Chriesi werden knapp: Zug will Wachstum verlangsamen
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Chriesi werden knappZug will Wachstum verlangsamen

Der Kanton Zug droht Opfer seines eigenen Erfolges zu werden. Jetzt will der Regierungsrat Gegensteuer geben. Nach Jahrzehnten mit überdurchschnittlicher Dynamik ist in den nächsten Jahren verlangsamtes Wachstum angesagt.

Den Kompass für die künftige politische Arbeit gestellt hat die Zuger Regierung in einer Strategie für die Jahre 2010 bis 2018, in Legislaturzielen für die Jahre 2010 bis 2014 und einem Leitbild für die Verwaltung. Laut Landammann Peter Hegglin handelt es sich um eine Premiere. Es sei das erste Mal, dass eine Mehrjahresstrategie entwickelt worden sei.

Präsentiert wurden die Zielsetzungen am Dienstag an einer Medienkonferenz in Zug - sechs Monate vor der Gesamterneuerungswahl des Regierungsrates. Hegglin begründete das ungewohnte Vorgehen mit der langen Entwicklungszeit. Zudem stellten sich alle sieben Mitglieder des Regierungsrates am 3.Oktober zur Wiederwahl und hofften darauf, ihre politische Arbeit fortsetzen zu können.

Sechs Herausforderungen

Unter dem Leitmotiv «Mit Zug einen Schritt voraus» hat der Regierungsrat 24 übergeordnete strategische Ziele definiert, die auf 16 Erfolgsfaktoren beruhen, wie Projektleiter Gianni Bomio, Generalsekretär der Volkswirtschaftsdirektion, ausführte. Das zeige, dass Zug ein attraktiver Kanton sei.

Verschiedene dieser Erfolgsfaktoren seien allerdings unter Druck oder gar gefährdet. Das gelte etwa bezüglich vielfältiger Natur, die überschaubaren Verhältnisse, das Engagement der Bevölkerung oder die Verbundenheit mit der Zentralschweiz.

Gemäss Landammann Peter Hegglin gilt es in den nächsten Jahren sechs zentrale Herausforderungen zu bewältigen. Dazu gehörten ein Bevölkerungswachstum, der Erhalt natürlicher Ressourcen, eine stabile und konkurrenzfähige Steuerpolitik sowie ein hohes Bildungsniveau.

Nur so könne Zug einer der erfolgreichsten Lebens- und Wirtschaftsräume bleiben. Der Erfolg des Kantons sei keineswegs in Stein gemeisselt, betonte Hegglin.

Das Zauberwort heisse «Balance finden» - Balance zwischen Wachstum und natürlichen Ressourcen, Balance zwischen (steuerlicher) Spitzenposition und attraktivem Wohn- und Lebensraum sowie Balance zwischen Individualität des Einzelnen und dem gemeinsamen Angehen von Problemen.

Wachstum verlangsamen

Nach der überdurchschnittlichen Entwicklung der letzten Jahre sei Verlangsamung angesagt, erklärte Baudirektor Heinz Tännler. Angestrebt werde ein Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstum, das deutlich kleiner sei als bisher. Über die Richtplananpassung müssten die Prognosewerte korrigiert werden: Es brauche Antworten darauf, wo und wie sich der Kanton entwickeln soll.

Der Kanton Zug sei ein kleiner Kanton mit begrenzten natürlichen Ressourcen. Beispielhaft für dieses Ressourcenproblem ist für Tännler die Zuger Kirschtorte und der Zuger Kirsch. Der Rohstoff «Zuger Chriesi», eines der wichtigsten Markenzeichen des Kantons, werde langsam knapp, nachdem seit 1950 rund 60 Prozent der Hochstamm- Kirschbäume verschwunden seien.

Es erstaunt daher nicht, dass unter den im Legislaturprogramm formulierten 48 konkreten Zielen auch die Förderung des «Zuger Chriesi» als Kulturgut aufgeführt ist.

Darüber hinaus will der Regierungsrat in den nächsten Jahren ein Weiterbildungsinstitut für Energie- und Rohstoffgewinnung fördern, eine Innovationsschule als Pilot-Projekt in der Schweiz lancieren und beim Polizeikonkordat Zentralschweiz mitmachen.

(sda)

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