Ergebnis erstaunt: Mit 59 von 100 erreichbaren Punkten landet die Limmatstadt auf Platz 9 von 45 Städten, die es schliesslich in das Ranking geschafft haben.

Das von der Boston Consulting Group veröffentlichte Resultat der Umfrage.

Das von der Boston Consulting Group veröffentlichte Resultat der Umfrage.

Boston Consulting Group

Zürich bedeutet Lebensqualität

Immerhin schneidet Zürich bei der Lebensqualität gut ab: Mit 69 Punkten wurde diese gar besser bewertet als in London, New York, Helsinki, Kopenhagen, Abu Dhabi, Madrid und Pekingdie Metropolen, die die sieben vordersten Plätze erreichten.

Mit dem Klima ist die Bevölkerung Zürichs nicht zufrieden.

Mit dem Klima ist die Bevölkerung Zürichs nicht zufrieden.

Boston Consulting Group

So sind die Zürcherinnen und Zürcher etwa sehr zufrieden mit dem Bildungssystem, sie schätzen die Sauberkeit der Stadt, ebenso die vorteilhafte medizinische Versorgung, die Sicherheit und den öffentlichen Raum. In den Kategorien «Waren und Dienstleistungen» und «Klima» besteht Nachholbedarf, auch mit dem Angebot zur «Unterhaltung und Erholung» sind die Limmatstadtbewohnerinnen und -bewohner nicht zufrieden.

Sauber ist die Stadt Zürich.

Sauber ist die Stadt Zürich.

Unsplash / Claudio Schwarz

Aus wirtschaftlicher Sicht attraktiv – aus sozialer weniger

Aus der wirtschaftlichen Sicht bietet die bevölkerungsreichste Stadt der Schweiz besonders viel Zufriedenheit: Die Einkommensschere wird als klein empfunden, die Möglichkeit für die Karriereentwicklung und Chancen für Unternehmen hingegen als gross.

Nicht weiter erstaunlich: Zürich ist aus wirtschaftlicher Sicht sehr attraktiv.

Nicht weiter erstaunlich: Zürich ist aus wirtschaftlicher Sicht sehr attraktiv.

Boston Consulting Group

Dafür hinkt die Stadt in der Kategorie «Soziales Kapital» mit nur 47 von 100 Punkten hinterher. Auch wenn die Aspekte Inklusivität und Gleichberechtigung sowie soziale Beziehungen als ziemlich bis sehr zufriedenstellend empfunden werden, identifizieren mit der Kultur und Geschichte kann sich die Stadt kaum.

Auch das Mass an Sicherheit und Vertrauen, das Zürcherinnen und Zürcher erfahren, ist tiefer als gewünscht. Dazu wurde die Gesamtzahl von Straftaten, Morde und die Anzahl der Sicherheitskameras pro Flächeneinheit der Stadt berücksichtigt.

Zürcherinnen und Zürcher fühlen sich nicht sonderlich sicher in ihrer Stadt.

Zürcherinnen und Zürcher fühlen sich nicht sonderlich sicher in ihrer Stadt.

Boston Consulting Group

Zürich wird als undynamisch empfunden

Noch schlechter wird die Kategorie «Interaktion mit Entscheidungsträgern» bewertetviele Zürcherinnen und Zürcher finden, dass sie trotz der direkten Demokratie wenig Einfluss auf politische Prozesse in der Stadt hätten.

Trotz direkter Demokratie haben die Städterinnen und Städter nicht das Gefühl, politische Prozesse gross beeinflussen zu können.

Trotz direkter Demokratie haben die Städterinnen und Städter nicht das Gefühl, politische Prozesse gross beeinflussen zu können.

Boston Consulting Group

Mit nur 30 Punkten und somit im roten Bereich landet der letzte Aspekt, den die Boston Consulting Group untersucht hat: «Geschwindigkeit der Veränderung». Gemäss Umfrage ist die Stadt undynamisch und verändert sich nur langsam. Dafür mussten die Städterinnen und Städter etwa beantworten, ob ihre Stadt in den vergangenen drei Jahren ein besserer Lebensort geworden ist, ob sich ihre finanzielle Lage in dieser Zeitspanne verbessert hat, ob die Menschen in der Stadt kommunikationsfreudiger und toleranter geworden sind, oder ob sie den städtischen Behörden mehr trauen als noch drei Jahre zuvor.

Mit ihrer Kultur und Geschichte können sich Zürcherinnen und Zürcher kaum identifizieren.

Mit ihrer Kultur und Geschichte können sich Zürcherinnen und Zürcher kaum identifizieren.

Unsplash / Esteban Castle

Das negative Resultat sei aber gemäss BCG nicht weiter erstaunlich: So bieten entwickelte Städte wie Zürich oder San Francisco zwar ein hohes Niveau an Lebensqualität, weisen aber auch eine geringere Dynamik auf als jene, die am Aufholen seien. Genau solche Aspekte machen die Vergleiche zwischen Städten schwierig. So kann es auch sein, dass Menschen in entwickelten Städten mehr von der Stadtplanung erwarten als solche aus Schwellenländern.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

53 Kommentare