«Ungepflegtes Äusseres»: Zugchef mobbt Kollegen mit Fake-Kundenbriefen
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«Ungepflegtes Äusseres»Zugchef mobbt Kollegen mit Fake-Kundenbriefen

Ein Zugchef erhielt schlechtes Feedback von diversen Kunden, die ihn als fast schon ekelhaft kritisierten. Es handelte sich jedoch um Fake-Briefe eines Mitarbeiters. Er wurde nun verurteilt.

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att/som
Kunden reklamierten über das Auftreten und die beruflichen Kompetenzen eines SBB-Zugchefs. Hinter den Briefen steckte aber ein Arbeitskollege.

Kunden reklamierten über das Auftreten und die beruflichen Kompetenzen eines SBB-Zugchefs. Hinter den Briefen steckte aber ein Arbeitskollege.

Die SBB leiteten vor zwei Jahren gegen einen langjährigen Zugchef diverse disziplinarische Massnahmen ein. Grund dafür: Rund ein Dutzend Fahrgäste hatten sich in harsch abgefassten Schreiben beim SBB-Online-Kundendienst über den SBB-Mann beschwert.

«Er hatte so ein ungepflegtes Äusseres, dass ich mich daran gestört habe», schrieb eine Kundin. «Seine Haare sahen so aus, als sei er direkt aus der Dusche gekommen», doppelte ein weiterer Fahrgast nach.

«Schon fast ekelhaft» und «im Zug eingedöst»

In einem weiteren Brief wurde ein Kritiker über den Zugchef noch deutlicher: «Sein Auftreten ist unter jedem Hund, es ist schon fast ekelhaft, wie er daherkommt.» Andere Kunden reklamierten auch über die beruflichen Kompetenzen des uniformierten Bahnbeamten. «Er hat während der Arbeit geschlafen», meldete ein Fahrgast.

Er sei auch im Zug eingedöst, schrieb eine weitere Person. Der Zugchef habe zudem eine defekte Klimaanlage trotz Möglichkeit zur Reparatur einfach ignoriert, lautete ein weiterer happiger Vorwurf.

Täter war ein mobbender Arbeitskollege

Die Vorgesetzten des Zugchefs wurden aufgrund der fortgesetzten Mängelliste allerdings misstrauisch und leiteten eine interne Untersuchung ein. Dabei kam heraus, dass hinter allen Schreiben nicht etwas Fahrgäste, sondern ausgerechnet ein SBB-Zugchef aus Spreitenbach (AG) steckte. Der heute 52-jährige Täter hatte alle Beschwerdebriefe selber geschrieben. Der mobbende Arbeitskollege wollte damit das Ansehen des Geschädigten gezielt beeinträchtigen, schrieb der eingeschaltete Staatsanwalt Andreas Popow von der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl dazu.

Der perfide Autor ging dabei raffiniert vor, indem er die Beschwerden im Namen von fiktiven Personen dem Kundendienst der SBB an unterschiedliche Postadressen in Zürich und Bern verschickte – wobei der Täter wusste, dass die in seinen Schreiben geschilderten Verfehlungen gar nicht stattgefunden hatten.

Wegen Verleumdung verurteilt

Bedenklich war dabei, dass der Beschuldigte die Briefe zwischen März 2011 bis zum Juni 2014 über Jahre hinweg dem Kundendienst zugestellt hatte.

Nun wurde der erwischte Falschmelder per Strafbefehl wegen Verleumdung zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 30 Franken sowie zu einer Busse von 300 Franken verurteilt. Der tiefe Tagessatz und die niedrige Busse kommt wohl daher, dass der Zugchef nicht mehr bei der SBB arbeitet, wie diese auf Anfrage sagt.

Schmerzensgeld für Opfer

Mit dem Schuldspruch wurde der Zugchef verpflichtet, seinem heute entlasteten Berufskollegen ein Schmerzensgeld von 2500 Franken zu bezahlen. Zudem muss er für die Verfahrenskosten von 1200 Franken aufkommen. Ob der Geschädigte noch bei der SBB tätig ist, ist nicht bekannt.

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