Nachtleben: Zürichs Dominanz schwindet
Aktualisiert

NachtlebenZürichs Dominanz schwindet

Die Club-Betreiber dürfen am Osterwochenende auf volle Häuser hoffen: Das Schweizer Nachtleben ist gut in Schuss – auch wenn die Partygänger in den letzten Jahren bequemer geworden sind.

von
Serge Kuhn
SDA
Längst wird nicht nur noch in Zürich gefeiert. Die kleineren Städte der Deutschschweiz haben aufgeholt.

Längst wird nicht nur noch in Zürich gefeiert. Die kleineren Städte der Deutschschweiz haben aufgeholt.

Das Partyvolk geht seltener aus und nimmt lange Wege nur noch ungern in Kauf. Die Zeiten, in denen die halbe Deutschschweiz jedes Wochenende nach Zürich zog, sind vorbei, wie Thomas Moll, Geschäftsführer des grössten Schweizer Nightlife-Portals «tilllate.com» gegenüber der Nachrichtenagentur SDA sagt. In Städten wie Bern, Basel, St. Gallen oder Luzern hätten sich eigenständige Szenen herausgebildet.

Mühe bekunden seit längerem die Clubs auf dem Lande - nicht zuletzt wegen des 2005 gesenkten Alkoholgrenzwertes für Autofahrer. Auch Abstecher ins grenznahe Ausland - etwa ins Elsass oder nach Vorarlberg - seien seltener geworden, beobachtet Moll.

Generell stellt er fest, dass viele Leute vor allem noch an den Samstagen richtig ausgehen. Der Donnerstag, der vor einigen Jahren ein beliebter Party-Termin war, ist laut Moll «nicht mehr gleich wichtig» im Schweizer Nachtleben und selbst an den Freitagen werde es für die Club-Betreiber schwieriger, ihre Häuser zu füllen.

Seltener, dafür länger

Der tilllate-Geschäftsführer macht für diese Entwicklung die gestiegenen Anforderungen am Arbeitsmarkt verantwortlich. Kaum einer kann es sich noch leisten, am Freitagmorgen komplett übernächtigt im Büro aufzukreuzen. Und die Samstage sind bei jüngeren Leuten oft für Weiterbildungen reserviert.

Wenn aber gefeiert wird, dann ausgiebig: Noel Blessing, Marketingleiter beim Portal usgang.ch, stellt einen Trend fest hin zu Afterhours, die in den frühen Morgenstunden erst beginnen und dann bis lange in den Sonntag hinein andauern.

Die Einschätzung, dass sich in den vergangenen Jahren auch ausserhalb von Zürich viel getan hat, bestätigt Blessing. Die Nightlife-Industrie sei mittlerweile in jeder Schweizer Stadt ein Millionen-Business, wobei die Party-Hauptstadt an der Limmat nach wie vor mit Abstand das breiteste Angebot aufweise.

Zwei Party-Metropolen

Matthias Ramer vom Zürcher Hotelier-Verein überblickt vor allem die besondere Kategorie der 25- bis 35-jährigen Party-Touristen, die sich auch mal ein Hotelzimmer leisten können. Er sieht hier weder bei den ausländischen noch bei den Schweizer Gästen Anzeichen für eine schwindende Anziehungskraft der Zürcher Clubszene.

Nur die Frankenstärke habe den Party-Tourismus aus Deutschland und Italien in den vergangenen Monaten etwas zurückgebunden, sagt Ramer gegenüber der SDA. Bei Schweizern zwischen 25 und 35, die am Wochenende ein Einzelzimmer in Zürcher Hotels der mittleren Preisklasse buchen, beobachtet er sogar eine Zunahme.

Als schweizweit derzeit «coolste und innovativste» Szene bezeichnet Blessing diejenige von Lausanne. Bei den Nightlife Awards, die usgang.ch im Dezember erstmals verlieh, teilten sich Zürich und Lausanne die wichtigsten Preise. Der beste Event findet demnach immer noch an der Limmat statt: die altehrwürdige Street Parade.

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