Wolf im Skigebiet : «Zuerst hatte ich Angst»
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Wolf im Skigebiet «Zuerst hatte ich Angst»

Ein News-Scout konnte am Mittwoch unweit des Skigebietes Lenzerheide einen Wolf beobachten. Die Betreiber des Skigebietes sehen momentan keinen Anlass zur Sorge. Es bestehe keine Gefahr für Gäste.

von
Leo Butie

Hier siehst du den Wolf beim Skigebiet Lenzerheide.

20min-Community

Darum gehts

  • Ein News-Scout hat in der Lenzerheide einen Wolf gesichtet.

  • Es sei ein Novum in der Nähe des Skigebietes Lenzerheide.

  • Sie fragt sich, ob man nun etwas gegen die Wolfspopulation machen muss.

  • Die Verantwortlichen gehen von einem Ausnahmefall aus und verzichten auf Massnahmen.

  • Wölfe auf Skipisten kommen ab und zu vor, wie mehrere Sichtungen von News-Scouts zeigen.

Im Kanton Graubünden werden immer wieder Wolfsichtungen gemeldet. Doch ein Wolf in der Nähe eines Skigebiets ist eher ungewöhnlich. News-Scout Marianne Annaheim stach beim Gertrud-Skilift beim Piz Danis im Skigebiet Lenzerheide am Mittwochmittag etwas ins Auge. «Zuerst dachte ich, es sei ein Hund», sagt Annaheim. Doch es war weit und breit kein potentieller Besitzer anwesend. «Es musste sich also um einen Wolf handeln», so Annaheim. Im ersten Moment war es etwas unangenehm. «Ich hatte schon ein wenig Angst, dass sich ein Wolf bei Tageslicht so nahe bei der Skipiste aufhält», meint Annaheim.

Sie gehe seit Jahren in der Lenzerheide Skifahren, doch ein Raubtier habe sie im Skigebiet noch nie gesehen. «Es zeigt meiner Meinung nach, dass etwas gegen die Wolfpopulation unternommen werden muss», findet die 70-Jährige.

Keine Gefahr für Gäste

Für das Skigebiet Lenzerheide ist es ein Novum, dass in der Nähe der Pisten ein Wolf gesichtet wird. «Nein, bisher waren uns keine Wolfsichtungen bekannt. Weder von Technikern noch Pistenfahrzeugfahrern oder anderen Mitarbeitenden, die in der Natur unterwegs sind, wurden bisher Wölfe innerhalb des Schneesportgebiets gesichtet», sagt Peter Engler, CEO der Lenzerheide Bergbahnen AG. Es sei aber bekannt, dass ein Wolfsrudel in der Region Albula lebe.

Für Skitouristen bestehe indes keine Gefahr. «Nach Rücksprache mit dem Amt für Jagd und Fischerei Graubünden ist davon auszugehen, dass diese Wölfe menschscheu sind somit keine Gefahr für die Gäste des Schneesportgebiets besteht», führt Engler aus. So sei es ein Ausnahmefall, wenn sich ein Wolf tagsüber im freien Gelände bewege. Das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden werde die Situation dennoch im Auge behalten.

Für den Moment möchte das Skigebiet noch nichts unternehmen, da man davon ausgehe, dass es sich um einen Ausnahmefall handelt. «Sollte es erneut zu einer Wolfsichtung kommen, wird umgehend mit der zuständigen Behörde Kontakt aufgenommen und es werden allfällige weitere Schritte eingeleitet», sagt Fengler.

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Ein Wolf wurde von einem News-Scout unweit der Pisten gefilmt. 

Ein Wolf wurde von einem News-Scout unweit der Pisten gefilmt.

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Es ist nicht das erste Mal, dass Wölfe in Skigebieten gesichtet werden. Dieser Wolf wurde anfangs Januar in Obersaxen Mundaun GR fotografisch festgehalten. 

Es ist nicht das erste Mal, dass Wölfe in Skigebieten gesichtet werden. Dieser Wolf wurde anfangs Januar in Obersaxen Mundaun GR fotografisch festgehalten.

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Der Wolf gehörte wahrscheinlich zum Valgronda-Rudel.

Der Wolf gehörte wahrscheinlich zum Valgronda-Rudel.

Leser-Reporter

Weitere Sichtungen in Schweizer Skigebieten

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Wolf in der Nähe eines Schweizer Skigebiets beobachtet wurde. Letztes Jahr wurden zwei Wölfe von einem News-Scout gefilmt, die am frühen Morgen eine Skipiste im Skigebiet Flumserberg SG überquerten. Die Wölfe seien im Gebiet heimisch, sagte damals Dominik Thiel, Leiter des St. Galler Amts für Natur, Jagd und Fischerei. Am Morgen sei eine solche Sichtung nicht tragisch. Man müsste sich Sorgen machen, wenn dabei viele Menschen auf der Piste wären. Der Wildhüter wurde durch die Bergbahnen Flumserberg AG umgehend informiert.

Auch in Obersaxen Mundaun GR wurde Anfang letzten Jahres ein Wolf gesichtet, der auf der Skipiste beim Kinderland unterwegs war. Das Tier gehörte höchstwahrscheinlich zum Val-Gronda-Rudel, sagte Adrian Arquint, Jagdinspektor vom Amt für Jagd und Fischerei in Graubünden. Seit 2019 wurde das Rudel in Siedlungsnähe beobachtet. Es sei nicht wünschenswert, wenn sich Wölfe an die Präsenz von Menschen gewöhnen und den Respekt verlieren.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Tierschutz Schweiz (anonym möglich)

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