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«Time-out»Zug verschenkt den Meistertitel – na und?

Der EV Zug ist zum dritten Mal in Serie unter Doug Shedden im Halbfinale gescheitert. Mit einer Mannschaft, die zum Meisterteam umgebaut werden könnte.

von
Klaus Zaugg
Der EV Zug ist zum dritten Mal in Folge im Halbfinal ausgeschieden.

Der EV Zug ist zum dritten Mal in Folge im Halbfinal ausgeschieden.

Erinnern Sie sich noch an die ZSC Lions aus der Saison 1999/2000? Nein? Nun, hier ein Blick zurück, der die verpassten Chancen des EV Zug erklärt: Die ZSC Lions gewannen damals das Finale gegen den haushohen Favoriten Lugano. Die Differenz zwischen den Löwen und den Tessinern war damals grösser als heute zwischen dem EV Zug und dem HC Davos. Und warum gewannen die Zürcher trotzdem? Weil sie die wichtigsten Positionen (Trainer, Ausländer, Torhüter) optimal besetzt hatten.

Wenn der EV Zug im Tor den Ari Sulander des Jahres 2000 hätte und neben den Stürmern Josh Holden und Glen Metropolit einen ausländischen Verteidiger wie Adrien Plavsic, den ZSC-Meisterschützen von 2000 – ja, dann hätte der EV Zug realistische Chancen auf den Gewinn des Titels. Mit einem erstklassigen Schweizer Goalie und zwei überdurchschnittlichen ausländischen Verteidigern erst recht.

Markkanen ist kein Meistergoalie

Die Zuger haben die Schweizer Spieler zum Gewinn der Meisterschaft. Aber nicht den Torhüter, den Trainer und die Ausländer. Jussi Markkanen ist dann, wenn es wirklich darauf ankommt, mental zerbrechlich wie eine billige Uhr. Das ist keine Überraschung: Das war nämlich bei Markkanen schon während seiner ganzen Karriere so. Mit Markkanen wird Zug nicht Meister. Den ausländischen Torhüter im alles entscheidenden Spiel auswechseln zu müssen, ist die Höchststrafe.

Zum dritten Mal hintereinander hat sich gezeigt: Doug Shedden ist der perfekte Antreiber und Entertainer während der Qualifikation. Shedden rockt und der EVZ rollt. Aber in den Playoffs verliert der Kanadier den Überblick. Der Hitzkopf ist dann, wenn es wirklich drauf ankommt, der Nervenbelastung nicht gewachsen. Das ist keine Überraschung: Das war nämlich bei Shedden schon während seiner ganzen Europa-Karriere so. Er weiss nicht, wie man ausserhalb Nordamerikas Meister wird.

Neuer Torhüter und neuer Coach als Lösung?

Die Lösung wäre also einfach: Zugs Sportmanager Patrick Lengwiler ersetzt Jussi Markkanen durch einen erstklassigen Torhüter. Und er holt einen charismatischen Bandengeneral, der weiss, wann es Zeit ist zu Toben und wann es Zeit ist, cool zu bleiben. Es hat schon seinen Reiz, darüber zu spekulieren, was Coaches wie Andy Murray, Chris McSorley, Arno Del Curto, Larry Huras oder John Fust aus dem Rohdiamanten EV Zug machen könnten.

Aber wenn wir die Sache ganz nüchtern betrachten, macht es durchaus Sinn, Markkanen zu behalten und Shedden alle Freiheiten zu gewähren. Erstens wäre die Ausmusterung des Finnen mit hohen Kosten verbunden: Er hat einen Vertrag bis 2013 und diesen Kontrakt übernimmt auf der ganzen Welt kein Hockey-Manager, der bei Sinnen ist. Zweitens ist der Versuch einer Zähmung von Doug Shedden mit viel Arbeit und Ärger verbunden. Eher entsagt Bill Clinton jeder Form von Sex als dass Doug Shedden an der Leine von Patrick Lengwiler trabt.

Das beste und sicherste Geschäft für den EVZ

Es gibt im Leben und im Eishockey keine Garantien: Auch ein Torhüter wie eine 2000er-Ausgabe von Ari Sulander und ein Coach wie Andy Murray bieten keine Titel-Garantie. Das beste und sicherste Geschäft machen die Zuger ...

... wenn es in der Qualifikation rockt und rollt.

... wenn es in dramatischen Viertelfinals grad fürs Halbfinale reicht, dort Lichterlöschen ist und keine Meisterprämien anfallen, die sowieso den Ertrag aus mehreren Heimspielen verschlingen.

... wenn die Mannschaft trotz allem so gut ist, dass die Hoffnung bleibt, nächste Saison könnte es vielleicht doch reichen, und alle deshalb wieder ein Saisonabonnement kaufen.

So ist maximales Geldverdienen vom September bis im März möglich. Da spielt ein verschenkter Titel im April eigentlich keine Rolle. Der EV Zug verschenkt Meistertitel – na und?

Wir können es noch einfacher sagen: Lieber den Spatz der Halbfinals in der Hand als die Taube des Meistertitels auf dem Dach. Die Zuger müssen sich bloss vor Langweile hüten, dieser Todsünde des Sportgeschäftes. Gerade Jussi Markkanen und Doug Shedden garantieren, dass es in Zug nie windstill und langweilig wird.

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