Steine-Skandal: Zürichs Strassen «Made in China»
Aktualisiert

Steine-SkandalZürichs Strassen «Made in China»

In ihren Strassen verbaut die Stadt Zürich Steine aus China - und propagiert die 2000-Watt-Gesellschaft. Die Behörden beteuern, dass zumindest keine Kinderarbeit im Spiel ist.

von
Roman Hodel
China-Steine, gesichtet an der Nordstrasse.

China-Steine, gesichtet an der Nordstrasse.

Verwundert reibt man sich in Wipkingen die Augen: Auf der Nordstrasse, wo derzeit Werkleitungen erneuert werden, stapeln sich Granitsteine mit der Aufschrift «Made in China». «Das ist ja wohl ein Witz», sagt ein Quartierbewohner. «Bei jeder Gelegenheit verweist die Stadt auf ihr Ziel 2000-Watt-Gesellschaft – aber die Steine für den Strassenbau lässt sie um die halbe Welt karren.»

Dabei könne man Granit auch in Norditalien beziehen. Ueli Kasser, Inhaber des Büros für Umweltchemie, sagt sogar: «Die Öko-­Bilanz eines Natursteins aus China ist schlechter als jene von norditalienischen Steinen.» Letztere würden zwar via Strasse geliefert, «doch die Schiffe aus Asien brauchen ebenfalls Öl und es lässt sich kaum prüfen, womit die Steine innerhalb des riesigen Landes China transportiert werden.»

Kosten vs. Umwelt

Laut Tiefbauamt-Sprecher Stefan Hackh steckt die Stadt in Gesprächen mit der Klimaschutz-Stiftung Myclimate, um die Öko-Bilanz zu klären. Er sagt zudem: «Die Randsteine kommen oft aus Norditalien – nur die Steine für Wasserrinnen stammen aus China.» Diese seien günstig, und die Stadt müsse auch auf die Kosten achten. Hackh: «China-Steine, die wir einbauen lassen, haben aber das Zertifikat, dass sie beispielsweise nicht von Kindern abgebaut wurden.»

Dies findet Grüne-Fraktionschef Markus Knauss zwar löblich, trotzdem mahnt er: «Gerade mit Blick auf die 2000-Watt-Gesellschaft muss die Stadt Bescheid wissen über die Öko-Bilanz und nicht nur den Preis beachten.»

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