«Time-out»: Zug ist mit oder ohne Final das Team des Jahres
Aktualisiert

«Time-out»Zug ist mit oder ohne Final das Team des Jahres

Der EV Zug ist die Mannschaft des Jahres. Selbst wenn es nicht fürs Finale reichen sollte. Denn in der Innerschweiz wird vieles richtig gemacht.

von
Klaus Zaugg

Die Zuger haben das beste Argument dafür geliefert, das Lohnbudget zu halbieren. Nicht teure Stars bringen Erfolg. Sondern das Team. Es lohnt sich nicht, Spieler, die gehen wollen, mit himmelhohen Salären aufzuhalten. Spieler kommen und gehen, ein Klub bleibt bestehen. Wenn je aufgezeigt worden ist, dass Eishockey, wie die Nordamerikaner sagen, der letzte wahre Mannschaftsport ist – dann durch den EV Zug in der Saison 2012/13.

Beim Saisonstart ist noch nicht einmal sicher, ob die Zuger überhaupt die Playoffs erreichen. Liga-Topskorer Damien Brunner wechselt in die NHL zu Detroit. Und tatsächlich beginnen die Zuger die Saison im Tabellen-Keller. Aber die NHL-Saison beginnt nicht. Damien Brunner, Rafael Diaz und Henrik Zetterberg kommen nach Zug und bringen die Mannschaft in die Spitzengruppe der Liga zurück. Diese Herrlichkeit geht im Januar scheinbar zu Ende: Die NHL-Saison beginnt. Am 5. Januar bestreiten Brunner, Zetterberg und Diaz ihr letztes Spiel für Zug (0:4 gegen den SCB). Erneut wird die Frage erörtert, ob jetzt doch noch die Playouts drohen.

Zusammenarbeit des Teams als Qualität

Namen sind halt doch nur auf dem Dress aufgenähte Buchstaben. Ohne ihre drei besten Feldspieler beenden die Zuger die Qualifikation auf Rang drei. Sie kippen Lugano im Viertelfinale in sieben Spielen aus den Playoffs und erstmals unter Doug Shedden erzwingen sie im Halbfinale (gegen den SCB) ein siebtes Spiel.

Seit Doug Shedden Zug im Sommer 2008 übernommen hat, ist der Zusammenhalt der Mannschaft die herausragende Qualität. Im Frühjahr 2013 so ausgeprägt wie nie. Weil jeder einzelne mehr leistet, werden die Stars ersetzt. Um es in einem etwas kuriosen Rechenbeispiel zu erklären: Wenn mit drei Stars 300 Prozent Leistungsvermögen verloren gehen, dann wird es kompensiert, wenn jeder der 20 Feldspieler 20 Prozent mehr leistet (= 400 Prozent). Der alte Leitwolf Josh Holden führt das Team und ist Playoff-Topskorer. Lino Martschini, erst 20 Jahre alt und noch ohne richtigen Playoff-Bartwuchs, ist der der zweitbeste Playoffskorer im Team. Dabei verdient er nicht einmal 90'000 Franken.

Es wird nicht jeder Star bezahlt

Die Zuger haben unter Präsident Roland Staerkle, Manager Patrick Lengwiler und Trainer Doug Shedden eine starke Kultur aufgebaut. Im Verwaltungsrat sitzen zwar wohlbestallte Männer mit abgeschlossener Vermögensverwaltung. Sie könnten, wenn sie denn wollten, jeden Star bezahlen. Aber sie tun es nicht. Und so ist in Zug der Geist stärker als das Geld. Die Zuger gehen haushalterisch mit ihren Mitteln um, unternehmerisches Denken hat sich durchgesetzt und sie spielen auf Augenhöhe mit den Titanen der Liga.

Obwohl die Mannschaft, wenn wir die eingesetzten Mittel und vorhandenen Möglichkeiten betrachten, für den SCB eigentlich ein «Freilos» sein sollte. Auch wenn es nicht zum Finaleinzug reichen sollte – die Zuger haben in dieser Saison alles richtig gemacht. Und wenn sie diesen Kurs halten, dann wird es eher früher als später auch zu einem zweiten Meistertitel reichen. In dieser Saison ist der EV Zug so oder so das Team des Jahres.

Wie gross ist Sheddens Anteil?

Gehört dann auch Doug Shedden der Titel «Coach des Jahres»? Ja. Auch dann, wenn er erneut nicht übers Halbfinale hinaus kommen sollte. Er ist so zwar der charismatischste Verlierer ausserhalb der NHL. Aber in gewisser Weise wird er für seine Tüchtigkeit bestraft: Er holt aus seiner Mannschaft ein Maximum heraus. Nicht durch «auspressen» der besten Spieler. Sondern weil er es versteht, jenen «Groove» zu kreieren, der es jedem möglich macht, seine beste Leistung abzurufen.

Weil er jedem Spieler nicht nur eine Rolle zuweist. Sondern auch dafür sorgt, dass er diese Rolle ohne zu Murren im Dienste der Mannschaft spielt. «Teambuilding» eben. Wenn es dann doch nicht fürs Finale reicht, ist er eben ein Verlierer. Dabei sind fünf Halbfinals in Serie in Zug höher einzustufen als in Bern fünf Finals hintereinander. Der Sport ist gnadenlos. «The Winner Takes It All.» Die Trainer werden am Resultat gemessen. Meister und Finale gut. Sonst nicht gut.

Doch der beste Trainer ist der, der aus den ihm zur Verfügung stehenden Spielern ein Maximum herausholt. Nach dem Motto, das der legendäre Meisterspieler, Meistermanager, Nationalspieler, Nationalrat und Nationaltrainer kreiert hat: «Mach mit däm, wot hesch, dert, wot bisch, das, was chasch.» («Mach mit dem, was du hast, dort wo du bist, das, was du kannst»).

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