Prozess: Zuerst oben-ohne, dann vergewaltigt
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ProzessZuerst oben-ohne, dann vergewaltigt

Getarnt als Mode-Fotograf soll ein Mann zahlreiche Mädchen aus der Ostschweiz sexuell missbraucht haben. Wegen Vergewaltigung, sexueller Handlungen mit Kindern und weiterer Delikte droht dem Schweizer eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren.

Der Prozess gegen den Modefotografen findet am kommenden Donnerstag statt. Das jüngste Opfer war 12 Jahre alt, als der Angeklagte das Mädchen im Jahr 2001 in einem Internet-Chatroom ansprach. Der heute 29-Jährige versprach dem Kind eine Model-Karriere und lockte es zum Fotoshooting in seine Wohnung in St. Gallen.

Beim ersten Mal begnügte sich der angebliche Mode-Fotograf noch mit Oben-ohne-Fotos. Beim nächsten Treffen wollte der Angeklagte die 12-Jährige verführen. Als sich das Mädchen wehrte, vergewaltigte er sie. Der Angeklagte habe das Alter seines Opfers genau gekannt, weil er mit ihm einen vorgetäuschten Model-Vertrag abgeschlossen habe, stellte der Untersuchungsrichter fest.

Ähnlich erging es zwei weiteren Mädchen, die von einer Model-Karriere träumten und sich im Studio des Angeklagten fürs Fotoshooting auszogen. Laut den Aussagen der damals 14- und 15-Jährigen, die sich nach Medienberichten bei der St. Galler Staatsanwaltschaft meldeten, wurden sie vom angeblichen Mode- Fotografen vergewaltigt.

Model-Karriere versprochen

Der Angeklagte soll zahlreiche Minderjährige aus der Ostschweiz sexuell missbraucht haben. Dabei verwendete er immer denselben Trick: Er sprach im Internet, auf der Strasse oder in einer Bar junge Mädchen an und versprach ihnen eine Karriere als Fotomodell. Nachdem er sich das Vertrauen seiner Opfer erschlichen hatte, lockte er sie in sein Fotostudio und liess sie fingierte Model-Verträge unterschreiben.

Zuerst durften die Jugendlichen in den mitgebrachten Kleidern posieren, dann machte der Angeklagte Nacktaufnahmen und wollte mit ihnen ins Bett. Wenn sich ein Mädchen wehrte, drohte er ihm, die Nacktbilder im Internet zu veröffentlichen oder die Eltern zu informieren.

Angeklagter ist pädophil

Gemäss einem psychiatrischen Gutachten ist der Angeklagte pädophil. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei zahlreiche Bilder mit Kinder- und Tierpornografie. Obwohl bereits ein Verfahren gegen ihn lief, machte der Angeklagte weiter und missbrauchte weitere Mädchen.

Wegen mehrfacher Vergewaltigung verlangt die Anklage eine Freiheitsstrafe von neun Jahren. Während des Strafvollzugs, den der 29-Jährige bereits angetreten hat, soll er eine Psychotherapie machen.

Weil der Angeklagte während der Strafuntersuchung erneut wegen mehrfacher Pornografie und Drohung straffällig geworden ist, beantragt die Staatsanwaltschaft eine Zusatzstrafe von einem Jahr Freiheitsentzug.

(sda)

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