Kreislaufwirtschaft: Zufällig nachhaltiges Batterie-Recycling entdeckt

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KreislaufwirtschaftZufällig nachhaltiges Batterie-Recycling entdeckt

Dank eines Zufalls hat ein Umweltingenieur eine Methode gefunden, mit der sich Batterien ohne viel Energie und nur mit Wasser über 90 Prozent rezyklieren lassen. Die Erfindung ist weltweit von Bedeutung.

von
Jan Graber
Stiess beim Schreiben einer Abschlussarbeit zufällig auf die umweltschonende Batterie-Recycling-Methode: Olivier Groux.

Stiess beim Schreiben einer Abschlussarbeit zufällig auf die umweltschonende Batterie-Recycling-Methode: Olivier Groux.

Jan Graber

Darum gehts

Als der Umweltingenieur Olivier Groux nach einer Methode sucht, Batterie-Recycling nachhaltiger zu machen, hält er eines Tages eine Batterie in den Händen, die nicht vollständig entladen ist. Die Batterie mit Restspannung kommt in Kontakt mit Wasser und Groux stellt fest, dass sich die Komponenten der Batterie von selbst trennen.

Die Entdeckung ist ein Zufall. Er versucht, den Prozess zu wiederholen, bleibt zuerst aber erfolglos. Doch Groux erkennt, dass er auf etwas gestossen ist, das nicht nur sein Problem lösen, sondern auch weltweit von Bedeutung sein könnte.

Gehen wir aber zuerst einen Schritt zurück. Groux ist in der Ausbildung zum Umweltingenieur. Er sucht nach einem Ort, um seine Arbeit über Batterien zu schreiben. Das Forschungsinstitut Empa vermittelt den Kontakt zu Kyburz, dem Hersteller der schweizweit bekannten dreirädrigen Postfahrzeuge. Der Auftrag: Er soll nachhaltige Batterie-Recycling-Prozesse erforschen.

Vereinfachung auf allen Ebenen

Denn die bestehenden Batterie-Recycling-Verfahren sind aufwändig, teuer und intransparent. Entweder werden die Lithium-Ionen-Batterien, wie sie zum Beispiel in E-Autos verbaut sind, verbrannt und so getrennt. Die Ausbeute ist jedoch gering.

Zu besseren Resultaten führt die Hydrometallurgie. Hierbei werden die Batterien geschreddert und die Materialien chemisch in ihre Bestandteile aufgetrennt. Doch: «Das Verfahren ist teuer, langsam und die chemischen Stoffe könnten ins Wasser gelangen», sagt Groux. Die Intransparenz im Recycling-Geschäft sei hoch und bringe die Gefahr der unsauberen Entsorgung mit sich.

Was uns zurück zu Kyburz und der Suche nach einer besseren Lösung bringt. Nach vielen Experimenten kann Groux die Bedingungen wiederherstellen, die beim ersten zufälligen Versuch zum Erfolg führten. Groux hat damit eine Recycling-Methode entwickelt, die mit kleinem Energieaufwand und Einsatz nur von Wasser über 90 Prozent der Batterie-Rohstoffe zurückgewinnt. Ein weiteres Plus: Das Verfahren ist günstig.

Erste Recycling-Batterie bereits gebaut

Von Kyburz erhält er grünes Licht zur Weiterentwicklung und entwirft zusammen mit einem Appenzeller Unternehmen eine Recycling-Anlage. Die fertige Anlage ist klein: Mit ihr lässt sich die Batterie kontrolliert entladen, das Gehäuse aufschneiden und der Kern mit Luftdruck herausdrücken. Danach wird das Innere mit Groux’ Verfahren getrennt.

«Mit dieser Anlage können wir pro Jahr 200 Tonnen Batterien rezyklieren», sagt er. Recycling sei aber nicht nur bei fertigen Batterien wichtig: Bis zu 30 Prozent der Stoffe fielen bei der Batterieproduktion als Abfall an. Sie würden bereits in diese Richtung weiterforschen.

«Der Markt ist jedoch noch klein», sagt Groux. Mit dem wachsenden Bedürfnis nach Waren-Kreisläufen wird sich dieser jedoch unweigerlich entwickeln. Auch hätten sie diesen Sommer beweisen können, dass sich mit den rezyklierten Materialien eine einwandfrei funktionierende Batterie herstellen lässt. Der Kreislauf ist geschlossen. 

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