Swiss will wegen Corona-Pandemie 780 Stellen abbauen – Vorgehen wird scharf kritisiert
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780 Mitarbeitende betroffen«Zuerst Finanzhilfen kassieren, dann Massenentlassungen ankündigen»

Die Swiss plant Hunderte von Stellen abzubauen. Gewerkschaften und Politik kritisieren das Vorgehen scharf. Die wichtigsten Antworten und Reaktionen.

von
Barbara Scherer
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Die Swiss will 400 Arbeitsplätze beim Kabinenpersonal streichen.

Die Swiss will 400 Arbeitsplätze beim Kabinenpersonal streichen.

Swiss
Weitere 120 Stellen im Cockpit sollen wegfallen.

Weitere 120 Stellen im Cockpit sollen wegfallen.

Swiss
Gesamthaft sollen bis zu 780 Mitarbeitende der Swiss entlassen werden.

Gesamthaft sollen bis zu 780 Mitarbeitende der Swiss entlassen werden.

Urs Jaudas

Darum gehts

  • Die Swiss kündigt Massenentlassungen an.

  • Zudem soll die Flugzeugflotte verkleinert werden.

  • Die Airline will so bis zu 500 Millionen Franken einsparen.

  • Gewerkschaften und die Politik kritisieren das Vorgehen scharf.

Die Corona-Krise trifft die Swiss hart. Die Airline verzeichnet grosse finanzielle Verluste. Um Geld zu sparen, will die Fluggesellschaft nun hunderte Stellen streichen und die Flotte verkleinern. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist passiert?

Aufgrund der Pandemie hat die Swiss im ersten Quartal einen Verlust von 201 Millionen Franken geschrieben. Jetzt zieht die Fluggesellschaft Konsequenzen: Bis zu 780 Mitarbeitende sollen entlassen und 650 Vollzeitstellen abgebaut werden. Zudem wird die Flotte um 15 Prozent reduziert. Mit diesen Massnahmen will die Airline 500 Millionen Franken einsparen. Deshalb wurde nun ein Konsultationsverfahren eingeleitet. Es ist aber noch kein finaler Entscheid gefallen, heisst es vonseiten der Swiss.

Welche Stellen sind betroffen?

Von den betroffenen Stellen fallen die meisten auf das Kabinenpersonal: 400 Arbeitsplätze sollen dort abgebaut werden. Beim Bodenpersonal trifft es 200 Stellen und 120 im Cockpit. In der Technik sind weitere 60 Arbeitsplätze vom Stellenabbau betroffen. Für die meisten Angestellten liegen laut Swiss Sozialpläne auf – ausser für die Piloten. Hier wird das Unternehmen zurück an den Verhandlungstisch mit der Gewerkschaft Aeropers sitzen müssen.

Was sagen die Gewerkschaften?

Die Massenentlassung sei ein Schuss ins eigene Knie, schreibt die grösste Gewerkschaft des Bodenpersonals SEV-GATA in einer Medienmitteilung. Die Swiss riskiere damit einen Mangel an Fachkräften im Wiederaufschwung des Luftverkehrs. «Zudem vernachlässigt sie ihre soziale Verantwortung für die Mitarbeitenden», sagt Gewerkschaftspräsident Philipp Hadorn. Es sei alles daran zu setzen, die Arbeitsplätze zu sichern. Das sieht auch die Gewerkschaft des Kabinenpersonals Kapers so. «Zudem fordern wir eine Verbesserung des bestehende Sozialplans», sagt eine Sprecherin zu 20 Minuten. Betroffene müssen bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle besser unterstützt werden.

Und wie reagiert die Politik?

Die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) bedauert den Stellenabbau bei der Swiss sehr. Der Personalabbau untermauere die Wichtigkeit einer baldigen Rückkehr zur Reisefreiheit, heisst es auf Anfrage. Diese Forderung hat der Zürcher Regierungsrat mehrfach beim Bundesrat deponiert, zuletzt Mitte April beim Treffen mit Bundespräsident Guy Parmelin am Flughafen. «Es geht eben nicht nur ums Fliegen, um Ferien, um Abenteuer. Es geht um Tausende wertvolle Arbeitsplätze», so Walker Späh. Die SP kritisiert das Vorgehen der Swiss scharf: Erst erhalte die Airline Finanzhilfen in Milliardenhöhe. «Danach lassen sich die Top-Manager Boni auszahlen. Und jetzt zahlen die Angestellten mit der Massenentlassung die Zeche», schreibt die Partei auf Twitter:

Auch Bundesrat Guy Parmelin (SVP) meldet sich auf Twitter zu Wort: Er bedauere die geplante Massenentlassung der Swiss. «Der Bund und die betroffenen Behörden bemühen sich, die Auswirkungen abzuschwächen», schreibt er weiter.

Welche Flugzeuge verschwinden aus der Flotte?

15 Flugzeuge würden gemäss dem aktuellem Flottenstand veräussert oder ausser Betrieb genommen. Auf der Kurz- und Mittelstrecke würde sich die Anzahl Flugzeuge durch die Ausflottung von Maschinen der Airbus A320-Familie und der Reduktion im Wetlease-Bereich demnach von 69 auf 59 reduzieren, schreibt die Swiss. Im Langstreckenbereich beabsichtigt Airline ihre Flotte von 31 auf 26 Flugzeuge zu verkleinern. Dabei würden fünf Flugzeuge aus der Airbus-Familie ausser Betrieb genommen werden.

Wirkt sich das auf den Flugplan aus?

Infolge der rückläufigen Nachfrage müssen laut Swiss sowohl auf der Kurz- und Mittelstrecke als auch im Langstreckenbereich die Frequenzen gegenüber 2019 voraussichtlich reduziert werden. Einzelne interkontinentale Direktverbindungen werden zudem im Moment nicht mehr aufgenommen.

Braucht die Swiss noch mehr Geld vom Bund?

Die Swiss hat vom Bund einen Bankkredit in Höhe von 1,5 Milliarden Franken zugesprochen bekommen, für den der Bund zu 85 Prozent bürgt. Dank frühzeitig eingeleiteter Massnahmen, wie Kurzarbeit und Investitionsstopps, hat die Airline bisher weniger als die Hälfte des Kredits bezogen. «Damit ist die Liquidität von Swiss weiterhin gesichert», sagt Finanzchef Markus Binkert. Ob die Fluggesellschaft erneut Geld vom Staat braucht, hängt laut Aviatik-Dozent Agius nun von den Sommermonaten ab – diese seien matchentscheidend. «Was eine Fluggesellschaft in den Sommermonaten nicht erwirtschaftet, wird sie im restlichen Jahr kaum mehr gutmachen können», so Agius.

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