Aktualisiert 09.07.2019 21:23

15-jährige Klima-Aktivistin

«Zuerst Einzelzelle, dann zurück in die Schule»

Am Montag wurden in Zürich und Basel Aktivisten verhaftet, weil sie Eingänge der UBS und der Credit Suisse blockiert hatten. Jetzt spricht eine der verhafteten Personen.

von
wed/maz
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Ein Grossteil der Aktivisten kam am Mittwoch frei. Zwei müssen in Haft bleiben.

Ein Grossteil der Aktivisten kam am Mittwoch frei. Zwei müssen in Haft bleiben.

20M
54 Aktivisten erhielten bereits einen Strafbefehl wegen Nötigung. Gegen sieben weitere Personen läuft ein Verfahren.

54 Aktivisten erhielten bereits einen Strafbefehl wegen Nötigung. Gegen sieben weitere Personen läuft ein Verfahren.

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Die 19-jährige Enora aus Genf (Mitte) war zwei Nächte in Haft: «Ich habe in der Zelle absichtlich geschrien.»

Die 19-jährige Enora aus Genf (Mitte) war zwei Nächte in Haft: «Ich habe in der Zelle absichtlich geschrien.»

Leser-Reporter/20M

Bei der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz und bei der UBS am Basler Aeschenplatz haben Aktivisten am Montag über mehrere Stunden die Zugänge versperrt. Sie fordern vom Schweizer Finanzplatz den sofortigen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas und beschuldigen die Schweizer Grossbanken, klimaschädliche Aktionen zu finanzieren.

In Zürich rückte die Polizei mit einem Grossaufgebot aus und verhaftete total 64 Aktivisten im Alter von 15 bis 65 Jahren. Noch am Dienstagabend müssen laut einer Mitteilung der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich 61 vorläufig festgenommene Personen für eine weitere Nacht in Haft bleiben.

Das führte am Abend zu weiteren Protest- und Solidaritätsaktionen rund um das Areal der Kantonspolizei Zürich. «Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Freunde klaut», wurde lautstark gerufen. und «Lüscher du Lusche» steht auf Transparenten an die Adresse des Staatsanwalts gerichtet.

Die Stadtpolizei bestätigte, dass gegen 150 Personen an einem Protestzug mitwirken würden. Zu Ausschreitungen sei es bisher nicht gekommen.

(Video: 20 Minuten/Leser-Reporter)

Verhafteter Sanitäter: «In der Zelle ist man sehr abgeschottet»

Arsène Formaz ist im Laufe des Dienstagnachmittags in Zürich freigelassen worden. Der 53-Jährige ist Betriebssanitäter von Greenpeace und teilte seine Gefängniszelle mit einem anderen Aktivisten: «Die Stadtpolizei war gestern sehr aggressiv, die Kantonspolizei hat dies nachher aber sehr gut gehandhabt. Es war aber ein rauf und runter, bis ich endlich freigelassen wurde.»

In der Zelle sei man sehr abgeschottet. «Mir wurde alles weggenommen, konnte nicht mal mit meiner Familie in Kontakt treten, die im Ungewissen war.» Trotz Verhaftung würde er wieder bei der Aktion mitmachen. «Das war keine Abschreckung. Ich bin stolz, fürs Klima einstehen zu können und werde sicher auch weitermachen», so Formaz.

Gleiches sagt die 15-jährige Paula Schmid, die schon seit Montagnachmittag wieder auf freiem Fuss ist: «Es ist nicht schön, wenn man sich für unsere Zukunft einsetzt und wie eine Schwerverbrecherin behandelt wird.» Sie sei rund fünf Stunden in einer Einzelzelle gewesen. «Dann ging ich kurz in die Schule, weil ich eine Präsentation hatte», so Schmid.

Aktivisten müssen bis Mittwoch in Haft bleiben

Doch viele ihrer Aktivisten-Kollegen und Kolleginnen hatten weniger Glück. Noch am Montagabend sitzen sie in Haft.

«Angesichts der aussergewöhnlich hohen Zahl von gleichzeitig 61 festgenommenen Personen, nehmen die damit verbundenen umfangreichen Ermittlungs- und Untersuchungshandlungen sehr viel Zeit in Anspruch», so die Begründung der Oberstaatsanwaltschaft. Erschwert würden die Verfahren von Polizei und Staatsanwaltschaft dadurch, dass die verhafteten Personen teilweise von ihrem Recht zur Aussageverweigerung Gebrauch machen.

«Ein Imageschaden für die Stadt Zürich»

Am Mittwochvormittag wird es aber so oder so Neuigkeiten geben für die Aktivisten: Aufgrund von Artikel 224 der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO) hat die Staatsanwaltschaft eine beschuldigte Person spätestens vor Ablauf von 48 Stunden nach Verhaftung auf freien Fuss zu setzen oder gegen sie beim Zwangsmassnahmengericht Antrag auf Anordnung von Untersuchungshaft zu stellen.

Für Frida Kohlmann, Sprecherin von Collective Climat Justice, ist das ein Imageschaden für die Stadt Zürich. «Es wird immer schockierender – das sind politische Gefangene! Ein Skandal!» In der Schweiz sei sowas bisher undenkbar gewesen, dass junge Menschen auf die Strasse gehen fürs Klima und dann so lange in Haft bleiben müssen.

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