Kriegsverbrechen: Zugedröhnte US-Soldaten töten zum Spass
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KriegsverbrechenZugedröhnte US-Soldaten töten zum Spass

Die US-Armee in Afghanistan ermittelt gegen Soldaten, die unbewaffnete Zivilisten getötet haben sollen. Videos von den Verhören offenbaren erschütternde Details.

von
kri
Gegen Andrew Holmes, Michael Wagnon, Jeremy Morlock and Adam Winfield ermittelt die US-Armee wegen Mordes an drei afghanischen Zivilisten. (Bild: PD)

Gegen Andrew Holmes, Michael Wagnon, Jeremy Morlock and Adam Winfield ermittelt die US-Armee wegen Mordes an drei afghanischen Zivilisten. (Bild: PD)

Es könnte sich um die schwersten Kriegsverbrechen des neunjährigen Afghanistankonflikts handeln, US-Medien vergleichen sie bereits mit Abu Ghraib im Irak und My Lai in Vietnam. Die US-Armee ermittelt gegen Soldaten einer Kampfeinheit im Süden Afghanistans, die zwischen Januar und Mai 2010 drei unbewaffnete Zivilisten getötet haben sollen. Bei einer Verurteilung droht ihnen lebenslange Haft oder sogar die Todesstrafe.

Anfang September wurden die schockierenden Einzelheiten bekannt: Die drei Afghanen sollen in ihren Dörfern mit Handgranaten und Gewehrfeuer getötet worden sein. Der mutmassliche «Anführer» der Killertruppe soll Körperteile der Toten, darunter Fingerknochen, als Trophäe gesammelt haben. Ein Soldat, der seinen Vorgesetzten den weit verbreiteten Drogenmissbrauch in seiner Einheit gemeldet hatte, wurde geschlagen und bedroht. Daraufhin meldete er auch die Morde und brachte die ganze Sache ins Rollen. Belastende Fotos der Leichen hat die US-Armee bis jetzt unter Verschluss halten können.

«Kriegstrophäen»

Inzwischen sind aber Videos von den Verhören aufgetaucht. Darin beschreibt ein 22-jähriger Korporal, wie sein «verrückter» Vorgesetzter auf Patrouille wahllos auf einen afghanischen Zivilisten zeigte und die Gruppe fragte: «Also, wollt ihr den umlegen?» Er befahl das Feuer zu eröffnen und warf gleichzeitig eine Handgranate. Auf die Frage, warum er einen solchen Befehl nicht verweigerte, antwortete der Korporal, er habe Angst vor seinem Vorgesetzten gehabt. Um den Anschein zu erwecken, der Afghane habe die US-Soldaten angreifen wollen, platzierte dieser im Nachhinein eine russische Handgranate neben dem Opfer. Danach soll er die Leiche zerlegt und einen Fingerknochen entnommen haben. «Kriegstrophäen», meinte der Korporal im Verhör.

Obwohl die Untersuchung noch andauert, ist in den USA nach Veröffentlichung der Videos eine heftige Kontroverse entbrannt. Der ohnehin unpopuläre Kampf gegen die Taliban werde jetzt noch schwieriger, um nicht zu sagen unmöglich zu gewinnen sein, heisst es. Der Blogger Eric Martin hält die Strategie, «Herz und Verstand» der Afghanen zu gewinnen, für gescheitert. Das sei wie ein Versuch, «aus Tigern Papierkatzen zu machen». Die Spannung zwischen hehrer Theorie und trauriger Realität liesse sich nicht aufheben. Ähnlich äussert sich Ta-Nehisi Coates vom «Atlantic Magazine»: Nach fast einem Jahrzent Krieg in diesem Land, sollten solche Ereignisse nicht mehr überraschen. «Es gibt keinen sauberen Krieg».

Korporal Jeremy N. Morlock im Verhör:

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